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Beigeordneter Udo Hoffmann geht in Pension
Spagat im stillen Kämmerlein

Zwei Jahrzehnte lang war Udo Hoffmann für die Finanzen in Hilchenbach zuständig.
  • Zwei Jahrzehnte lang war Udo Hoffmann für die Finanzen in Hilchenbach zuständig.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Jan Schäfer (Redakteur)

js Hilchenbach. Die letzten Wochen seines Berufslebens muss Udo Hoffmann mehr denn je im Verborgenen verbringen. Die geplante Abschiedstour durch die Gremien wurden dem Beigeordnete der Stadt Hilchenbach, zugleich Kämmerer, Schul- und Sozialdezernent, von der Corona-Krise durchkreuzt. Eines aber bleibt gewiss: dass er im Sommer, kurz nach seinem 65. Geburtstag, in den Ruhestand treten und am Donnerstag seinen Resturlaub antritt. Zwei Jahrzehnte lang war der gebürtige Freudenberger der Zahlmeister der Hilchenbacher Stadtverwaltung, hat drei Bürgermeister, die Umstellung aufs Neue kommunale Finanzmanagement (NKF) und diverse Höhen und Tiefen miterlebt.

js Hilchenbach. Die letzten Wochen seines Berufslebens muss Udo Hoffmann mehr denn je im Verborgenen verbringen. Die geplante Abschiedstour durch die Gremien wurden dem Beigeordnete der Stadt Hilchenbach, zugleich Kämmerer, Schul- und Sozialdezernent, von der Corona-Krise durchkreuzt. Eines aber bleibt gewiss: dass er im Sommer, kurz nach seinem 65. Geburtstag, in den Ruhestand treten und am Donnerstag seinen Resturlaub antritt. Zwei Jahrzehnte lang war der gebürtige Freudenberger der Zahlmeister der Hilchenbacher Stadtverwaltung, hat drei Bürgermeister, die Umstellung aufs Neue kommunale Finanzmanagement (NKF) und diverse Höhen und Tiefen miterlebt.

Die Verwaltungslaufbahn war zwar nicht die erste Wahl für den gebürtigen Freudenberger – wie viele andere junge Burschen wäre er gern zur Polizei gegangen –, dennoch hat sie Hoffmann gern beschritten. Nach dem Studienabschluss als Diplom-Verwaltungsfachwirt startete er beim Landesamt für Besoldung in Düsseldorf, wechselte ins Personaldezernat des Regierungspräsidenten in Köln und ins Personalwesen der Uni Siegen, bevor er in seiner Heimatstadt als Sachbearbeiter im Bauamt tätig wurde. 1990 stellte er die Bauordner zur Seite und wechselte in die Kämmerei, zunächst als ls Amtsleiter, später als Stadtkämmerer und Beigeordneter der Freudenberger Verwaltung.

Der Wechsel nach Hilchenbach hatte politische Gründe. Als Sozialdemokrat verließ er das CDU-geführte Freudenberger Rathaus drei Jahre vor dem Ende seiner Amtszeit als Wahlbeamter. In Hilchenbach war der vormalige Kämmerer Günter Schlabach (SPD) zum ersten hauptamtliche Bürgermeister avanciert, die Sozialdemokraten bemühten sich daher frühzeitig um einen möglichen Nachfolgekandidaten. 30 Bewerbungen gingen seinerzeit ein, drei Kandidaten kamen in die engere Auswahl – Udo Hoffmann setzte sich schließlich durch.

Der Aufstieg ins Bürgermeisteramt blieb ihm vier Jahre später allerdings verwehrt, Hoffmann gelang in der SPD-Hochburg Hilchenbach nicht einmal der Einzug in die Stichwahl. Die Wähler setzten am Ende auf einen unabhängigen Rathauschef, Hans-Peter Hasenstab. „Diese Niederlage war schon eine Enttäuschung“, räumt Hoffmann ein. Im Nachhinein aber trauert er der verpassten Chance nicht hinterher. Im Gegenteil: „Ein Bürgermeister muss viel aushalten und ist zeitlich sehr eingeschränkt.“ Die persönliche Lebensqualität sei auf diese Weise höher gewesen, ist sich der zweite Mann im Rathaus heute sicher.

Das Politische ließ Hoffmann fortan hinter sich, setzte auf Sacharbeit und das gute Miteinander mit Bürgermeistern und Ratsfraktionen. Zweimal einstimmige Wiederwahlen für jeweils acht Amtsjahre waren sein Lohn. Bei den Finanzen begleitete er große Themen wie die Rückzahlung der Sparkassendotation, die umstrittene Abrechnung der Stadtkernsanierung und die Umstellung auf das NKF, an der die Stadt lange zu knabbern hatte. Der personelle Aufwand für die Einführung habe nicht in Relation zu den Vorteilen gestanden, so Hoffmann. Nicht ohne Grund habe das Land NRW die Umstellung bis heute nicht gewagt. „Die wissen schon warum.“

Mit der Umstrukturierung der Verwaltung unter Bürgermeister Hasenstab fiel 2007 auch der Fachbereich Schulen und Soziales in Hoffmanns Ressort – beide Themen erwiesen sich im Laufe der Jahre als herausfordernd. Die Schullandschaft der Stadt hat sich maßgeblich gewandelt – von drei Grundschulen blieben zwei in kommunaler Trägerschaft, aus zwei Hauptschulen wurde eine, die später ebenfalls geschlossen wurde. Eine neue Realschule wurde aus der Taufe gehoben, ein Gymnasium geschlossen. Ein Jahrzehnt später sollte es die Flüchtlingskrise sein, die Hoffmann und sein Dezernat besonders beschäftigte. Ein großes Lob zollt der 64-Jährige seinen Mitarbeiterinnen und dem Ehrenamt, die mit enormem Einsatz geglänzt hätten.

An die Nieren gegangen sei ihm die Bauhofaffäre, die vor nunmehr zehn Jahren in einem aufsehenerregenden Prozess vor dem Siegener Landgericht aufgearbeitet wurde und Hilchenbach einen Tiefpunkt in der öffentlichen Wahrnehmung beschert habe. Im Gedächtnis bleiben wird Hoffmann zudem die Schreckensnachricht aus Barcelona, als eine Gruppe der Hilchenbacher Jugendpflege im Sommer 2017 nur einen Steinwurf vom Terroranschlag auf den Ramblas entfernt war.

Gern habe er als Kämmerer gearbeitet, es sei spannend, die Enden zusammenzuhalten und die Stadt handlungsfähig zu machen, sagt Hoffmann. Die Aufgabe sei interessant und herausfordernd gewesen. Dass Hilchenbach nie aus dem Vollen schöpfen konnte und der Rotstift oft gespitzt werden musste, habe ihn nicht frustriert. In einigen Dingen, etwa der Jugendarbeit, biete die Stadt sehr viel – für ihn als zuständigem Dezernenten und Wächter über die Finanzen habe dies oft einen Spagat bedeutet. Mit Standortnachteilen müsse Hilchenbach zurecht kommen. Kreuztal habe es da mit dem konstanten Gewerbesteuerzahler leichter. Neidisch auf den Kollegen der Kindelsbergkommune sei er jedoch nicht gewesen.

Jetzt freut sich der sportliche Wahl-Dahlbrucher auf seinen neuen Lebensabschnitt. Er wird mehr Zeit haben für die Familie, die sich derzeit aufs zweite Enkelkind freut. Das E-Bike wartet auf gemeinsame Touren – und vielleicht kehrt Hoffmann eines nicht allzu fernen Tages zurück in den Ratssaal. In ganz neuer Rolle. Wir werden sehen.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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