Kontraste, die fordern

Stefanie Dumrese spielte mit der Philharmonie Südwestfalen in Dahlbruch Telemanns G-Dur-Bratschenkonzert und Brittens „Lachrymae“.  Foto: aww
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aww Dahlbruch. Die Philharmonie Südwestfalen ist ein Orchester, das ungeachtet seiner Popularität durchaus nicht nur Gängiges, Gefälliges aufs Programm setzt, sondern immer wieder auch die Aufgeschlossenheit des Publikums fordert, sie zu entwickeln sucht. Nun ist Arnold Schönbergs Kammersinfonie Nr. 2 op. 38 kein Werk, das auf den Rezipienten im 21. Jahrhundert noch in irgendeiner Weise verstörend wirken würde, vom Klangeindruck her mutet es gar vergleichsweise harmlos an. Und auch Benjamin Brittens „Lachrymae“ mit all seinen Dissonanzen sprengt mitnichten den Rahmen heutiger Hörgewohnheiten, nähert sich kaum deren Grenzen.

Und dennoch: Das eine wie das andere ist eben nicht Mozart, ist eben nicht Telemann, geht eben nicht so leicht ins Ohr, verlangt eben doch eine gute Portion Offenheit vom Publikum. Dies wird besonders deutlich, wenn diese Werke so stark mit den großen Meistern der Klassik bzw. des Barock kontrastiert werden wie beim Sinfoniekonzert der Philharmonie am Donnerstagabend im gut besuchten Gebrüder-Busch-Theater in Dahlbruch. Das Hilchenbacher Orchester stand unter der Leitung des Dirigenten Lutz de Veer, Erster Kapellmeister des Niedersächsischen Staatstheaters in Hannover, und brachte gemeinsam mit der Gastsolistin Stefanie Dumrese zu Beginn Barockes mit Georg Philipp Telemanns G-Dur-Konzert für Viola und Streichorchester.

Die erste Solobratscherin des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover gefiel im getragen-sehnsüchtigen Largo wie auch noch mehr im Andante mit rundem, lyrischem Ton und traf den gefühligen Charakter der Musik sehr schön, während sie im Allegro und Presto eine ausgereifte Technik auch in den rascheren Passagen zeigte. Die Besucher quittierten die souveräne Darbietung Stefanie Dumreses mit langem Applaus.

In die folgende Schönberg’sche 2. Kammersinfonie in zwei Sätzen – Adagio und Con fuoco – gab Dirigent de Veer zunächst eine informative Einführung. Die Philharmoniker präsentierten gute Einzelleistungen in einem kompakten Ganzen, lässt doch das farbenfroh instrumentierte Stück immer wieder einzelne Instrumente bzw. Gruppen mit kurzen Phrasen und Motiven hervortreten. Ein spannend anzuhörendes, jede Sekunde fesselndes, komplexes Werk mit kühner Harmonik und zahllosen musikalischen Ideen, gespielt von einem sehr konzentrierten Orchester.

Brittens „Lachrymae“ – Reflections On A Song Of Dowland“ für Viola und Streichorchester in einer prächtigen Wiedergabe von Stefanie Dumrese bescherte den Zuhörern mit seiner düster-traurigen Grundstimmung, angereichert mit Effekten wie Flageoletts oder Pizzikati und gekrönt von einer mitunter sehr feinen Tongebung ein recht intensives, berührendes musikalisches Erlebnis. Der melodisch-harmonisch unerwartet traditionell klingende Schluss der Komposition bildete eine gelungene Überleitung zu Mozart. Dessen 29. Sinfonie in A-Dur (KV 201) rundete den musikalisch weit ausholenden Abend klangvoll ab. Dirigent Lutz de Veer hatte sichtlich Freude an den kantablen, schlank-klaren Melodien. Das Orchester gestaltete sehr differenziert, etwa mit schönen dynamischen Kontrasten im Finalsatz. Auch hier lang anhaltender Beifall – wiederum verdient!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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