Sparer als Preistreiber

matz Hilchenbach. Der Wasserpreis soll im Stadtgebiet Hilchenbach rückwirkend zum 1. Januar um 4 Cent steigen. Diese Änderung der Satzung über die Wassergebühren empfahl der Betriebsausschuss am Mittwoch „zähneknirschend“ (André Jung, CDU) dem Rat. Zähneknirschend, weil die wirtschaftliche Situation des städtischen Eigenbetriebs dem Ausschuss keine Wahl ließ, wie Jung einsehen musste.

Denn auch die Stadt reagiert mit der Erhöhung nur auf eine zum 1. Januar in Kraft getretene Preisanhebung des Wasserverbands, von dem sie selbst ihr Wasser bezieht. „Eine Erhöhung des Wasserabgabepreises, nach dem wir das Wasser einkaufen, um 3 Cent, bedeutet nicht, dass wir nur um 3 Cent den Verkaufspreis anheben“, erläuterte Betriebsleiter Werner Otto. Bezogen auf die jährliche Wasserbezugsmenge Hilchenbachs von 730 000 m3, von denen 670 000 m3 an den Endverbraucher weitergegeben würden, ergäben sich für die Kommune 21 900 Euro Mehrkosten.

Besonders zu schaffen macht den Stadtwerken laut Otto aber die schrumpfende Bevölkerung Hilchenbachs, die sich den Prognosen zufolge in den kommenden Jahren weiter dezimiert. „Wenn es uns nicht gelingt, diese Abwärtsspirale zu stoppen, bekommen wir einen dauerhaften Preisanstieg.“

Die allgemeine Tendenz zum Wassersparen seien klare „Risiken für den Eigenbetrieb“. Schließlich blieben die Fixkosten, sie haben am Wasserpreis derzeit einen 80-prozentigen Anteil, konstant. So könne es sein, dass eine vierköpfige Familie in einer Kommune mit sparsamen Bürgern unter dem Strich eine genau so hohe Wassergebühr zahle wie eine vierköpfige Familie in einer Kommune mit verschwenderischen Bürgern, rechnete Otto vor. Da die eine Stadt über eine größere Menge ihr Wasser günstiger einkaufe als die andere. Außerdem müssten bereits Kommunen in regenarmen Gebieten – Otto: „Wir gehören nicht dazu.“ – ihre Kanäle nachspülen, da wegen des sparsamen Einsatzes das Spülwasser aus Toiletten nicht mehr ausreiche. Auch das widerspreche dem Spargedanken.

„Ziemlich paradox“, nannte André Jung diese Rechnung vor dem Hintergrund, dass die Wasservorräte auf der Erde zurückgingen. Barbara Roth (SPD) appellierte trotzdem zum Sparen. „Wasser ist doch unser wertvollstes Lebensmittel.“Ein Übriges zur Preiserhöhung beigetragen habe der sehr harte Winter, der mit vermehrten Rohrbrüchen einherging. Daher schlug Otto vor, den Wasserpreis von 1,38 auf 1,42 Euro pro Kubikmeter (netto) „moderat“ zu erhöhen und einen Teil der Verluste durch die allgemeine Rücklage in Höhe von gut 225 000 Euro abzudecken. Ein höherer Betrag könne über die allgemeine Rücklage nicht abgedeckt werden, da sonst die Reserven für außergewöhnliche Schadensfälle aufgebraucht wäre, argumentierte Otto.Für einen Haushalt mit rund 100 m3 Jahresverbrauch bedeutet diese Drehung an der Gebührenschraube demnach eine Mehrbelastung von 4 Euro netto pro Jahr.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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