Mit Spielfreude und Können

Artem Chirkov, Giorgi Makhoshvili, Ljubinko Lazic und Jan Jirmasek von Bassione Amorosa machte das Spiel in Dahlbruch sichtlich Spaß!  Foto: gmz
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gmz Dahlbruch. Sehr ungewöhnlich war das 111. Konzert in der Reihe „Meisterliche Kammermusik“ des Gebrüder-Busch-Kreises am Dienstag in Dahlbruch: Das Ensemble Bassiona Amorosa, ein Kontrabass-Quartett (mit fünf Kontrabassisten: der Koreaner Min Se Sung ersetzte bei einigen Stücken ein „festes“ Mitglied und trat auch als hervorragender Solist auf) mit Klavierbegleitung, zeigte mit großem technischem und musikalischem Können, Witz und ansteckender Spielfreude, dass in dem Instrument viel mehr Musik steckt als nur die (Continuo-)Begleitung.

Im Jazz war das Instrument ja schon immer ein wichtiger „Solist“. Im zweiten Teil des Konzertes stellten Artem Chirkov, Jan Jirmasek, der launig und informativ durch den Abend führte, Giorgi Makhoshvili, Ljubinko Lazic und Min Se Sung, zusammen mit der Pianistin Elena Rachelis, in wechselnden Besetzungen die jazzigen und erzählenden Qualitäten des Instrumentes unter Beweis. Dabei spielten – und sangen – sie eigene Arrangements oder auch die ihres Leiters Prof. Klaus Trumpf, der die Moderation wegen einer Erkrankung nicht übernehmen konnte. Mitreißend oder völlig entspannt, verträumt oder mit Witz: Die Kontrabassisten, allesamt ausgezeichnete Vertreter ihres Fachs, überzeugten mit Gesang (klasse: Jim Jirmasek) und singenden Saiten. Die Bandbreite war groß und abwechslungsreich – und gefiel dem Publikum sichtlich, denn es forderte begeistert zwei Zugaben.

Tony Osbornes „Star“ beispielsweise war ein sehr pointiert gespieltes Werk, das den Rhythmus in den Vordergrund stellte, durch ihn eine Geschichte schuf, die von einer Begegnung, einer Annäherung, einer Entfremdung, einer Konfrontation erzählte, die in einem schmissigen Bogenspiel endete und den Neuanfang in Aussicht stellte. Gekonnt! Federleichten Jazz gab es auch mit Giorgi Makhashvilis „Valse Caramel“, der keineswegs „klebrig“ oder süß war, sondern unbeschwert und expressiv daherkam, mit Rhythmen experimentierte, die geschlagen, geklopft oder gestrichen wurden. Den fahrenden Zug imitierten die Musiker im „Zirkus“, einem sehr melodiösen, jazzigen Stück, das sehnsuchtsvoll und auch am Rande der Tragik durch die Manege führte und die einzelnen Solisten ins Rampenlicht stellte.

In den klassischen Stücken, die bis auf wenige Ausnahmen alle für das vierköpfige Ensemble arrangiert wurden, überzeugten die Musiker durch ihr präzises Spiel, die singenden Melodien (beispielsweise bei Bachs berühmten „Arioso“ aus dem Cembalo-Konzert f-Moll BWV 1056), die Klarheit der Melodieführung in Vivaldis „Frühling“ aus den „Vier Jahreszeiten“, wobei allerdings der zwitschernde Vogelruf eher etwas heiserer als gewohnt erklang und die Musiker weniger zu Höhenflügen angesichts der wiedererwachenden Natur ansetzten als vielmehr das Eis aus den Saiten schüttelten.

Wunderbar stimmig wirkte dagegen ihre Version von Mozarts Andante aus dem Klavierkonzert C-Dur, in dem die spannungsvoll agierende Pianistin Elena Rachelis, die auch immer eine aufmerksame und stützende Begleiterin war, ihren leicht retardierenden Anschlag auf den zögernden „Ansatz“ der Bässe bezog und so auch formal die Kontrabässe einbezog. Mit Schmelz und Rasanz stimmten die vier Musiker anschließend Bottesinis „Passione Amorosa“ an (ursprünglich für zwei Bässe und Orchester), die dem Ensemble seinen Namen gab, tanzten mit ihren Instrumenten, ließen sie tanzen, mit vollem Körpereinsatz, bis zum pfiffigen Schluss.Virtuos und kurios zugleich war Min Se Sungs Darbietung von Paganinis „Moses-Phantasie“ (begleitet von Elena Rachelis), die wirkliche Fingerfertigkeit, musikalisches Einfühlungsvermögen und emotionale Kraft erforderte. Zugleich führte sie die pure Schnelligkeit ironisch ad absurdum (die „an der Stegkante hingehuschelten“ Töne waren keine mehr!), nahm so der Fingerfertigkeit ihren Selbstzweck und lenkte die Aufmerksamkeit auf das musikalische Können. Ein ungewöhnliches Konzert, unterhaltsam, teilweise kurios, teilweise witzig, teilweise einfach gekonnt!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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