Schülerticket wird gelöst

js Hilchenbach. Nach dem Gymnasium Stift Keppel und der Adolf-Reichwein-Hauptschule bekommt nun auch die dritte und somit letzte weiterführende Schule der Stadt Hilchenbach das Schülerticket. Der Rat sprach sich gestern mit großer Mehrheit für die Einführung des VWS-Angebotes an der Carl-Kraemer-Realschule (CKR) aus. Damit folgte das Stadtparlament einer einstimmig ausgesprochenen Empfehlung des zuständigen Schulausschusses und dem Willen der Schulkonferenz – nicht aber, ohne den Fahrschein zunächst kontrovers zu diskutieren.

Wie berichtet, hat das Schülerticket nicht nur Fans, da es eine Reihe von Eltern zur Kasse bittet, deren Nachwuchs bislang auf kommunale Kosten mit dem Bus zur Schule befördert wird. Bei diesen als „Freifahrtberechtigte“ Eingestuften handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die mindestens 3,5 km von ihrer Schulbank entfernt wohnen. Sie müssen ab dem kommenden Schuljahr 12 Euro monatlich für das Ticket zahlen (für Geschwister sind 6 Euro fällig). Dafür dürfen sie nicht nur den Schulbus, sondern auch das übrige ÖPNV-Angebot im Kreis Siegen-Wittgenstein nutzen. Schüler, die ihren Ranzen weniger als 3,5 km weit tragen müssen, haben die Möglichkeit, das Billet für monatlich 24,70 Euro zu erwerben und mit Bus und Bahn quer durchs Kreisgebiet zu fahren.

Unmut am Schülerticket äußerten nun Eltern aus Grund, Oechelhausen und Ruckersfeld. Aus ihrer Sicht bringt die Einführung des Tickets nur Nachteile: Sie müssen nun 144 Euro jährlich für den Schulweg ihres Nachwuchses löhnen. Große Vorteile versprechen sie sich im Gegenzug nicht, da ihre Dörfer im toten Winkel des ÖPNV liegen.

„Man kann nicht bezahlen, wenn man dafür keine Leistung bekommt“, stellte sich Klaus Stötzel (SPD) auf die Seite der Ticket-Gegner. André Helmes (UWG) gab zu bedenken, dass auch die Realschüler aus Helberhausen und Oberndorf kaum Nutzen aus diesem Ticket ziehen könnten. „Einige Eltern werden beim Schülerticket benachteiligt, die meisten aber haben einen Vorteil“, befand hingegen Hartmut Thomas (Grüne). „Wir sollten respektieren, was die Schule beschlossen hat“, sagte André Jung (CDU), und Ernst Heinrich Hofmann (FDP) zog zum Vergleich das Uni-Semesterticket heran: „Das zahlen auch alle Studenten, egal ob sie es nutzen oder nicht.“

Helmut Kaufmann (SPD) erläuterte, dass das Modell „Schülerticket“ in der Rheinschiene entwickelt worden sei – einer Region, in der die Dörfer besser an den ÖPNV angeschlossen seien. Die Zustimmung der Sozialdemokraten sei „mit Bauchschmerzen“ verbunden. „Diejenigen, die einen Nachteil vom Schülerticket haben, haben keine andere Wahl, als es zu kaufen.“ Diejenigen aber, die Vorteile hätten, könnten sich frei entscheiden, ob sie ein Ticket erwerben oder nicht. Dies müsse den VWS klar gemacht werden. „Wir müssen mit ihnen darüber reden, ob sie den Benachteiligten nicht in irgendeiner Weise entgegenkommen können.“ Schließlich seien die Verkehrsbetriebe nicht auf den Verkauf der überschaubaren Zahl von Schülertickets angewiesen, die demnächst Grund, Oechelhausen und Ruckersfeld erworben würden.Dr. Peter Neuhaus sprach sich als einziges Mitglied der Grünen gegen das Schülerticket aus: „Wir können keinen Beschluss fassen, der finanziell nicht die optimale Lösung ist.“ Unter anderem störe er sich daran, dass der 50-prozentige Geschwisterrabatt nur für Kinder gelte, die auf ein- und dieselbe Schule gingen. „Das ist absurd.“ Bruno Beckers (UWG) brachte schließlich eine neue Zahl aufs Tapet: „In den genannten drei Dörfern sind nur 22 Schüler ungünstig betroffen.“ Wichtig sei es aber zu prüfen, ob unter den Betroffenen Familien mit geringem Einkommen seien, denen die monatlichen 12 Euro Probleme bereiten könnten. Hier könnte laut Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab die Reuter-Stiftung einspringen.Das Schlusswort hatte der Grunder Ortsvorsteher Christoph Rothenberg (FDP): „Wir entscheiden hier über das Portmonee der Eltern.“ Das tat der Rat. Bei drei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen löste er das Ticket für die Realschüler.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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