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Stadt Hilchenbach prüft Sanierungschancen
Schimmel in der Kita „Kuckucksnest“ (Update)

Ein gruseliger Anblick: Bei Schimmel hört der Spaß auf, erst Recht, wenn er das Gebäude eines Kindergartens befällt. Die Kita „Kuckucksnest“ in Dahlbruch fühlt sich von Stadt Hilchenbach als Vermieterin stiefmütterlich behandelt.
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  • Ein gruseliger Anblick: Bei Schimmel hört der Spaß auf, erst Recht, wenn er das Gebäude eines Kindergartens befällt. Die Kita „Kuckucksnest“ in Dahlbruch fühlt sich von Stadt Hilchenbach als Vermieterin stiefmütterlich behandelt.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

js Dahlbruch. Stickig ist es in diesen Räumen, der coronabedingte Mund-Nasen-Schutz macht sich bei dieser Besichtigung gleich doppelt bezahlt: Feuchte Wände mit Ausblühungen, Schimmelsporen in der Luft, ein völlig durchweichter Bodenbelag – das Kellergeschoss der Kita „Kuckucksnest“ ist seit zwei Monaten stillgelegt. Leitung und Träger – eine Elterninitiative in Vereinsform – haben die Reißleine gezogen, nachdem ein Sachverständiger ihre Vermutungen bestätigt hat: Diese Räume können krank machen.
Enorme Einschränkungen für Kindergarten "Kuckucksnest" in Dahlbruch
Für die Kita, in der 32 Kinder betreut werden, bedeutet das enorme Einschränkungen. Nicht nur, dass ihr wertvolle Lagerfläche verloren gegangen ist.

js Dahlbruch. Stickig ist es in diesen Räumen, der coronabedingte Mund-Nasen-Schutz macht sich bei dieser Besichtigung gleich doppelt bezahlt: Feuchte Wände mit Ausblühungen, Schimmelsporen in der Luft, ein völlig durchweichter Bodenbelag – das Kellergeschoss der Kita „Kuckucksnest“ ist seit zwei Monaten stillgelegt. Leitung und Träger – eine Elterninitiative in Vereinsform – haben die Reißleine gezogen, nachdem ein Sachverständiger ihre Vermutungen bestätigt hat: Diese Räume können krank machen.

Enorme Einschränkungen für Kindergarten "Kuckucksnest" in Dahlbruch

Für die Kita, in der 32 Kinder betreut werden, bedeutet das enorme Einschränkungen. Nicht nur, dass ihr wertvolle Lagerfläche verloren gegangen ist. Sie muss nun auch ohne Waschmaschine, Küche und das „Gartenzimmer“ auskommen, das für Elterngespräche und die Arbeit in Kleingruppen genutzt wird. Ein Großteil der im Keller gelagerten Spiel- und Bastelwaren musste entsorgt werden – zwei komplette Containerfuhren voller eigentlich noch nutzbarer Materialien wurden als Abfall abtransportiert. Die Hauswirtschaftskraft hat nun keine Möglichkeit mehr im Haus, mittwochs für die Kinder zu kochen und freitags das große gemeinsame Frühstück vorzubereiten.

Durchgeweichter Boden, schimmelige Wände: Das Kellergeschoss der Kita „Kuckucksnest“ in Dahlbruch musste gesperrt werden.
  • Durchgeweichter Boden, schimmelige Wände: Das Kellergeschoss der Kita „Kuckucksnest“ in Dahlbruch musste gesperrt werden.
  • Foto: Jan Schäfer
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Vorwürfe gegen die Stadt Hilchenbach

In einem Brandbrief hat sich der Kita-Vorstand um Vorsitzende Alexandra Denecke an die Hilchenbacher Ratsfraktionen gewandt, um diesen die Notsituation zu schildern. Denn: Die Stadt, die selbst nicht als Trägerin von Kitas in Erscheinung tritt, ist Eigentümerin der Immobilie – der einstigen kath. Volksschule (Baujahr 1911) direkt neben der Pfarrkirche in Dahlbruch. Als Vermieterin aber habe die das „Kuckucksnest“ in den vergangenen rund drei Jahrzehnten viel zu stiefmütterlich behandelt, bedauern Eltern und Erzieher. Die seit 1989 versprochene Gestaltung des Außengeländes – die vor drei Jahren nochmals zum Politikum wurde – steht bis heute aus, grundlegende Sanierungen am Gebäude hat es lange nicht gegeben.

Mängelliste der Kita "Kuckucksnest" noch immer nicht abgearbeitet

Die Mängelliste, die bei einer Brandverhütungsschau des Kreises Siegen-Wittgenstein im Februar 2019 erstellt worden war, ist noch immer nicht abgearbeitet. Das Obergeschoss, das einen eigenen Notausgang über eine Feuertreppe zur Talsperrenstraße hat, muss noch mit einer Schutztür vom hölzernen Treppenhaus getrennt werden – bislang gibt es an dieser Stelle nur eine hüfthohe Schiebetür. Im Obergeschoss, in dem sich Theater-, Schlaf- und Gruppenräume befinden, fehlt die Dämmung, im Sommer werde es dort immer wieder extrem heiß. Der Gutachter hält den Austausch der Fenster für nötig, moniert das „unzumutbare“ Personal-WC.
Zudem hat die Elterninitiative ein weiteres Gutachten erstellen lassen, das den nach wie vor asphaltierten Hof vor der Kita unter die Lupe genommen hat. In diesem, so haben Bohrkernprobungen des Sachverständigen ergeben, wurde eine starke Belastung mit hochgradig krebserregenden Stoffen nachgewiesen.
Der Brandbrief an die Politik ist angekommen, der Zeitpunkt kurz vor der Kommunalwahl stellt sich als vorteilhaft heraus. Der Baubetriebshof hat in Windeseile Schlaglöcher auf dem kontaminierten Vorhof geschlossen, von mehreren Fraktionen kommt die Forderung an die Verwaltung, hier dringend tätig zu werden.

Stadt Hilchenbach soll Rolle als Vermieterin wahrnehmen

„Uns geht es gar nicht darum, eine schicke, neue Kita zu haben“, berichtet stellv. Leiterin Heike Houf. Wichtig sei aber, dass die Stadt ihre Rolle als Vermieterin wahrnehme und langfristig an Lösungen arbeite. Der Vorstand habe nun erst einmal angekündigt, die Hälfte der Miete ab sofort einzubehalten, sagt Vorsitzende Alexandra Denecke. „Wir denken nun mehrere Möglichkeiten durch.“
Sollte die Stadt die nötigen Investitionen tätigen, könne das „Kuckucksnest“ an Ort und Stelle bleiben. Aber, und mit diesem Gedanken hat sich die Elterninitiative bereits vor einigen Jahren schon einmal beschäftigt, auch der Umzug in ein neues Gebäude müsse in Betracht gezogen werden. Dafür benötige die Initiative erst einmal ein Grundstück in der Nähe. Und einen Investor.

Verwaltung prüft Sanierungsmöglichkeiten

Im Haupt- und Finanzausschuss berichtete die Verwaltung am Mittwochabend, dass es sie inzwischen ein Sanierungskonzept in Auftrag gegeben habe. Das soll bis zur nächsten Sitzung des zuständigen Bauausschusses am 7. Oktober vorliegen, damit der über das weitere Vorgehen beraten könne. Bürgermeister Holzer Menzel machte keinen Hehl daraus, dass sich dabei auch zeigen könnte, dass das Gebäude nicht mehr wirtschaftlich sanierbar ist – und dann „leider aufgegeben“ werden müsste. Michael Stötzel (SPD) regte an, mit dem Kita-Träger ALF zu eruieren, ob dessen Container an der Wiesenstraße zur Not als Übergangslösung – die nach Abschluss des eigentlichen Kindergartenbaus gegenüber – in Frage kommen könnten fürs „Kuckucksnest“, falls das alte Schulgebäude sich als nicht mehr tragbar herausstellen sollte. Vorgespräche dazu seien bereits gelaufen, sagte Menzel.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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