Hilchenbacher Martinsumzug - Mail setzt Durftmarke
Shitstorm mit Pferdeäpfeln (Glosse)

Das Pferd des heiligen Martin - insbesondere seine Hinterlassenschaften - sorgen in Hilchenbach für Wirbel. (Symbolbild)
  • Das Pferd des heiligen Martin - insbesondere seine Hinterlassenschaften - sorgen in Hilchenbach für Wirbel. (Symbolbild)
  • Foto: Dirk Manderbach
  • hochgeladen von Jan Schäfer (Redakteur)

js Hilchenbach. Über die von der Kommunalaufsicht geforderten Maßnahmen zur Rettung des Hilchenbacher Haushaltssicherungskonzepts herrschte am Mittwoch im Haupt- und Finanzausschuss keinerlei Redebedarf. Haben die Stadtverordneten die Kröte der unabwendbaren Steuererhöhungen etwa geschluckt – oder hatten sie bereits Wind davon bekommen, dass aus einer der mittleren Rathaus-Ebenen der Ausweg aus finanziellen Nöten aufgezeigt würde?

Ein Lösungsvorschlag kam per E-Mail, eine neue Einnahmequelle rückte in den Blick. Montagvormittag landete folgende Mitteilung im Posteingang der Florenburggrundschule: „Im letzten Jahr hat das Pferd mehrere Haufen mit Pferdeäpfeln hinterlassen. Der Halter oder der Veranstalter muss die Verschmutzung Beseitigen/einsammeln. Ansonsten erfolgt eine Rechnung vom Baubetriebshof über den Einsatz und die Reinigung.“

Die vom Ordnungsamtsleiter unterzeichnete Ansage bezieht sich auf den Martinsumzug, den die Grundschule seit Jahren und auch in diesem November wieder ausrichtet – mitsamt berittenem Hauptdarsteller. Offenbar hatte dessen vierbeiniger Untersatz im vergangenen Jahr seine Notdurft auf städtischen Straßen verrichtet – und deren Zustand stinkt bekanntlich schon ohne eine derartige Veräppelung zum Himmel. Kein Wunder, dass man da keinen Spaß versteht in der Hilchenbacher Verwaltungszentrale.

Tommy Aderhold, Vorsitzender des Schulfördervereins, kann indes nicht wirklich lachen über das Schreiben des Ordnungshüters. Ein Aprilscherz Mitte September? Auf Facebook hat er seiner Verwunderung bereits am Donnerstagabend Ausdruck verliehen. Wieso kommt dieser Brief erst beinahe ein Jahr nach dem unerwünschten Verdauungsfall? Wäre ein einfacher, freundlicher Anruf nicht produktiver gewesen bei einem solchem Problem, das dem Veranstalter offenbar gar nicht als solches bewusst war? Wurde der kleine Dienstweg nun etwa komplett aus dem Straßensanierungsprogramm gestrichen?

„Über den Inhalt und die Art der Kommunikation bin ich sehr überrascht und sogar erbost, ich verstehe die Vorgehensweise nicht“, schimpft der Vereinsvorsitzende. „Wenn sich die vielen Leute bereits ehrenamtlich für eine solche traditionelle Veranstaltung engagieren, bei der die Kinder noch ein echtes Pferd geboten bekommen, gemeinsam durch das Stadtgebiet ziehen, vor dem Alloheim ein Martinsspiel aufführen, bei dem die Bewohner an den Fenstern stehe und sich an dem ganzen erfreuen können, sollte man als Stadt eher mal einen Sack Äpfel für das Pferd springen lassen, anstatt einen gemeinnützigen Verein mit solch einem Schreiben an die Longe zu legen.“

Die „verunglücke Form der Kommunikation mit plumper Drohung“ bringe ihn zu der Frage, ob die Stadt überhaupt zukünftig eine solche Veranstaltung wünsche oder so versucht die wenigen Ehrenamtlichen noch zu vergraulen welche sich für so etwas engagieren. „Oder hat man einfach die guten Sitten des Umgangs mit dem Bürger verlernt?

Aderholds Post sorgte rasch für Wirbel im Netz, der Pferdeäpfelskandal trat einen kleinen Shitstorm los – der am Freitagmorgen vom Moderator wieder aus dem Facebook-Forum entfernt wurde, um die Grenzziehung zwischen berechtigter Kritik an der Verwaltung und einem Angriff auf eine Person zu gewährleisten. Dass ein Stadtverordneter bereits den Bürgermeister zu einem Machtwort aufgerufen hat, spricht dafür, dass die kurze Mail noch einmal Thema werden könnte. Eines dürfte jedenfalls feststehen: Ideen für die Rettung des Haushalts liegen offenbar doch nicht auf der Straße.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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