Musikalische Erinnerungen

Brüder-Busch-Gesellschaft erinnert an den 100. Geburtstag von Rudolf Serkin

ciu Dahlbruch. Der Anruf einer Frau aus Eger brachte die Sache ins Rollen. Sie, Leiterin des dortigen Museums, fragte bei Wolfgang Burbach, dem Geschäftsführer der Brüder-Busch-Gesellschaft, an, ob der ihr nicht bei den Vorbereitungen einer großen Gedenkveranstaltung helfen könne. Rudolf Serkin, am 28. März 1903 in Eger geboren, würde 100 Jahre alt. Jetzt sei die Zeit, an ihn zu erinnern. Wolfgang Burbach sagte Unterstützung zu und ließ sich seinerseits zum Pläne schmieden anregen. Jemanden von Format und jemanden, der Rudolf Serkin persönlich gekannt hat, wollte er zum Gedenkkonzert einladen.

Die Wahl fiel auf die Geigerin Yuuko Shiokawa und deren Ehemann, den Pianisten András Schiff. Beide von ungeheurem internationalen Renommee, beide mehrmals zu Gast auch beim Marlboro Music Festival, das Serkin 1950 gemeinsam mit Adolf und Hermann Busch gründete. Am Sonntag, 23. März, 11 Uhr, gestalten Shiokawa/Schiff die »Meisterliche Kammermusik« im Gebrüder-Busch-Theater Dahlbruch. Sie spielen Werke von Beethoven und Janácek.

Im Juni 1966 war Rudolf Serkin, der als Folge der Judenverfolgungen durch die Nazis 1939 nach Amerika emigriert war, selbst zu Gast im Busch-Theater. Anlass war der 75. Geburtstag von Adolf Busch; die beiden Konzerte gaben Serkin, Geigerin Pina Carmirelli und Cellist Hermann Busch. Rund 200 Gäste aus dem Ausland seien damals nach Dahlbruch gekommen, erzählt Wolfgang Burbach. Nach dem Konzert habe man dann im Deutschen Hof beisammen gesessen – und aufs Essen gewartet. »Serkin hatte Hunger. Ich fragte, wann denn serviert werden könnte. In einer halben Stunde, war die Antwort. Da ging Rudi hinaus. Er kam nach fünf Minuten wieder. In der Innentasche seines Fracks: Bockwürstchen. Die hatte er sich aus der Würstchenbude nebenan besorgt. Jetzt ging er durch den Saal und ließ alle, die Hunger hatten, mal beißen. Er war ein unglaublich interessanter Kerl.«

Eine andere Anekdote hat ebenfalls im Deutschen Hof ihren Ursprung. Wolfgang Burbach: »Am Samstagmittag vor dem Konzert sagte Rudi: ,Ich brauch’ ’nen Umblätterer heute Abend.’ So kurzfristig! Ich war ratlos und sah mich um. Da saß der Rolf Agop da und rief mir zu: ,Hey, du guckst ja so böse!?’ ,Ja’, sagte ich, ,ich suche für heute Abend einen Umblätterer.’ Darauf Agop: ,Den hast du doch schon.’ Als ich dann Serkin mitteilen konnte, dass unser GMD selbst ihm umblättern werde, sagte er: ,Hab ich doch gewusst, dass Sie das schaffen!’« Kennen gelernt hat Burbach Serkin in Hamburg. Vor allem von der Damenwelt sei der Pianist dort umschwärmt worden. »Herr Professor«, habe eine der Frauen gefragt, »was machen Sie denn morgen?« Darauf Rudolf Serkin: »Üben, gnädige Frau, üben.« Nicht immer war er von solcher Schlagfertigkeit. Als er im April 1921 erstmals in Berlin konzertierte und ihn das Publikum mit stürmischem Applaus feierte, folgte er dem schelmischen Rat seines Mentors, Partners und Schwiegervaters (1927 hatte Serkin Irene Busch geheiratet) Adolf Busch und gab Bachs »Goldberg-Variationen« zu. Später erzählte er oft, dass nach einer guten Stunde nur noch drei Leute im Beethoven-Saal gesessen hätten: Adolf und Frieda Busch nebst einem Herrn Einstein. Die »Goldberg-Variationen« ließen Serkin ein Leben lang nicht los. Noch auf dem Sterbebett habe er mit den Fingern die einzelnen Variationen nachvollzogen, beobachtete sein Sohn Peter, heute selbst weltberühmter Pianist. Rudolf Serkin starb am 8. Mai 1991 in Vermont (USA). Zu seinen Ehren erklang die Aria der »Goldberg-Variationen« ein paar Monate später in der New Yorker Carnegie Hall – gespielt von Peter Serkin.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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