Hilchenbach gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus
Mahnung bleibt bitternötig

Schüler des Gymnasiums Stift Keppel und der Carl-Kraemer-Realschule waren an der Programmgestaltung beteilgt.
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  • Schüler des Gymnasiums Stift Keppel und der Carl-Kraemer-Realschule waren an der Programmgestaltung beteilgt.
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js Hilchenbach. Nie wieder! Die Botschaft der Kranzniederlegung zur Erinnerung an die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden war am Freitagnachmittag wieder eindeutig – und angesichts der Nachrichten aus jüngster Zeit abermals bitternötig. Nach der schlichten Premiere vor einem Jahr, als die Stadtverwaltung erstmals und noch ohne langen Planungsvorlauf zum symbolischen Treffen am Gedenkstein oberhalb des Marktplatzes eingeladen hatte, waren diesmal Beiträge verschiedener Akteure zusammengekommen.

"Fassungslos über die Gräueltaten, die sich auch in unserem beschaulichen Hilchenbach abgespielt haben", äußerte sich stellv. Bürgermeister Olaf Kemper in seinen Grußworten. Das Gedenken solle eine Mahnung sein dafür, dass so etwas nie wieder geschehen solle. Die Hauptrede hielten Horst und Roswitha  Womelsdorf, zwei Hilchenbacher, die sich intensiv mit der Geschichte der Nazizeit auseinandergesetzt haben und die privat eine freundschaftliche Beziehung zu Israel pflegen. Horst Womelsdorf erinnerte an Elisabetha Holländer und ihren zehnjährigen Sohn Lothar, die am 28. Februar 1943 – also genau auf den Tag genau vor 77 Jahren – aus Hilchenbach nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden. Sie waren die letzten Juden der Stadt. Hilchenbach galt fortan als „judenfrei“. „Was für eine menschenunwürdige Aussage“, findet Womelsdorf, dessen Frau die Namen aller Hilchenbacher Juden verlas. Ende der 70er-Jahre sei er erstmals in Auschwitz gewesen, erinnert sich Womelsdorf. „Ich wollte endlich die Wahrheit über den Ort des Grauens erfahren. Weder meine Eltern noch andere Menschen konnten oder wollten mir etwas über den Holocaust erzählen.“ Was er vor Ort sah, hat er nie vergessen. Viele Male kehrte er an den Ort zurück, an dem auch Elisabetha und Lothar Holländer ihren Tod fanden. "Auschwitz ist das Tor zur Hölle."

Zahlreiche Schüler waren an der Ausrichtung dieser zweiten Gedenkveranstaltung beteiligt, betonten wie wichtig es ist, an die Schandtaten der Nationalsozialisten zu erinnern - insbesondere angesichts des wiedererstarkenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft und der Verschiebung des Sagbaren, folgerichtig auch mit Verweisen an die rassistisch motivierten Anschläge von Halle und Hanau. Neuntklässler des Gymnasiums Stift Keppel hatten Informationen über die jüdischen Familien Hilchenbachs zusammengetragen und mit Plakaten veranschaulicht. Schüler der Carl-Kraemer-Realschule trugen Gedichte vor. Nach dem „Ave Maria“ von Lea-Deborah Kiel legten Bürgermeister Holger Menzel,  seine beiden Stellvertreter Klaus Stötzel und Olaf Kemper sowie der Atatürkverein Siegerland einen Kranz nieder. Lukas Klimke (Stift Keppel) hielt die abschließende Andacht, erinnerte an die Verantwortung eines jeden Bürgers, dafür einzutreten, dass niemals wieder das geschieht, was den Holländers angetan wurde.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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