Sinfonische Sternstunde mit virtuoser Oboenkunst

Antony Hermus dirigierte Mendelssohn, Mozart und Pasculli / Prof. Fabian Menzel gefeierter Solo-Oboist

G. S. Dahlbruch. Zum zweiten Sinfoniekonzert der laufenden Saison gastierte am Donnerstagabend die Philharmonie Südwestfalen beim Gebrüder-Busch-Kreis. Am Pult stand Antony Hermus, der 1.Kapellmeister des Stadt-Theaters Hagen. Eingebettet in zwei Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, die »Ouvertüre op.27« und die »3. Sinfonie a-Moll, op.56«, interpretierte der Buschpreisträger 1986, Prof. Fabian Menzel, das »Konzert für Oboe und Orchester C-Dur, KV 314« von Wolfgang Amadeus Mozart und das Oboenkonzert über Motive aus der Donizetti-Oper »Die Favoritin« von Antonio Pasculli.

Schon in der Ouvertüre op.27, nach zwei Gedichten von Goethe, trafen Hermus und das Orchester einen ungemein zutreffenden Akzent. Sie boten der dichterischen Phantasie und dem musikalischen Verstand der Zuhörer reiche Anregungen. Das Adagio der »Meeresstille« vollzog sich mit feinster Nadel gestrickt, durchsichtig und delikat, fast mit einer kleinen Tendenz zu Debussy hin. Im Molto allegro vivace nahm die »Glückliche Fahrt« reinen Klang an. Die Flöte zerriss die Nebel, der Himmel klarte auf und Äolus Schwingen trieben das Schiff ans sichere Land.

Zu strahlenden Höhepunkten der Programmfolge erhoben sich zwei Oboenkonzerte von Mozart und Pasculli. Fabian Menzel war der Solist, der mit glanzvoller Technik und geistiger Durchdringung der Kompositionen beide Tonschöpfungen adelte. Seine Kraft sich zu konzentrieren, sich völlig der Musik anheimzugeben und sein makelloser, tief verinnerlichter Ton in allen Lagen, sind wirklich einzigartig zu nennen. Im Verein mit Mozarts Oboenlinien kam diese Beobachtung genau so entschieden zur Geltung wie in den Pasculli-Motiven. Auch hier steigerte Menzel seine Interpretation über den rein ästhetischen Klangausdruck hinaus zu einem überzeugenden musikalischen Erlebnis.

Dazu trug in den langsamen Sätzen und auch in den Kadenzen der Modellfall eines perfekten Legato bei. Wie von Fabian Menzel am Donnerstag gespielt, ist es eines Studiums wert. Das Auditorium dankte mit Beifallsstürmen, die erst nach

der Gewährung einer Zugabe – der Dritten aus »Six Metamorphoses after Ovid op.49« von Benjamin Britten – abebbten.

Wie wichtig Mendelssohn der Gedanke zyklischer Geschlossenheit innerhalb des symphonischen Geschehens war, tritt am deutlichsten in seiner »Schottischen Symphonie a-Moll, op. 56« zutage. Hier sind die einzelnen Sätze, ohne Pausen, attacca miteinander verbunden. Das Werk sollte bei aller immanenten Formstrenge Ausdruck seiner 1829 in Schottland empfangenen Impressionen sein.

Dem Dirigenten und den Philharmonikern gelang die konsequente Umsetzung dieser »wahren idée fixe«, die trotz aller Wandlungen des thematischen Grundstoffes und der Substanz für Ohr und Geist erkennbar blieb. Bei größtmöglicher Vielfalt schuf ihr Vortrag eine Einheitlichkeit, aus der alle Sätze erwuchsen. Das ergab für das folgende Geschehen eine erzählende, gewissermaßen auch balladeske Konzeption. Da fanden sich neben schottischen Balladen auch eine von der Stimmung und nicht vom Inhalt bestimmte Erzählungsart der Romantik, die Mendelssohn längst in ihren Bann gezogen hatte, Balladen, die Dichtung, Musik und Tanz in sich vereinten und ein Potenzial an Natur- schilderung und Landschaftscharakteristik widerspiegelten.

Das Busch-Theater war erfüllt von Liedhaftigkeit ohne Texte und Kolorit ohne Zitate, geleistet von den instrumentalen Differenzierungsmöglichkeiten der Musik. Auswendig dirigierend und vom Wesen dieser Tonsprache durchdrungen folgte Antony Hermus jeder Wendung dieser großartigen aber auch schweren Komposition. Seinen Vorgaben folgten die Musiker willig und hoch motiviert bis zum letzten Ton. Das Publikum war begeistert und reagierte euphorisch mit lang anhaltenden Ovationen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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