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Jahresbilanz der SMS Group
Nach Corona-Einbruch wieder mehr Aufträge

Diese Stranggießanlage hat die SMS group bei Tianjin Iron & Steel  in China in  Betrieb genommen.

ihm Dahlbruch/Düsseldorf. Auf unter 2 Milliarden Euro sank der Auftragseingang bei der SMS Group im Corona-Jahr 2020. Das sind 40 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Ergebnis schrieb der Anlagenbauer tiefrote Zahlen: minus 165 Millionen Euro vor Steuern. Allerdings, so Vorstandsvorsitzender Burkhard Dahmen, seien darin hohe Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen enthalten. Ohne diese Rückstellungen beträgt das Minus 39 Millionen Euro. Das traditionsreiche Kerngeschäft, der metallurgische Anlagenbau, wird nach Einschätzung des Vorstands in den kommenden Jahren nicht mehr an das Niveau der Vor-Corona-Zeit herankommen. Wachstumsfelder sehen die Manager woanders: Dekarbonisierung, Service und Digitalisierung heißen die Stichwörter.

ihm Dahlbruch/Düsseldorf. Auf unter 2 Milliarden Euro sank der Auftragseingang bei der SMS Group im Corona-Jahr 2020. Das sind 40 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Ergebnis schrieb der Anlagenbauer tiefrote Zahlen: minus 165 Millionen Euro vor Steuern. Allerdings, so Vorstandsvorsitzender Burkhard Dahmen, seien darin hohe Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen enthalten. Ohne diese Rückstellungen beträgt das Minus 39 Millionen Euro. Das traditionsreiche Kerngeschäft, der metallurgische Anlagenbau, wird nach Einschätzung des Vorstands in den kommenden Jahren nicht mehr an das Niveau der Vor-Corona-Zeit herankommen. Wachstumsfelder sehen die Manager woanders: Dekarbonisierung, Service und Digitalisierung heißen die Stichwörter.

CO2-neutrale Stahlproduktion ist eine Herausforderung

Dekarbonisierung: Die hohen Klimaziele setzen die Stahl- und Nichteisenmetallindustrie unter enormen Druck. Stahl CO2-neutral zu produzieren, ist eine Herausforderung, der sich SMS stellt. Die vollständige Übernahme der Paul Wurth S.A habe dafür die Voraussetzungen geschaffen, berichtete Vorstand Hans Ferkel. Der Weg vom Koks als Energieträger über Erdgas hin zu Wasserstoff werde Schritt für Schritt den erzeugten Stahl grüner machen – bis zu einer vollständig klimaneutralen Produktion.

Weiterer Stellenabbau bei SMS

Service: Das Servicegeschäft sei auch im Krisenjahr eine wichtige Stütze gewesen. Der Auftragseingang sank hier lediglich um 10 Prozent. Mit den Kunden vereinbare man zunehmend ganzheitliche Servicepakete, auch über performancebasierte Verträge. Die Kundenbindung über die komplette Lebensdauer einer Anlage sei das Ziel. 2030 soll die Hälfte des Umsatzes mit dem Servicegeschäft erzielt werden, sagte Vorstandsmitglied Katja Windt.

Digitalisierung: Der hohe Digitalisierungsgrad der Prozesse habe sich in der Pandemie besonders bewährt, bilanzierte Vorstand Michael Rzepczyk. Dadurch konnten ganze Inbetriebnahmen im Ausland trotz extrem eingeschränkter Reisemöglichkeiten abgewickelt werden. Auch die Firmenzukäufe (sechs gab es 2020) sind auf die Digitalisierung ausgerichtet. Ein Beispiel: Die brasilianische Firma Vetta wurde erworben, die über eine innovative Energiemanagementplattform für Werkstoffindustrien verfügt.
Der für einen hohen Digitalisierungsgrad – gerade auch beim Einsatz von künstlicher Intelligenz – erforderliche Datenaustausch ist übrigens für den Anlagenbauer nicht in allen Ländern gleichermaßen zu realisieren. Russland und China setzten in diesem Punkt recht restriktive Grenzen, sagte Dahmen. „Dort müssen wir Lösungen finden, die mit den Gesetzen konform sind.“
„Für die nächsten drei Jahre gehen wir von einer deutlichen Belebung unseres Geschäfts aus“, kündigte Dahmen an. Schon im laufenden Jahr werden sich nach seiner Einschätzung die Auftragsbücher schneller füllen.

Das Ziel ist nicht die Reduzierung von Personal

Die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland allerdings wird trotz dieser optimistischen Aussichten wohl nicht steigen. Das Gegenteil ist der Fall. Dahmen berichtete, dass man „weitere 100 Millionen Euro Personalkosten“ an den deutschen Standorten einsparen wolle. Auf die Frage, wie sich diese Summe in Beschäftigtenzahlen umrechnen lasse, antwortete er ausweichend: „Unser Ziel ist nicht die Reduzierung von Personal, sondern die Reduzierung von Personalkosten.“

Der Zukunftstarifvertrag, den Betriebsrat und IG Metall mit dem Unternehmen ausgehandelt hatten, läuft noch bis 2023. Er sollte helfen, mehr als 100 Millionen Euro Personalkosten einzusparen. Die neuerliche Sparwelle hat nun weitere Verhandlungen mit der IG Metall ausgelöst. Wie viele Mitarbeiter am Ende in Dahlbruch, dem Stammhaus der SMS Group, noch verbleiben sollen, sagte Dahmen nicht.

Netto-Liquidität Ende 2020 bei 863 Millionen Euro

Einige weitere Kennzahlen aus dem vergangenen Geschäftsjahr: Die Netto-Liquidität lag zum Jahresende 2020 mit 863 Millionen Euro um 4 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Cash Flow betrug 24 Millionen. Die Investitionen wurden mit 83 Millionen Euro gegenüber 2019 mehr als verdoppelt. Der Auftragsbestand sank auf 3 Milliarden Euro, der Umsatz betrug 2,7 Milliarden (6,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor).

Wie Klimaschutz das Geschäft ankurbelt Die Stahlindustrie ächzt unter den Klimaschutzvorgaben in Deutschland und Europa. Rund 8 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen entstehen bei der Herstellung und Verarbeitung von Metall. Bis 2045 soll die Stahlproduktion bei uns klimaneutral sein, international bis 2050. Das erfordert gigantische Investitionen und große Anstrengungen von Ingenieuren und Entwicklern. Unternehmen, die den Stahlkochern und den Metallverarbeitern jetzt den Weg zum Ausstieg aus den klimaschädlichen Produktionsmethoden zeigen, können sich damit auf dem Weltmarkt unentbehrlich machen. Die SMS Group hat das offenbar erkannt. Dekarbonisierung könnte die industrielle Goldgrube des 21. Jahrhunderts werden. Politisch führt jedenfalls kein Weg am dauerhaften CO2-Bann vorbei. i.hermann-sobotka@siegener-zeitung.de
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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