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Von illegalen MTB-Trails im Wald zu Großaufträgen in Norwegen
Sebastian Ahlering ist Spurenleger mit Gespür

Sebastian Ahlering lebt für den Mountainbikesport. Der Mit-Initiator des Dirtbikeparks Hilchenbach hat seine Leidenschaft inzwischen zum Beruf gemacht – er plant, gestaltet und baut Trails in ganz Deutschland und sogar weit darüber hinaus.
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  • Sebastian Ahlering lebt für den Mountainbikesport. Der Mit-Initiator des Dirtbikeparks Hilchenbach hat seine Leidenschaft inzwischen zum Beruf gemacht – er plant, gestaltet und baut Trails in ganz Deutschland und sogar weit darüber hinaus.
  • Foto: Gizmo Johnsen
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

js Hilchenbach. Neue Wege zu gehen oder besser zu fahren, liegt ihm im Blut. Schon als junger Bursche verließ Sebastian Ahlering die ausgetretenen Pfade, wenn es darum ging, den Adrenalinspiegel zu erhöhen. Seit 2003 sitzt er praktisch jede freie Minute im Sattel seines Mountainbikes, hat sich Tricks von den Helden seiner Jugend abgeschaut und taugt längst selbst als Vorbild. Bikeparks wie der in Winterberg zogen ihn geradezu magnetisch an, und auch in den Wäldern von Hilchenbach, seiner Heimatstadt, legte er mit Freunden die ersten eigenen Trails an. Dass er sein Hobby eines Tages zum Beruf machen würde, hätte er wohl nicht einmal zu träumen gewagt.
Konflikte im WaldImmer wieder war es zu Konflikten gekommen mit Jägern und Waldbesitzern, die den Jungs auf die Schliche kamen.

js Hilchenbach. Neue Wege zu gehen oder besser zu fahren, liegt ihm im Blut. Schon als junger Bursche verließ Sebastian Ahlering die ausgetretenen Pfade, wenn es darum ging, den Adrenalinspiegel zu erhöhen. Seit 2003 sitzt er praktisch jede freie Minute im Sattel seines Mountainbikes, hat sich Tricks von den Helden seiner Jugend abgeschaut und taugt längst selbst als Vorbild. Bikeparks wie der in Winterberg zogen ihn geradezu magnetisch an, und auch in den Wäldern von Hilchenbach, seiner Heimatstadt, legte er mit Freunden die ersten eigenen Trails an. Dass er sein Hobby eines Tages zum Beruf machen würde, hätte er wohl nicht einmal zu träumen gewagt.

Konflikte im Wald

Immer wieder war es zu Konflikten gekommen mit Jägern und Waldbesitzern, die den Jungs auf die Schliche kamen. Mehrere mühevoll zusammengezimmerte Trails mussten die Nachwuchsradler wieder abbauen, durchaus auch stattliche Holzkonstruktionen galt es wohl oder übel zu entfernen. Wie froh war Sebastian Ahlering, als sein Arbeitgeber ihm als Azubi ein Waldstück für den Bau eines Trails zur Verfügung stellte!

Parcours am Ningelnweiher

Mit Kumpels zeigte er Kreativität und erstaunliches Konstruktionstalent, baute einen beachtlichen Parcours in der Nähe des Ningelnweihers. Anderthalb Jahre ging das gut, dann aber hatte das Ordnungsamt der Stadt Witterung aufgenommen, stellte die amtlich korrekte Frage nach dem Versicherungsschutz. Der war nicht geklärt; auch diese Stege und Rampen mussten daher wieder abgebaut werden. Die Zeit für einen legalen Bikepark war gekommen.

Dirtbikepark am Mühlenweg

Dass dieser tatsächlich realisiert wurde, ist bis heute bestens ersichtlich. Am Mühlenweg, wo zuvor noch Container für die Unterbringung von Flüchtlingen gestanden hatten, entstand der Dirtbikepark in Kooperation mit der Stadt. Sebastian Ahlering und seine Fahrradfreunde packten auch hier mit an, schufen eine Freizeitanlage, die inzwischen mehrfach ergänzt, umgestaltet und verbessert wurde. „Der Dirtbikepark ist mit uns gewachsen“, sagt der 31-Jährige und meint damit nicht nur die eigenen Fähigkeiten, sondern auch die stete Entwicklung des Sports.

Eine ernsthafte Sportstätte

Jetzt, findet er, sei es an der Zeit, dass der rege genutzte Park „erwachsen“ werde – dass er nicht mehr als Kinderspielplatz wahrgenommen werde, sondern als ernsthafte Sportstätte. „BMX ist inzwischen olympisch!“ Am Radsport könne man an sich selbst wachsen, beschreibt Ahlering das Besondere an seiner Leidenschaft. „Das hat mich in meinem Leben immer weitergebracht.“ Zudem sei das Mountainbiken generationenübergreifend und verbindende Sache für unterschiedlichste Personengruppen.

Selbstständiger Trail-Gestalter

Bei so viel Begeisterung ist es fast schon naheliegend, dass der Hilchenbacher Biker sich immer weiter vernetzte in der Szene. Nachdem er sich beruflich umorientiert und ein Zwischenspiel bei der Stadtverwaltung wieder beendet hatte, machte der Autodidakt genau das, was er ohnehin am liebsten machte, zu seinem Broterwerb. Vor viereinhalb Jahren machte sich Sebastian Ahlering selbstständig, als MTB-Trail-Designer.

"Fühlt sich nicht wie Arbeit an"

Dank guter Kontakte zu anderen Trail-Gestaltern findet er seither immer wieder neue Projekte, bei denen er mit anpacken kann. Sebastian Ahlering macht das komplette Paket – er denkt sich Trails und Tracks aus, visualisiert und baut sie. Bagger, Schaufeln und Harken gehören zu seinen Werkzeugen. Das wichtigste Instrument aber ist seine Erfahrung, sein Gespür für den Trail – und ein Händchen für die Umsetzung. „Das ist harte Arbeit, fühlt sich aber nicht wie Arbeit an“, strahlt der Hilchenbacher mit den schwarzen Locken.

In Italien und Norwegen gearbeitet

Immer wieder ist er unterwegs, wenn Projekte rufen. Kommunen, kommerzielle Bikeparks und Vereine gehören zu Sebastian Ahlerings Auftraggebern. In diversen deutschen Bikeparks hat er schon gearbeitet, zudem in Italien und mehrfach schon in Norwegen – dort war er vor wenigen Wochen erst, um an einem Asphaltpumptrack in Hafjell, dem europäischen „MTB-Mekka“, mitzuarbeiten. Corona, wie sollte es anders sein, hat auch ihm einige Striche durch die Auftragsbücher gemacht. Gut für seine Heimatstrecke: Der Dirtbikepark wird in der kalten Jahreszeit überholt. Da packt der Profi gern mit an.

Viel Potenzial für Mountainbikesport

Hilchenbach, findet er, hat mit seinem Dirtbikepark ein starkes Pfund, mit dem die Stadt noch mehr wuchern könnte. Und überhaupt: Für den Mountainbikesport sieht der 31-Jährige im Stadtgebiet und in der Region großes Potenzial. Ein „Trailcenter“ oder ein übergreifendes Streckennetz, das bereits bestehende Ankerpunkte wie auf dem Fahlenscheid und den Dirtbikepark, verbindet, „könnte ein absoluter Mehrwert für die Region sein und wäre mehr als zeitgemäß“. Gerade in Zeiten wachsender E-Mobilität auf zwei Rädern. „Das könnte die Region völlig anders abbilden und hätte ein großes touristisches Potenzial.“ Neue Wege zu denken und zu gehen – das kann er nur wärmstens empfehlen.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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