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Im Vormwalder Mordprozess geht es um Obduktion und DNA
Spuren sprechen klarer als Zeugen

Der Tatort in Vormwald.

js Siegen. Stoisch und schweigend, aber nie gedanklich abwesend verfolgt Max M. das Geschehen. Stunde um Stunde sitzt der 20-Jährige vor der 2. Großen Strafkammer des Siegener Landgerichts, vor der ihm derzeit der Prozess gemacht wird für eine Tat, die alles andere als alltäglich ist. Der junge Mann soll im August vergangenen Jahres Josef S. (74) in dessen Haus in Vormwald getötet haben – auf äußerst brutale Weise, wie bereits zu Prozessbeginn schmerzhaft zu hören war.

In den ersten Stunden und Tagen nach seiner Festnahme hatte er sich weitaus weniger zurückgehalten. Gegenüber der Polizei war er bereits kurz nach der Verhaftung geständig, hatte die Tötung des alten Herrn zugegeben und darin keine große Sache gesehen.

js Siegen. Stoisch und schweigend, aber nie gedanklich abwesend verfolgt Max M. das Geschehen. Stunde um Stunde sitzt der 20-Jährige vor der 2. Großen Strafkammer des Siegener Landgerichts, vor der ihm derzeit der Prozess gemacht wird für eine Tat, die alles andere als alltäglich ist. Der junge Mann soll im August vergangenen Jahres Josef S. (74) in dessen Haus in Vormwald getötet haben – auf äußerst brutale Weise, wie bereits zu Prozessbeginn schmerzhaft zu hören war.

In den ersten Stunden und Tagen nach seiner Festnahme hatte er sich weitaus weniger zurückgehalten. Gegenüber der Polizei war er bereits kurz nach der Verhaftung geständig, hatte die Tötung des alten Herrn zugegeben und darin keine große Sache gesehen. Als Videomitschnitt brachte die Kammer unter dem Vorsitz von Richterin Sabine Metz-Horst am Mittwoch die frühen Aussagen des Beschuldigten in den Gerichtssaal. Auch darin ließ M. keinen Zweifel daran aufkommen, dass er den Mann getötet hatte. Als „Beschützer der Verfolgten und Armen“, so bezeichnete er sich damals bei der Polizei, sprach für ihn nichts dagegen, den Senior zu töten, in dem er einen Pädophilen sah.

Beschuldigter schweigt weiter

Wie genau sich die brutale Bluttat abgespielt hat, genau darüber möchte sich die aus drei Richterinnen und zwei Schöffen bestehende Jugendkammer ein Bild machen. Der Beschuldigte, der von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch macht, bleibt schweigender Beobachter. Dass der Tötung in dem verdeckt stehenden Haus an der B 508 ein langer Kampf vorausgegangen sein muss, hat M. in den Polizeivernehmungen bereits verdeutlicht. Um weitere Lücken im noch immer unscharfen Gesamtbild auszumalen, wurde es am fünften Prozesstag analytisch: Eine Rechtsmedizinerin und eine DNA-Spuren-Spezialistin des Landeskriminalamts Düsseldorf brachten ihre Gutachten ein.

Grausamer Mord aus Habgier (Update 11 Uhr)

Der Kampf zwischen Max M. und Josef S. dürfte in der Tat eine Weile gedauert haben. Die Verletzungen, von denen Rechtsmedizinerin Dr. Katharina Jellinghaus berichtete, waren sowohl beim Opfer als auch beim Beschuldigten zu finden. Max M. wies deutliche Spuren einer körperlichen Verletzung auf – an Kopf, Hals und Nacken. Auch Schnittwunden, die auf das Benutzen eines Messers als Tatwaffe schließen lassen, wurden dokumentiert.

"Mehr als 70-fache Einwirkung scharfer Gegenstände“

Bei der Obduktion des Opfers wurde „eine mehr als 70-fache Einwirkung scharfer Gegenstände“ gezählt. Hinzu kamen Verletzungen von stumpfen oder halbscharfen Gegenständen. Zu diesen gehören auch der Schraubenzieher, der bereits in der Beweisaufnahme zur Sprache gekommen war, oder eine Gartenschere. Als Todesursache gab die Expertin ein „Verbluten nach außen“ an, verbunden mit Atemnot. Das Brustbein des 74-Jährigen sei durch Stiche geöffnet worden, sodass die Lunge kollabierte. „War es ein Kampf über Stunden?“, wollte die Vorsitzende Richterin wissen. „Möglich“, meinte die Medizinerin. Viele der zahlreichen Verletzungen hätten nicht unmittelbar zu einem schnellen Tod führen müssen. Verbluten sei keine Sache von Minuten. Den genauen Blick auf die DNA-Nachweise am Tatort richtete Dr. Katja Kiel vom LKA. Ihr hatte die Polizei eine ganze Reihe von Spuren geliefert, sowohl vom Tatort, vom Nachbarhaus, in dem eine Cannabisplantage entdeckt worden war und aus der Wohnung von Dennis H., in der Max M. als eine Art Untermieter lebte. Die Blutspuren an Tatort und Waffen stammten vom Opfer und dem Beschuldigten, weitere Täter ließen sich im Labor nicht nachweisen.

Warten auf psychiatrisches Gutachten

Als Kontrastprogramm zur akademischen Analyse der Expertinnen erdete eine 20-Jährige den Zeugenstand, die Tatabend- und -nacht in der seinerzeitigen Wohnung des Beschuldigten verbrachte. Die Richterinnen hatten alle Mühe, der jungen Ausbildungsabbrecherin akustisch und inhaltlich verständliche Antworten aus der Nase zu ziehen. Anderthalb Stunden dauerte es, bis ihre Perspektive auf das Geschehen ein wenig klar wurde.

Das sagen die Polizisten

Die 20-Jährige wollte ihr altes Handy an Dennis H., Max’ Mitbewohner (37), verkaufen und blieb an jenem Augustsonntagabend in dessen Wohnung. Die beiden Männer hätten sie dort mit dem Hund allein gelassen, waren über Stunden fort. Der 37-Jährige sei als Erster zurückgekehrt – mit zwei Hanfpflanzen. „Er sagte, dass etwas aus dem Ruder gelaufen ist.“ Von einer Messerstecherei sei die Rede gewesen dass es ihm „zu viel“ geworden sei. Auf mehrfaches Nachfragen der Richterinnen ließ sich folgender Ablauf des Tat-Abends ausmachen: Dennis und Max waren im Haus mit der Plantage gewesen, um sich Cannabis zu besorgen. Max sei danach in das Nachbargebäude eingestiegen, das Haus des Opfers. Dass Max einen „Teufel in sich“ hatte, Stimmen im Kopf, habe er ihr berichtet. Wie sehr diese „Stimmen“ ihn zur Tat überredet haben, dürfte eine Rolle spielen im psychiatrischen Gutachten – das wird kommende Woche erwartet.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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