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Kultureller Marktplatz Dahlbruch
Nicht ganz bühnenreif

Architekt Reinhard Angelis (M.) erklärte am Modell und in der Örtlichkeit die Planungen für den Kulturellen Marktplatz Dahlbruch. Im ersten Quartal 2020 sollen die Bagger anrollen.
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  • Architekt Reinhard Angelis (M.) erklärte am Modell und in der Örtlichkeit die Planungen für den Kulturellen Marktplatz Dahlbruch. Im ersten Quartal 2020 sollen die Bagger anrollen.
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js Dahlbruch. Das Signal bedingungsloser Euphorie wollte nicht so richtig erklingen, als sich der Bauausschuss am Dienstag dem seit langer Zeit gewichtigsten Projekt der Hilchenbacher Stadtentwicklung widmete: Kurz vor dem immer wieder verschobenen, aber nun doch in greifbare Nähe rückenden Baubeginn des Kulturellen Marktplatzes Dahlbruch (KMD) sah das Gremium noch einmal genau hin, vor Ort, mit Verwaltung, Architekt und Nutzergruppen. Und ja, im ersten Quartal 2020 soll der Abriss der Turnhalle beginnen; bis 2022 soll das Millionenprojekt am Bernhard-Weiss-Platz bezugsfertig, erleb- und belebbar sein. Mit dieser Zeitplanung geht es nun wenige Tage nach Eingang der Baugenehmigung in die Ausschreibungsphase.

js Dahlbruch. Das Signal bedingungsloser Euphorie wollte nicht so richtig erklingen, als sich der Bauausschuss am Dienstag dem seit langer Zeit gewichtigsten Projekt der Hilchenbacher Stadtentwicklung widmete: Kurz vor dem immer wieder verschobenen, aber nun doch in greifbare Nähe rückenden Baubeginn des Kulturellen Marktplatzes Dahlbruch (KMD) sah das Gremium noch einmal genau hin, vor Ort, mit Verwaltung, Architekt und Nutzergruppen. Und ja, im ersten Quartal 2020 soll der Abriss der Turnhalle beginnen; bis 2022 soll das Millionenprojekt am Bernhard-Weiss-Platz bezugsfertig, erleb- und belebbar sein. Mit dieser Zeitplanung geht es nun wenige Tage nach Eingang der Baugenehmigung in die Ausschreibungsphase. Endlich, über acht Jahre nach dem Start der Projektplanung, kann der marode Gebäudekomplex mit seinen bis zu fünf Jahrzehnte alten Institutionen fit gemacht werden fürs 21. Jahrhundert.

Dass im kleinen Saal der ehemaligen Hallenbadgaststätte als temporärer Sitzungsstätte des Fachgremiums nicht die Sektkorken knallten, lag nicht daran, dass Architekt Reinhard Angelis und Baudezernent Michael Kleber weitere zeitliche Unwägbarkeiten anklingen ließen – die gute Auftragslage in der Baubranche lasse Bauwillige mitunter auf Knien rutschen, um zum Zuge zu kommen. Nein, vielmehr war es ein Detail der großen Planungen, das für rege Diskussionen sorgte: die Ausgestaltung des Jugendcafés.

Zu den Bausteinen des KMD gehört neben dem Hallenbad, dem Theater bzw. Kino und der Sporthalle eben auch ein Jugendcafé. Dort, wo es seit Jahren erfolgreich unter dem Namen „No Limits“ als Anlaufstelle und Treffpunkt für den Nachwuchs dient, soll es auch in Zukunft zu finden sein – allerdings unter einem neuen Dach, denn der Gebäuderiegel mit Jugendzentrum und Sporthalle wird abgerissen und durch einen Neubau, das „Haus der Alltagskultur“, ersetzt. Die Mehrzweckturnhalle wird im Obergeschoss entstehen, darunter sind Jugendzentrum und Gruppenräume vorgesehen.

Die Jugend aber ist mit den inzwischen genehmigten Plänen nicht zufrieden. Nicht nur die das Außengelände betreffenden Vorstellungen des Architekten sollten ihrer Meinung nach überarbeitet werden; auch im Inneren sieht sie sich nicht ausreichend berücksichtigt. Das Thema Probenraum – dass ein solcher nicht vorgesehen ist, sorgte bereits vor Monaten für Diskussionen – ist nun vom Tisch. Doch auch der Innenraum des Jugendcafés fällt aus Sicht der Nutzer zu klein aus.

Konkret ist es die vorgesehene Deckenhöhe von 2,80 Metern, die das Aufstellen einer Bühne verhindert; zum Vergleich: Im Bestandsbau hat das „No Limits“ eine Deckenhöhe von 3,50 Metern. Lina Giebeler vom Jugendforum hatte für den Bauausschuss einen sorgfältig ausgearbeiteten Gegenentwurf im Gepäck. Dieser würde dem Jugendcafé eine tiefergelegte Ebene 60 Zentimeter unter KMD-„Null“ bescheren. eine geschwungene Treppe würde die Ebenen verbinden, sowohl auf dem oberen als auch auf dem unteren Niveau sieht der Entwurf Eingänge vor. Passend dazu würde im Außenbereich auf zwei Ebenen „gearbeitet“ – die vom Architekten vor dem Jugendzentrum vorgesehene Rollstuhlrampe würde an die südliche Gebäudeecke verlegt, an ihrer Stelle würden einladende Sitzstufen à la Siegufer entstehen.

Reinhard Angelis räumte ein, dass die Raumhöhe des Jugendcafés nicht ideal sei, vielmehr einen Kompromiss darstelle. Stadtarchitektin Katrin Baldursson-Schütz wies zudem darauf hin, dass das Bauvorhaben „Zwangspunkte“ zu beachten habe, nämlich vorgegebene Anschlusshöhen an das Bestandsgebäude. Da der KMD aber ein durchlässiger Ort der Begegnung mit ganz vielen Nutzergruppen und Nutzungsmöglichkeiten werden solle, könne die Jugend bei Konzerten auch andere Säle benutzen.

„Wir quälen uns mit der Deckenhöhe auch in anderen Bereichen“, meinte der Kölner Angelis. Grundsätzlich wolle er sich nicht den Einwänden der Jugend verschließen. Er gab jedoch zu bedenken, dass eine Veränderung der Deckenhöhe sich an anderer Stelle auf die Planung auswirken würde und nicht von der vorliegenden Baugenehmigung gedeckt sei. Der Architekt warf auch positive Effekte des Neubaus in die Waagschale: Ein Akustikdecke werde für besseren Klang sorgen, eine Belüftung stickige Luft vermeiden. Eine Bühne, so schlug er vor, könne auch nur 10 cm hoch sein und als solche funktionieren.

„Wir bauen im Bestand und haben leider mit bestimmten Kompromissen zu leben“, bedauerte Ernst Heinrich Hofmann (FDP). Die Wünsche der Jugend seien verständlich, meinte auch Michael Stötzel (SPD). Hilchenbach könne es sich aber nicht leisten, noch weiter zu diskutieren. Ansonsten riskiere die Stadt, dass die Bezirksregierung einen Deckel auf das von Fördermitteln abhängige Projekt lege. „Die Realität setzt uns Grenzen“, pflichtete Arne Buch (CDU) bei. „Uns läuft die Zeit weg, wir können uns keine Verzögerungen leisten.“ Die Verwaltung solle aber durchaus bis zur nächsten Ausschusssitzung prüfen, inwiefern Wünsche der Jugendlichen umgesetzt werden könnten, ohne die Baugenehmigung zu gefährden.

„Wenn wir die jungen Menschen nicht mitnehmen, setzen wir nur auf die Gegenwart und nicht auf die Zukunft des Projekts“, befürchtete Dr. Peter Neuhaus (Grüne). Wenn es möglich sei, die Deckenhöhe zu ändern – und das habe der Architekt grundsätzlich bestätigt – dann müsse zur Not auch eine weitere zeitliche Verzögerung für das Projekt in Kauf genommen werden. Auch aus Reihen der Linken kam scharfe Kritik an den Planungen.

Baudezernent Michael Kleber nahm die Aufgabe, Justierungsmöglichkeiten auszuloten, mit ins Rathaus, gab aber auch direkt Bedenken zu Protokoll. Die Umsetzung des Entwurfs mit zwei über eine Treppe verbundenen Ebenen im Jugendtreff mache den Einbau einer zusätzlichen barrierefreien Toilette nötig – dafür müsse ein anderer Raum abgezwackt werden. Zudem befürchte er, dass der in den jetzigen Plänen für bis zu 60 Personen zugelassene Raum dann weniger, eventuell nur 40 Besucher, fassen dürfe. „Wäre das noch ein Plus für Sie?“, bat er das Jugendforum um Rückmeldung.

In einer Eins-zu-Eins-Simulation mit Strohballen möchten Architekt, Verwaltung und die Jugendlichen ausloten, welche Möglichkeiten und Chancen die Außenraumgestaltung bietet. Ein Termin wurde dafür aber noch nicht in Aussicht gestellt. Bürgermeister Holger Menzel bezeichnete den KMD als wichtiges, großes und herausforderndes Projekt. Inzwischen seien Dinge fixiert, jetzt sollten endlich die Bagger kommen. „Die Baugenehmigung sollten wir nicht mehr zurückdrehen.“ Im KMD würden viele Nutzergruppen ihren Platz finden. Er sei sich sicher: „Jeder wird sich am Ende wohlfühlen.“

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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