Klassik und Moderne

Sabine Kittel, Anke Heyn und Paul Rivinius (Klavier) – das Ensemble Bento aus Dresden – begeisterten in Dahlbruch.  Foto: gmz
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gmz Dahlbruch. Sabine Kittel, Busch-Preisträgerin des Jahres 1995, verzauberte am Dienstagabend die Zuhörer im Dahlbrucher Gebrüder-Busch-Theater gemeinsam mit dem Ensemble Bento Dresden. Das sind neben der exzellenten Flötistin Sabine Kittel die nicht minder gute Cellistin Anke Heyn (wie Kittel bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden engagiert) und der Pianist Paul Rivinius, der ein gefragter Kammermusik-Begleiter ist. Im chronologisch spannend aufgebauten Programm bewiesen die drei Solisten ihre Klasse – auch als Ensemble. Ihr Spiel war geprägt von großer Virtuosität, packend klarem Ton, von Leichtigkeit und von einem Trio-Klang, der sich mühelos aus dem aufmerksamen Zusammenspiel dreier Könner entwickelte.

Mit Carl Maria von Webers „Trio für Klavier, Flöte und Violoncello g-Moll, op. 63“ eröffnete das Ensemble den Abend, den letzten in dieser Saison der Meisterlichen Kammermusik. Bestechend war die Meisterschaft, mit der die drei Musiker die höchst unterschiedlichen Stimmungen der vier Sätze entwickelten. Das weit gespannte Zauberwerk der Melodie des ersten Satzes trugen sie in das von der Flöte fast ironisch interpretierte Scherzo, das von Cello und Klavier immer wieder in die Ernsthaftigkeit zurückgeführt wurde. In des „Schäfers Klage“ stimmten alle drei Solisten in die ungemein expressive Klage ein, die sie – und das war überraschend – nicht dialogisch entwickelten, sondern als Einzelklagen gemeinsam anstimmten. Das Finale endete versöhnlich, zupackend, wegweisend.

Schuberts „Introduktion und Variationen über „Trockne Blumen“ für Flöte und Klavier aus der „Schönen Müllerin“ D 802“ war das erste der „Duette“ für Flöte, bzw. Cello und Klavier. Die ergreifende, melancholisch-sehnsuchtsvolle Melodie mit der überraschend heiteren Schlusswendung wurde von den beiden Solisten im Zusammenspiel entwickelt: Sehnsucht, Verlust, Erinnerung und innerer Aufbruch wurden von der Flöte aus der Gebundenheit der Situation befreit, vom Klavier in erwartungsvolle Spannung versetzt, von beiden gemeinsam pointiert rhythmisiert, lyrisch stimmungsvoll verdichtet und konzentriert, um schließlich zum poetischen, erzählenden Lied zurückzukehren. Großartig!

Claude Debussys fast modern anmutende „Sonate d-Moll für Violoncello und Klavier“ bestach durch ihren experimentellen Charakter, der nachdenkliche und dezidierte Stimmungen rhythmisch und harmonisch ungewöhnlich fasste und zu einem musikalisch kraftvollen Schluss führte. Das Cello als „vorgebendes Instrument“ wurde gekonnt und keineswegs passiv begleitet vom Klavier.

Vier mythisch-literarische Flötenspieler mit ihren unterschiedlichen Charakteristiken stellt Albert Roussel in seinem Stück „Joueurs de Flûte op. 7 Nr.1-4 für Flöte und Klavier“ vor. Sabine Kittel und Paul Rivinius malten die Portraits der unterschiedlichen Figuren in Tönen. Heiter und kapriziös der Pan, keck und energisch Tityrus, souverän Krishna, lebhaft und zupackend M. de la Péjaudie.Das letzte Stück des Konzertes zeigte ebenfalls die ganze Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten des Trios. In Bohuslav Martinus „Trio für Flöte,. Violoncello und Klavier“ bestachen die Drei wieder mit ihrem gekonnten Spiel mit den überraschenden (Anklängen an Dis-)Harmonien des Komponisten, die sie mit Leichtigkeit aus der klassischen Melodie „herausholten“, mit den rhythmischen Kapriolen und der klassisch intensiven Homogenität. Einen besseren Abschluss der Saison konnte man sich kaum wünschen, wie auch der begeisterte Applaus des Publikums zeigte – zwischen Klassik und Moderne, von mitreißender Musikalität.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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