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Rentnerin und Tierschutzverein einigten sich vor Gericht
Inge Taphorn hat ihre Katzen wieder

Inge Taphorn hat ihre beiden Katzen wieder.
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ihm Hilchenbach/Siegen. Das Happy-End kam nach 20 Minuten im Gerichtssaal 172 des Siegener Amtsgerichts. Mit einem Vergleich einigten sich der Tierschutzverein Siegen und die Rentnerin Inge Taphorn, dass die beiden Katzen der Hilchenbacherin zurückgegeben werden – gegen Zahlung von 1700 Euro in Raten zu 10 Euro pro Monat. Inge Taphorn konnte ihr Glück kaum fassen und machte sich gleich an die Organisation von Katzen-Transportkorb und Autotransfer zum Tierheim: „Und dann feiern wir zu Hause, dass ich meine Katzen wiederhabe!“
Ein Jahr im Siegener TierheimMehr als ein Jahr haben die beiden betagten Stubentiger inzwischen im Katzenhaus des Siegener Tierheims verbracht.

ihm Hilchenbach/Siegen. Das Happy-End kam nach 20 Minuten im Gerichtssaal 172 des Siegener Amtsgerichts. Mit einem Vergleich einigten sich der Tierschutzverein Siegen und die Rentnerin Inge Taphorn, dass die beiden Katzen der Hilchenbacherin zurückgegeben werden – gegen Zahlung von 1700 Euro in Raten zu 10 Euro pro Monat. Inge Taphorn konnte ihr Glück kaum fassen und machte sich gleich an die Organisation von Katzen-Transportkorb und Autotransfer zum Tierheim: „Und dann feiern wir zu Hause, dass ich meine Katzen wiederhabe!“

Ein Jahr im Siegener Tierheim

Mehr als ein Jahr haben die beiden betagten Stubentiger inzwischen im Katzenhaus des Siegener Tierheims verbracht. Wie die SZ im Oktober berichtete, fanden sie dort eine Unterkunft, nachdem ihre Besitzerin Inge Taphorn zwei Schlaganfälle erlitten hatte und im Krankenhaus im Koma lag – zunächst ohne Aussicht auf Genesung. Aber manchmal geschehen Wunder, und die 79-Jährige war gestern im Gericht bestens aufgelegt: „Ich hab sogar das Rauchen aufgegeben, jetzt geht es mir noch besser!“
Was ihr zum Glück fehlte, waren Micky und Tommy. Die beiden lebten seit August 2018 im Tierheim. Nach ihrer Genesung hat Inge Taphorn versucht, sie wiederzubekommen – der Tierschutzverein weigerte sich zunächst und favorisierte eine Vermittlung an Fremde. Die Katzen seien in der Hilchenbacher Wohnung nicht im besten Zustand gewesen, hieß es.
Inge Taphorn gab nicht auf, sondern holte sich juristischen Beistand. Nun stellte das Tierheim eine Rechnung auf: Die Hilchenbacherin könne die Tiere holen – gegen eine Zahlung von 4207,50 Euro für Futter, Tierarztkosten und Unterkunft.

Rechtliche Situation ist kompliziert

Gestern nun trafen sich die Parteien vor dem Amtsgericht. Inge Taphorn hatte Anwalt Dr. Lutz Klose aus Bielefeld mitgebracht, für den Tierschutzverein waren die Vorsitzende Pia Biehl und Anwältin Dr. Julia Tielsch, ebenfalls Vorstandsmitglied, gekommen.
Amtsrichterin Rosemarie Becker legte die rechtliche Situation dar, die komplizierter sei, als es auf den ersten Blick scheine. Eine der Fragen: Wem gehören die beiden Katzen nun eigentlich? Es gibt keinen Abgabevertrag, sondern lediglich einen Mailverkehr. Der Vertrag sei damals versehentlich nicht geschlossen worden, sagte Julia Tielsch.

Rentnerin nach wie vor Eigentümerin

Die Richterin neigte der Auffassung zu, dass Inge Taphorn nach wie vor Eigentümerin der Katzen sei, das Tierheim sei lediglich als Vermittler an einen neuen Besitzer aufgetreten. Rosemarie Becker: „Wenn also die Klägerin Eigentümerin ist und die Beklagte berechtigte Besitzerin, dann bestünde ein Herausgabe-Anspruch.“
Die Richterin unterstrich aber im gleichen Atemzug, dass der Tierschutzverein „notwendige Verwendungen“ (das sind Kosten) gehabt habe. Gemeint waren Ausgaben für Futter und Tierarztkosten. Dafür könne Anspruch auf Ersatz bestehen.

Gütliche Einigung

Nach dieser rechtlichen Einordnung kam die entscheidende Frage von der Richterbank: „Besteht denn Aussicht auf gütliche Einigung?“ Beide Seiten nickten. Dr. Julia Tielsch erklärte die Kompromissbereitschaft des Tierschutzvereins: „Wir wollen nicht, dass Sie weiter auf die Katzen warten, das ist nicht der Plan.“ Es sei schon „sehr großer Schaden entstanden“, sagte sie und spielte damit auf die öffentliche Resonanz zu dem Fall an.
Rosemarie Becker hatte bereits gerechnet. Das Futter (4 Euro pro Tag und Katze) und die Tierarztkosten für fünf Monate (bis zu dem Zeitpunkt, als die Rückgabe erstmals gefordert worden war) beliefen sich auf 1700 Euro.

10 Euro im Monat

Dass Inge Taphorn von ihrer schmalen Rente diese Summe nicht auf einen Schlag bezahlen kann, war allen Beteiligten klar. Julia Tielsch selbst schlug eine Mini-Rate vor: „10 Euro im Monat!“ Dass es 14 Jahre dauern wird, bis der Tierschutzverein sein Geld bekommen hat, spielte keine Rolle. Rosemarie Becker: „Es geht ja ein bisschen um die Symbolik.“
Julia Tielsch war wichtig, dass „deutlich werden muss, dass das Tierheim keine Tierpension ist. Wir wollen die Katzen zurückgeben und einer Rentnerin auf keinen Fall die Luft abdrücken. Aber wenn sie die Tiere zu Hause gehabt hätte, hätte sie ja auch Futter und Streu kaufen müssen.“ Inge Taphorn zögerte keine Sekunde, wollte gar noch höhere Raten akzeptieren. Hier schritt die Richterin ein: „Man darf keine Verpflichtung eingehen, die man nicht erfüllen kann.“ Also blieb es bei 10 Euro.
Aufgenommen in den Vergleich wurde aber der Passus, dass die Restsumme erlassen wird, wenn bis zum 31. Dezember 2020 unterm Strich 1200 Euro beim Tierheim eingezahlt worden sind. Das Geld, so die Hoffnung, könnte eventuell durch Spenden zusammenkommen.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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