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Marihuana, Amphetamine und Kokain
Mordspuren führen zu Drogenlager

Der 31-jährige Angeklagte (l.), hier mit seinem Anwalt Yücel Arslan, legte vor Gericht ein Geständnis ab.
  • Der 31-jährige Angeklagte (l.), hier mit seinem Anwalt Yücel Arslan, legte vor Gericht ein Geständnis ab.
  • Foto: Ulrike Schödel
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sz Hilchenbach. Der Anrufer war in Panik und verlangte ein dringendes Treffen mit einem 31-Jährigen, der den Hilferuf entgegengenommen hatte. Die Männer trafen sich am 24. August 2020 auf einem Autobahnparkplatz im Oberbergischen, wo der Fremde gleich zur Sache kam: „An deinem Haus wimmelt es von Bullen!“ Der 31-Jährige aus Nümbrecht wusste gleich, was gemeint war: Eine Villa an der Vormwalder Straße im Hilchenbacher Stadtteil Vormwald, die seinem Adoptivvater gehörte und seit Monaten leer stand. „Junkie-Haus“ nannte man die Immobilie im Ort, weil sich darin allerlei zwielichtige Leute herumgetrieben haben sollen.

An diesem Sommertag war im Nachbarhaus der Villa die Leiche eines 74-Jährigen entdeckt worden, der grausam erstochen worden war.

sz Hilchenbach. Der Anrufer war in Panik und verlangte ein dringendes Treffen mit einem 31-Jährigen, der den Hilferuf entgegengenommen hatte. Die Männer trafen sich am 24. August 2020 auf einem Autobahnparkplatz im Oberbergischen, wo der Fremde gleich zur Sache kam: „An deinem Haus wimmelt es von Bullen!“ Der 31-Jährige aus Nümbrecht wusste gleich, was gemeint war: Eine Villa an der Vormwalder Straße im Hilchenbacher Stadtteil Vormwald, die seinem Adoptivvater gehörte und seit Monaten leer stand. „Junkie-Haus“ nannte man die Immobilie im Ort, weil sich darin allerlei zwielichtige Leute herumgetrieben haben sollen.

An diesem Sommertag war im Nachbarhaus der Villa die Leiche eines 74-Jährigen entdeckt worden, der grausam erstochen worden war.

Totschlag statt Mord

Die erste Polizeistreife parkte den Einsatzwagen vor dem einst imposanten Jugendstilbau – und als Verstärkung eintraf, vermuteten die Beamten dort den Tatort, stürmten zur Tür, an der auch Blutspuren klebten – und fanden im Innern keinen Mörder, sondern eine Cannabisplantage.

Hilchenbach: Drogen im Wert von 220.000 Euro beschlagnahmt 

Dieser Zufallsfund brachte den Nümbrechter auf die Anklagebank des Bonner Landgerichts. Vor der 2. Großen Strafkammer muss er sich seit Dienstag wegen Drogenhandels in drei Fällen mit über 56 Kilogramm Marihuana, 26 Kilo Amphetaminen und 263 Gramm Kokain verantworten. Der Verkaufswert wird auf fast 220.000 Euro geschätzt.

Hanfplantage in leer stehendem Haus entdeckt

Er wolle für alles „die Verantwortung übernehmen“, ließ der Angeklagte zu Beginn seinen Anwalt Yücel Arslan erklären, um zugleich die Anklagevorwürfe zu korrigieren: 2011 lernte der Verfahrensmechaniker, der als Einjähriger mit Familie aus der Kirgisischen Republik (Zentralasien) nach Deutschland gekommen war, einen Immobilienkaufmann aus Waldbröl kennen, der seine Objekte vornehmlich im Rotlichtmilieu vermietet, während seine Ehefrau Spielhallen betreibt. Da sich das Ehepaar einen Sohn wünschte, so schilderte es der Verteidiger im Namen seines Mandanten in einer Einlassung, adoptierte es den jungen Mann, der am 1. Juli 2019 ins operative Geschäft seiner Adoptiveltern einstieg.

Hilchenbach: Ein zwielichtiges Geschäft

Dann aber kam Corona, die Clubs und Bordelle mussten schließen, die Einnahmen – bis dahin 60 000 Euro brutto pro Monat – schrumpften. Da sei der Anruf eines Unbekannten, der dem Angeklagten ab April 2020 monatlich 3000 Euro Miete für die Villa in Hilchenbach (Arslan: „eine Schrottimmobilie“) zahlen wollte, gerade richtig gekommen. „Wie heißt denn ihr Ansprechpartner?“, fragte ihn Vorsitzender Richter Wolfgang Schmitz-Justen. „Dazu möchte ich nichts sagen,“ antwortete der Angeklagte, der sich auch zu fünf weiteren, gesondert verfolgten Personen nicht äußern wollte.

29-Jähriger steht vor Gericht

Der 31-Jährige räumte ein, dass er bei seinen Vermietungen gewusst habe, um was es geht. Das gelte nicht nur für die Plantage im Siegerland, sondern auch für einen weiteren Cannabisanbau in einem nicht mehr genutzten Nachtclub aus dem Besitz des Adoptivvaters in Reichshof.

Hilchenbach: Rauschgiftequipment transportiert

Der Unbekannte habe ihn nach der Razzia im August 2020 noch einmal um Hilfe gebeten. Und so habe er mitgeholfen, Equipment zur Rauschgiftherstellung zu transportieren. Dafür habe er einmalig weitere 2000 Euro erhalten. Mehr nicht. Aber mit Drogen, so beteuerte er, habe er zu keinem Zeitpunkt gehandelt. Für den Prozess sind sechs weitere Verhandlungstage angesetzt.

Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

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