Siebenjähriger Henry verwundert über Brief von der Bundesregierung
"Masken"-Post aus Berlin

Der siebenjährige Henry wunderte sich sehr über einen Brief aus Berlin. Die Bundesregierung teilte ihm darin mit, dass er dazu berechtigt ist, sich drei FFP2-Masken (oder vergleichbare) gratis in einer Apotheke abzuholen.
  • Der siebenjährige Henry wunderte sich sehr über einen Brief aus Berlin. Die Bundesregierung teilte ihm darin mit, dass er dazu berechtigt ist, sich drei FFP2-Masken (oder vergleichbare) gratis in einer Apotheke abzuholen.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

sp Kredenbach. Familie Linsel aus Kredenbach war ziemlich überrascht, als sie ein Schreiben aus Berlin für den siebenjährigen Henry im Briefkasten fand. „Wir haben Witze gemacht, jetzt bekommt er schon Post von der Bundesregierung“, erzählt Mutter Karoline Linsel (39). Das Anschreiben, äußerst höflich an den Schüler gerichtet, „sehr geehrter Herr Linsel“. Weiter heißt es dann: „die Corona-Pandemie schränkt unser aller Alltag ein. Ganz besonders gilt das für diejenigen, für die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht“. Henry wird erklärt, dass er dazu berechtigt ist, sich drei FFP2-Masken (oder vergleichbare) gratis in einer Apotheke abzuholen und mit den beigefügten Scheinen insgesamt zwölf weitere mit einer Eigenbeteiligung von 2 Euro.

Nicht nur Henry, auch seine Mutter hat diesen Brief bekommen. Worauf noch immer einige ältere oder chronisch kranke Menschen warten, kam bei der Familie Linsel völlig überraschend an. „Wenn da was von einem erhöhten Risiko steht, da bekommt man erst mal einen Schreck.“ Sie, selbst Ärztin, musste erst einmal überlegen, warum sie und ihr Sohn dazu zählen könnten, denn dazu steht in dem Standardschreiben nichts. Ergebnis ihrer Überlegungen: Ihr Sohn hat leichtes Asthma, sie allergisches.

Allerdings: Bei der letzten lungenfachärztlichen Untersuchung habe man ihnen bestätigt, dass ein gut eingestellter Asthmatiker kein erhöhtes Risiko für einen schlimmeren Verlauf von Covid-19 habe.

Karoline Linsel hakte bei ihrer Krankenkasse nach. Telefonisch teilte man ihr mit, dass Patienten mit bestimmten Diagnosen oder Behandlungen in einem Zeitraum von Sommer 2019 bis 2020 automatisch die Berechtigungsscheine zugeschickt bekämen. Es könne nicht nachvollzogen werden, bei welchen Personen die Erkrankung oder das Risiko noch akut seien.

Auch Mira Andrianantenaina aus Siegen bekam die Berechtigungsscheine von der Bundesregierung und war verwundert. „Man verunsichert damit total viele Menschen“, sagt die 29-Jährige. Sie vermutet, dass sie das Schreiben aufgrund ihrer Schwangerschaft im vergangenen Jahr bekommen hat. Man sei jung und ohne chronische Erkrankungen und auf einmal gehöre man laut des Schreibens zur Risikogruppe. Warum genau? Das wollte sie von ihrer Krankenkasse wissen.

Telefonisch teilte man ihr mit, dass das Service-Center nicht berechtigt sei, Auskunft zu erteilen. Ihr wurde ebenfalls mitgeteilt, dass bei der „Suche“ nach Masken-Berechtigten auf Daten aus dem Zeitraum zwischen Juli 2019 und 2020 zurückgegriffen worden sei.

Mira Andrianantenaina wurde gesagt, sie müsse sich an ihre Ärzte wenden oder die App der Krankenkasse installieren, die mit Stimmerkennung oder dem Personalausweis funktioniere. Damit könne sie Einblick in ihre Daten erhalten. Schritte, die die Mutter einer kleinen Tochter nicht unternehmen wollte. Sie freut sich über die Berechtigungsscheine für die FFP2-Masken, schließlich gelten sie als besserer Schutz und „man braucht sie im Moment überall“.

Auch Familie Linsel nimmt es locker: „Den Brief heben wir auf jeden Fall auf. Wann bekommt man schon Post von der Bundesregierung?“

Berechtigte Personen Insgesamt beziffert die Bundesregierung die Zahl der anspruchsberechtigten Menschen auf 34,1 Millionen bundesweit. Ein Anspruch auf Schutzmasken besteht, wenn die Versicherten das 60. Lebensjahr vollendet haben oder bei ihnen eine der folgenden Erkrankungen oder einer der folgenden Risikofaktoren vorliegt: chronische obstruktive Lungenerkrankung oder Asthma bronchiale, chronische Herz- oder Niereninsuffizienz, Demenz oder Schlaganfall, Diabetes mellitus Typ 2, Krebserkrankung oder stattfindende Chemo- oder Radiotherapie, welche die Immunabwehr beeinträchtigen kann, stattgefundene Organ- oder Stammzellentransplantation, Trisomie 21, Risikoschwangerschaft. Die Techniker Krankenkasse in NRW teilte mit: „Vereinzelt erreichen uns Anfragen von Versicherten, die über den Erhalt eines Berechtigungscoupons überrascht sind. Beim Versand folgen wir der entsprechenden Rechtsverordnung, die den Kreis der anspruchsberechtigten Menschen definiert.“ Die Kriterien für Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen gelten laut der Verordnung unabhängig vom Alter. Die Barmer Krankenkasse schreibt: „Demnach können beispielsweise auch jüngere Personen zu den definierten Risikogruppen (zum Beispiel mit der Diagnose Asthma bronchiale) zählen.“ Und die Aok teilt mit: „Es kann im Einzelfall vorkommen, dass den Versicherten die kodierte Erkrankung vielleicht gar nicht bewusst ist oder dass bei der Kodierung ein Fehler unterlaufen ist. Uns sind aber keine größeren Unregelmäßigkeiten bekannt.“ „Für die Auswahl der Empfänger wurden unter anderem die ambulanten und stationären Abrechnungsdaten der vergangenen 18 Monate ausgewertet, sofern sie der Krankenkasse vorlagen“, schreibt die Techniker Krankenkasse. Von der Barmer heißt, dass zu den Risikogruppen auch diejenigen zählen, die im Analysezeitraum (1. Juli 2019 bis zum 15. Dezember 2020) nur ein einziges Mal eine entsprechende Diagnose erhalten haben. „Im Falle der Datenselektion zur Ermittlung der Risikogruppen kann es also sein, dass die Diagnose zwar einmalig gestellt wurde, die Person aber inzwischen wieder gesund ist.“ Laut Barmer können Empfänger eine Auskunft bei ihren Krankenkassen bekommen, wann und welche Diagnose beim Arzt gestellt wurde.
Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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