Kammermusikalische Gedächtnisfeier für Adolf Busch

Mandelring-Quartett eröffnete in Dahlbruch die Buschkreis-Saison mit Werken von Haydn, Busch und Mendelssohn Bartholdy

G.S. Dahlbruch. Ganz im Zeichen des Gedenkens an den 50. Todestag des großen Geigers und Komponisten Adolf Busch stand am Dienstagabend das 65. Konzert der Reihe »Meisterliche Kammermusik« mit dem Mandelring-Quartett beim Gebrüder-Busch-Kreis. Wie schon bei seinem ersten Auftreten in Dahlbruch vor vier Jahren stellte das Spitzenensemble der Geschwister Schmidt aus Neustadt an der Weinstraße – Sebastian und Nanette (Violinen), Bernhard (Violoncello) und Roland Glassl (Viola) – die »Neun Stücke für Streichquartett« op.45 von Adolf Busch in den Mittelpunkt seiner Vortragsfolge.

Der Komponist Adolf Busch

In Würdigung seines Konzertdebüts als Geigensolist im Jahre 1910 in Berlin schrieb die Musikzeitschrift »Signale« voller Anerkennung: »Der erst 18-jährige Adolf Busch ist einer jener Frühreifen, die geboren sind, um entweder große Diener der Kunst zu werden, oder an ihrer unheimlichen Begabung zugrunde zu gehen. Diesem jungen Talent wird die inhaltlich schwere Musik gehören, für die er schon heute das ganze Rüstzeug besitzt. Neben Reinheit des Stils und herber Schönheit des Tons ließen Ernst und Ausdruckstiefe aufhorchen, denen sich das Geigentechnische unterzuordnen hatte.« Das waren die Charakteristika, mit denen zunächst der Geiger, doch bald auch der Kammermusiker Busch zu einer musikalischen Instanz wurde. Seine Fähigkeit, Musik extrem auszuphrasieren, blieb unerreicht.

Die Überzeugungskraft seiner bis an die musikalische Substanz greifenden künstlerischen Autorität öffnete ihm den Weg zu einer umfassenden Gestaltung der Werke von Bach oder Beethoven, von Brahms oder Reger. Unbedingte Werktreue und Gründlichkeit im Detail führten in seinem Nachschaffen zu Resultaten von einzigartiger Vollkommenheit. Dem Fundus dieses großen Repertoires entsprangen auch seine schöpferischen Visionen. Als Komponist zielte Adolf Busch auf eine höhere Einheit, auf das Absolute.

Davon legten auch die »Neun Stücke für Streich-Quartett« am Dienstagabend beredtes Zeugnis ab. Die ebenso zarten und scharfsinnigen wie auch lebendig bewegten Zusammenhänge dieses Opus, das ohne Einschnitte in neun ineinander übergehenden Teilen abrollt, so darzustellen, dass die große Form zum Vorschein kommt, erforderte von den Mandelring-Musikern eine Reise in höchste Gefilde melodischer und harmonischer Ausarbeitung. Barocke Phrasierungen auf eine klassische Form hin zu entfalten kann seine große Wirkung nur erzielen, wenn allem äußeren Glanz und aller Bravour abgeschworen wird. Nichts wurde effekthascherisch demonstriert, sondern alles – Ruhe, Verhaltenheit, strömende Kraft, ja auch Zuversicht und Freiheit – in den musikalischen Prozess integriert; dem Komponisten Adolf Busch zu ehrendem Gedenken.

Haydn und Mendelssohn Bartholdy

Die musikalische Gedächtnisfeier für Adolf Busch wurde klassisch und romantisch umrahmt. Joseph Haydns B-Dur-Opus 76/4 eröffnete und Felix Mendelssohn Bartholdys e-Moll-Opus 44/2 beschloss den Vortragsreigen. Mit einer ungewöhnlichen Intensität des Klanglichen ließ das Mandelring-Quartett in Haydns Allegro con brio das Licht eines alle Lebenskräfte steigernden Tagesanbruchs leuchten.

In inniger Meditation stellten die Künstler das sich zu sensibler Hingabe entfaltende Adagio als Klangstück deutscher Mystik vor. Von Tanzen und Springen war das in allen Stimmen aktivierte Menuett mit seinem verhaltenen Trio erfüllt, bevor das fesselnde Finale mit geselligem Humor dem gesamten Werk einen hinreißend beflügelten Prestoabschluss bescherte.

Mendelssohn Bartholdy beschritt auch in seinem Streichquartettschaffen den Weg, die tradierten Formen seiner Vorbilder (Haydn, Mozart, Beethoven) mit eigenem Geist zu erfüllen. Wie sehr ihm das gelungen ist, erfuhren die Zuhörer dannmit der Interpretation des Streichquartetts e-Moll, op.44/2. In erstaunlicher Stimmdemokratie trafen die glänzend disponierten Gäste Mendelssohns Stil.

Auftaktig rhythmisierte, in Vierteln fließende Themen des Kopfsatzes wurden organisch einander angeglichen. Die Elfensphäre früherer Werke trat im glitzernden Scherzo herrlich zutage. Im Andante stimmte der Primarius mit seiner Kantilene, über Haltetönen des Cello, Achteln der Bratsche und Sechzehnteln der 2. Geige, eines der tief empfundenen »Lieder ohne Worte« an. Auch der impulsive, thematisch verdichtete Vortragsstil hat dem Finale nichts von seiner Ungezwungenheit genommen.

Der Ensemblegeist, aus gegenseitiger Inspiration gewonnen, garantierte in allen Werken die große Nähe zum Willen der Komponisten und riss die Zuhörer zu dankbaren Ovationen hin. Als unerlässliche Zugabe erklang ein Walzer von Antonin Dvor#FFák.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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