Kammermusik zum Advent

Helmut Erb und Barocksolisten begeisterten mit außergewöhnlichem Spiel in Hilchenbach

gmz Hilchenbach. Es war eine kammermusikalisch-filigrane Einstimmung in den Advent, zu der der Trompeter Helmut Erb mit den Südwestdeutschen Barocksolisten am Freitagabend in die Hilchenbacher Kirche einlud. Das reine Barock-Programm, von Purcell über Scarlatti bis Bach, passte wunderbar in die vorweihnachtliche Zeit mit seiner die streng formalen Barock-Vorgaben weitenden Stimmung, die immer von sehr persönlicher Fest-Vorfreude zeugt.

Das Ensemble - Helmut Erb (hohe Trompete), Georg Weiss (Oboe 1), Simone Knapp (Oboe 2), Jörg Klüser (Englischhorn), Andrea Ehrhard (Fagott), Emi Ogino (Cembalo) und Michael Schneider (Kontrabass) - machte seinem Ruf als renommierter Interpret von Barockmusik alle Ehre. Die ausgezeichneten Musiker ließen den Stücken Zeit, sich zu entfalten, betrachteten sie nicht nur als rein technische Herausforderung (wie man es ja gelegentlich bei Barockmusik erlebt), sondern meisterten die formale Komplexität so souverän, dass sich darüber dichte, szenische »Beschreibungen« entwickelten. Dafür sorgten der weiche, runde, auch in den hohen Höhen mühelose Ton der Trompete, die klaren, weder näselnden noch gepressten Oboen- und Fagotttöne, sowie die präzise, zurückhaltend bis »aufmunternde« Begleitung von Cembalo und Kontrabass.

Mit Pietro Baldassares »Sonate in D-Dur Nr. 1« stellten die Musiker ein feierliches Stück an den Beginn des Konzertes, das in der ersten Zugabe, dem berühmten »Air« aus Bachs »Suite Nr. 3« eine anrührende, einmal nicht fetzige, sondern nachdenklich-intensive Schlussentsprechung fand. In Johann Philipp Kriegers »Lustiger Feldmusik« breiteten die Holzbläser die heiteren, stellenweise neckischen (so der Auftakt zu »Air 2«), manchmal fast ironisch gebrochenen (»Air 1« oder »March«), oder ländlich-festlichen (»Menuet«) Szenen aus, die von Cembalo und Kontrabass kommentiert oder in der Stimmung verändert wurden.

Telemanns »Konzert in Es-Dur für Corno da Caccia« boten die Musiker als in weit geschwungenen Bögen angelegtes Stück, das vor allem im dritten Satz die signalhaften Töne zu einer wunderbaren Melodie zusammenfügt. Das Spiel mit Melodie und Variation stand auch im Mittelpunkt der beiden bachschen Choralvorspiele »Wachet auf, ruft uns die Stimme« und »Jesu bleibet meine Freude«, in denen Helmut Erb fast den »Text spielte«, also eine den Inhalt bedenkende Interpretation vorstellte. Außergewöhnlich war auch die Darbietung von Purcells »Suite in D-Dur«, die vor allem für das beliebte »Trumpet Voluntary« bekannt ist. Der ausgesprochene Dialog, der zwischen der strahlend klaren Trompete und den variationsreichen »Begleitinstrumenten« entstand, machte Stimmungen und Stimmungswechsel sichtbar.

Emi Ogino hob mit Scarlattis »Sonaten E-Dur, d-Moll und f-Moll für Cembalo« die Melodie-Möglichkeiten des Cembalos hervor, das mehr als »nur« die Continuo-Funktion »kann«, zeigte die Fanfaren-Möglichkeit des ansonsten eher zart klingenden Instrumentes (E-Dur) oder den geradezu experimentellen Charakter der Ton-Findung (f-Moll). Mit dem »Kammertrio Nr. 24« von Händel stellten Oboe, Fagott und Basso Continuo ein heiteres Stück vor, das am Übergang von Largo zum Allegro mit einem kleinen, aber feinen »Frage-Antwort-Spiel« überraschte. Die Zuhörer zeigten sich von dem Konzert so begeistert, dass sie die Musiker nicht ohne zwei Zugaben entließen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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