SZ

Plädoyers im Vormwald-Prozess
Max M. soll dauerhaft untergebracht werden

Im Vormwald-Prozess sind sich Staatsanwalt und Verteidigerin einig: Max M. soll dauerhaft in die Psychiatrie.
  • Im Vormwald-Prozess sind sich Staatsanwalt und Verteidigerin einig: Max M. soll dauerhaft in die Psychiatrie.
  • Foto: js
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

js Vormwald/Siegen. Niemand in diesem Gerichtssaal zweifelt daran: Max M. hat im Spätsommer des vergangenen Jahres ein Leben ausgelöscht, und das auf ausgesprochen brutale Weise. Staatsanwalt Fabian Glöckner und Verteidigerin Julia Kusztelak sind sich einig in der Bewertung der wochenlangen Beweisaufnahme. Der 20-Jährige hat den 74 Jahre alten Josef S. in dessen Haus ermordet – schuldfähig dürfte er jedoch nicht gewesen sein. Am letzten Verhandlungstag vor dem am 7. Mai erwarteten Urteilsspruch plädieren die Juristen beider Lager dafür, Max in einer psychiatrischen Einrichtung unterzubringen.

Der Beschuldigte selbst bleibt dabei: Prozesstag um Prozesstag verfolgt er das Geschehen beinahe regungslos, macht keine Angaben vor der 2. großen Strafkammer des Landgerichts Siegen.

js Vormwald/Siegen. Niemand in diesem Gerichtssaal zweifelt daran: Max M. hat im Spätsommer des vergangenen Jahres ein Leben ausgelöscht, und das auf ausgesprochen brutale Weise. Staatsanwalt Fabian Glöckner und Verteidigerin Julia Kusztelak sind sich einig in der Bewertung der wochenlangen Beweisaufnahme. Der 20-Jährige hat den 74 Jahre alten Josef S. in dessen Haus ermordet – schuldfähig dürfte er jedoch nicht gewesen sein. Am letzten Verhandlungstag vor dem am 7. Mai erwarteten Urteilsspruch plädieren die Juristen beider Lager dafür, Max in einer psychiatrischen Einrichtung unterzubringen.

Der Beschuldigte selbst bleibt dabei: Prozesstag um Prozesstag verfolgt er das Geschehen beinahe regungslos, macht keine Angaben vor der 2. großen Strafkammer des Landgerichts Siegen. Spurenlage, Geständnisse bei der Polizei und eine ganze Reihe von Zeugenaussagen jedoch haben das Bild bereits komplettiert. „Der Sachverhalt hat sich vollumfänglich bestätigt“, bilanziert der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Er sei überzeugt davon, dass der 20-Jährige sein Opfer „aus Habgier und Mordlust, auf grausame Weise“ getötet habe. Aufgrund mangelnder Reife müsse das Jugendstrafrecht bei dem jungen Erwachsenen Anwendung finden. Das psychiatrische Gutachten habe jedoch klar aufgezeigt, dass Max zum Zeitpunkt des Mordes nicht schuldfähig gewesen sein dürfte. Er leide an einer chronischen paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie und habe die Tat unter einer floriden psychotischen Episode begangen.

Mehr als 70-mal zugestochen

Mit mehr als 70 Stichwunden habe er den Senior malträtiert, ihm vor dem Verblutungstod zweifelsohne Schmerzen und Qualen zugeführt – weit über das Maß hinaus, das zu einer Tötung geführt hätte. Bis heute sei es Max nicht gelungen, die Diagnose seiner Schizophrenie zu begreifen. Auch in Zukunft müsse damit gerechnet werden, dass er ähnliche Taten begehen könnte. „Ganz klar“ sei es daher, dass er in in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden müsse.
„Josef S. war ein austauschbares Zufallsopfer“, betont der Staatsanwalt. Die Beweisaufnahme habe keinerlei Anzeichen dafür ergeben, dass er irgendetwas mit Kinderpornografie oder der Drogenplantage im Nachbarhaus zu tun gehabt habe – anders als Max nach seiner Festnahme behauptet hatte. Vielmehr habe es sich um einen freundlichen, hilfsbereiten Mann gehandelt, der zurückgezogen gelebt habe.

Strafverteidigerin Julia Kusztelak bezweifelt genauso wenig, dass ihr Mandant den 74-Jährigen getötet hat – aus einer Psychose heraus. Er sei damit schuldunfähig. Es handele sich zwar um einen Mord, von Habgier oder Grausamkeit indes möchte sie nicht reden. Vielmehr habe Max aus seiner Krankheit heraus gehandelt. Im Affekt habe sich über eine lange Zeit Angestautes entladen. Kusztelak erinnert an intellektuelle Minderbegabung, Berichte von Missbrauch, jahrelangem Drogenkonsum, mehrfache psychiatrische Behandlungen, paranoide Ängste, Wahnvorstellungen – und eine fatale Falschdiagnose, aufgrund der er im Juli 2020 nicht stationär untergebracht worden war. „Vielleicht wäre die Tötung vermeidbar gewesen.“ Er habe aus einer Psychose heraus getötet.

"Intensive langjährige Behandlung" nötig

Auch wenn das Opfer objektiv gesehen weder mit Pädophilie noch Drogen in Verbindung gebracht werden könne: „In Max’ Vorstellungen aber war das der Fall.“ Der 20-Jährige benötige eine intensive langjährige Behandlung, meint auch seine Verteidigerin. „Wenn die nicht erfolgreich verläuft, sind weitere Taten zu erwarten.“ Die Unterbringung des 20-Jährigen sei daher dringend erforderlich. Max M., so ist es üblich, gilt das letzte Wort. Er bricht sein Schweigen, sagt jedoch nicht viel: „Ich schließe mich meiner Anwältin an.“

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

7 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen