Verein in herausfordernden Zeiten
SGV stellt sich vor sein Zuhause

Vorsitzende Dr. Anja Brosowski (l.) sieht die SGV-Abteilung Hilchenbach in herausfordernden Zeiten. Wie die Hüttenwarte Margit und Klaus Wetter (M.) setzt sie vor allem auf den Erhalt der Wilhelm-Münker-Hütte im Insbachtal. Stanislaw Szymiczek (2. v. l.) und Lothar Blecher (r.) gehören zum aktiven Rentnerteam, das stets tatkräftig anpackt.
  • Vorsitzende Dr. Anja Brosowski (l.) sieht die SGV-Abteilung Hilchenbach in herausfordernden Zeiten. Wie die Hüttenwarte Margit und Klaus Wetter (M.) setzt sie vor allem auf den Erhalt der Wilhelm-Münker-Hütte im Insbachtal. Stanislaw Szymiczek (2. v. l.) und Lothar Blecher (r.) gehören zum aktiven Rentnerteam, das stets tatkräftig anpackt.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Jan Schäfer (Redakteur)

js Allenbach/Hilchenbach. Herausfordernd sind die Zeiten für die SGV-Abteilung Hilchenbach. Die wanderfreudige rund 150-köpfige Gemeinschaft, der sich bereits in großen Schritten auf das 14. Jahrzehnt ihres Bestehens zubewegt, muss ihre Stellung in der Vereinslanschaft behaupten und sieht sich dabei mit drei wesentlichen Kostenblöcken konfrontiert: der Mitgliedschaft im SGV-Gesamtverein, dem Gillerbergturm und der Wilhelm-Münker-Hütte im Insbachtal. Prioritäten setzen ist angesagt.

Dr. Anja Brosowski, seit fünf Jahren Vorsitzende des Vereins, ist froh, dass ein finanzieller Engpass mithilfe eines Maßnahmenpakets – u. a. eine Beitragserhöhung und ein Stromanbieterwechsel fürs Insbachtal – überwunden werden konnte. Dennoch: Die SGV-Abteilung muss genau rechnen und überlegen, was sie sich noch leisten kann und will in der Zukunft.
Der Gillerbergturm etwa, ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal des Vereins, muss regelmäßig renoviert werden. Mitte der 2020er-Jahre wird das wieder der Fall sein, geschätzt 10 000 Euro müssen den SGV-Freunde bis dahin wieder ansparen. Unterstützt werden sie dabei von der Stadt Hilchenbach, die pro Jahr 1000 Euro für die drei SGV-Abteilungen in ihrem Beritt zur Verfügung stellt; nicht benötigte Restmittel aus diesem Topf fließen aufs Turmkonto.

Kritik am Gesamtverein 

Auch die Mitgliedschaft im „großen“ Sauerländer Gebirgsverein ist alles andere als ein Schnäppchen: Etwa 2500 Euro pro Jahr gehen nach Arnsberg, mehr als die Hälfte der Einnahmen. Glücklich ist Anja Brosowski darüber nicht – insbesondere, da sie die wachsenden Strukturen des Gesamtvereins ausgesprochen kritisch sieht. Zusätzliche Stellen würden geschaffen, die Verwaltung baue einen „Wasserkopf“ aus, moniert die Apothekerin. Auch über formale Fehler bei Protokollen ärgert sich Brosowski: Gegen die jüngste Stellenerweiterung in Arnsberg hätten lediglich die SVG-Abteilungen Hilchenbach und Krombach gestimmt. Protokolliert worden seien diesen klaren Vota allerdings als Enthaltungen. Künftig möchte die Hilchenbacherin Delegiertenversammlungen fern bleiben. Auch überbordende Bürokratie kreidet sie an – etwa dass Wegezeichner sich nun kostspielig bei der SGV-eigenen Wanderakademie ausbilden lassen müssten. „Wo ist da der Nutzen?“, fragt Anja Brosowski und würde das Geld der Mitglieder viel lieber vor Ort einsetzen.
Daher sei es bei den Hilchenbachern auf einer Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr zum Schwur gekommen: Der Vorstand habe die Anwesenden gefragt, ob eine Trennung vom Hauptverein infrage komme. Nein, meinte die Mehrheit, die Abteilung solle doch noch in der SGV-Familie bleiben. Nun hätten die Mitglieder aber zumindest die Möglichkeit selbst zu entscheiden, ob sie Teil des großen Ganzen bleiben oder sich stattdessen lieber auf das Angebot vor Ort konzentrieren möchten.

Zweiten Verein gegründet

Genau diesen Weg ebnete die Abteilung im vergangenen Jahr, indem sie einen zweiten eingetragenen Verein aus der Taufe hob. „Freizeit und Natur Insbachtal“ heißt der, kurz FuNI, sein Vorstand ist fast identisch mit dem geschäftsführenden Vorstand der SGV-Abteilung. Er kümmert um die aktive Landschaftspflege und sinnvolle Freizeitgestaltung im namensgebenden Insbachtal, somit rund um die Wilhelm-Münker-Hütte, die samt Außengelände im Besitz der SGV-Abteilung ist und bleiben soll und Nummer-1-Priorität bei den Vereinsmitgliedern hat.
Wie viele Mitglieder nun vom SGV zu FuNI wechseln, bleibt abzuwarten. Anja Brosowski rechnet damit, dass die Mitgliederzahl des Insbachvereins im nächsten Jahr von jetzt 22 auf etwa 40 wächst. Im Weihnachtsbrief wurden die Mitglieder auf ihre Entscheidungsmöglichkeit hingewiesen. Die SGV-Abteilung sei durch einen Wechsel nicht gefährdet – 13 Mitglieder sind das Minimum für einen Fortbestand.

Derweil geht es munter weiter im Insbachtal: Notwendige Investitionen für die Hütte sind möglich, nach und nach werden nun die Nachtspeicheröfen ausgetauscht. Die Vermietung der beliebten Feierstätte läuft, die beiden Hüttenwarte Margit und Klaus Wetter haben gut zu tun. An tatkräftiger Hilfe mangele es ohnehin nicht, freut sich Anja Brosowksi über den gesunden Teamgeist in der Abteilung. In dieser Woche erst haben fleißige Handwerker einen Wasserschaden in der Toilettenanlage behoben, die Abteilung kann mit und auf Eigenleistung bauen. Auch der Nachwuchs der Wegezeichner stimme hoffnungsvoll, über von der Stadt vermittelte Wegepatenschaften habe die Abteilung neue Helfer rekrutieren können.

Geschäftsführender Vorstand nur halb besetzt

Dennoch plagen die Vorsitzende konkrete Zukunftssorgen. Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung blieben zwei von vier Posten im geschäftsführenden Vorstand vakant: die des 2. Vorsitzenden und die Schriftführung. Es sei nicht leicht, Menschen zu finden, die die mit dem Amt verbundene Verantwortung übernehmen würden – auch wenn genügend Hände zum Anpacken vorhanden seien. Nach ihrer zweiten Amtszeit möchte Anja Brosowski selbst nicht mehr antreten, bis 2022 muss also auch für sie eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gefunden werden. Sollte das nicht der Fall sein, könnte das Ende der Abteilung drohen; die beiden Immobilien würden an den SGV-Bezirk fallen. „Ich hoffe, es finden sich zwei Personen“, sagt die Vorsitzende mit Blick auf eine womöglich wegweisende Jahreshauptversammlung im März 2020. Gut, dass die Abteilung in Sachen Wegezeichnen nicht nur das Exklusivrecht hat – sondern auch jede Menge Übung.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.