Verdi macht Druck
Streik: Neurologische Fachklinik Hilchenbach im Ausnahmezustand

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nja Hilchenbach. Seit 7.30 Uhr befindet sich die Neurologische Fachklinik Hilchenbach im Ausnahmezustand. Im Tarifkonflikt hat die Gewerkschaft Verdi zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Von 6 bis 21 Uhr wird Druck auf den Arbeitgeber aufgebaut. Rund 70 der 330 Beschäftigten begeben sich mit Trillerpfeifen und Plakaten, auf denen ihr Unmut über das jüngste Arbeitgeberangebot zu lesen ist, von der Ferndorfstraße auf den Weg zum Streiklokal in der Realschul-Aula. Dort ist eine Kundgebung geplant.

Celenus fordert Gerechtigkeit von der Politik

Celenus spricht von rechtwidrigem Streik

"Die Nachtschicht wird nicht bestreikt", sagte Gewerkschaftssekretär Jasin Nafati im Vorfeld der Aktion. Wegen der ohnehin schon dünnen Personaldecke sei der Pflegebereich der Rehaklinik beim Streik ebenfalls nicht allzu stark vertreten: "Wir kommen unserer Verantwortung nach." Die Geschäftsführung  in Offenburg spricht in einem Schreiben an die Gewerkschaft von einem "rechtswidrigen Streik". Man werde die Beschäftigten  darüber in Kenntnis setzen, welche persönlichen Konsequenzen die Teilnahme haben könne. Die Verantwortlichen würden für jegliche Schäden haftbar gemacht.   "Das ist natürlich totaler Quatsch und ein Zeichen der Hilflosigkeit. Aber unser Warnstreik  scheint Wirkung zu zeigen", kommentiert der heimische  Verdi-Geschäftsführer Jürgen Weiskirch den Vorwurf.
Die Geschäftsführung moniere, mit der Arbeitsniederlegung werde die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt, man sei enttäuscht, dass angesichts des Stands der Verhandlungen zu Arbeitskämpfen "allein um des Events willen" aufgerufen werde, zitierte  Weiskirch,  begleitet von Pfiffen und Buhrufen,  aus einem Celenus-Schreiben.  Fühlten sich Beschäftigte eingeschüchtert und blieben daher dem Warnstreik fern? Das wusste am Mittwoch niemand. Aus dem Kreis der Therapeuten aber kam  ein anderes Signal:  "Jetzt erst recht!" 

Angebot nach wie vor "inakzeptabel"

Auch das  nachgebesserte Angebot, so Weiskirch, sei nicht akzeptabel. Celenus bietet zum 1. März eine Corona-Prämie in Höhe von 1027 Euro, ab Juni 2 Prozent mehr Lohn und Gehalt, ab Dezember 50 Euro und ab Juni 2023 noch einmal 1 Prozent mehr an. Verdi fordert hingegen 100 Euro mehr pro Monat und darauf 7 Prozent und eine deutlich kürzere Laufzeit.  Dass der Arbeitgeber von einer Tariferhöhung von 4,72 Prozent rede, sei ein Rechentrick, so Weiskirch, und gelte nur für die letzten der 26 Monate Laufzeit. Seit September 2021 gebe es ja z. B. "Nullmonate".

Kein Vergleich zum öffentlichen Dienst

Verglichen mit dem Gehalt der Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst, betrage die monatliche Differenz zwischen 200 und 300 Euro brutto, sagt Betriebsratsvorsitzender Holger Schol. Im therapeutischen Bereich "bekommen die Kollegen 14 bis 15 Prozent mehr Gehalt als die Celenus-Beschäftigten, in der Pflege sind sie rund 17 Prozent enteilt". 

Degenhardt: "Gutes Personal fällt nicht vom Himmel"

"Wir haben es mit einem Arbeitgeber zu tun, der etwas Nachhilfeunterricht braucht", sagte Ingo Degenhardt, Vorsitzender des DGB Siegen-Wittgenstein: "Gut qualifiziertes und motiviertes und Personal fällt genauso wenig vom Himmel wie Tarifverträge." Celenus habe viele Auszeichnungen erhalten,  u. a. von der "Wirtschaftswoche" als "wertvollster Arbeitgeber". Dies wurde mit frustriertem Gelächter kommentiert. Wertschätzung der Mitarbeiter, so Degenhardt, sei dabei wohl nicht abgefragt worden. "Der Jahresumsatz von Orpea beträgt 2,8 Mrd. Euro – da nagt niemand am Hungertuch", so der DGB-Sprecher. Zum Hintergrund:  Orpea hatte 2015 die Celenus-Kliniken übernommen. Degenhardt Richtung Arbeitgeber: "Gesundheitsversorgung sollte Euer Geschäft sein, nicht Gewinnmaximierung auf Kosten des Personals und der Pflegequalität."

Weitere Streikbereitschaft

Im Streiklokal wurde am Mittwoch die Streikbereitschaft abgefragt: 85 Prozent wollen demnach lieber dauerhaft mehr Lohn als eine einmalige Coronaprämie: Letzteres ist wohl nur bis Ende Februar im Angebot. 60 Prozent sind offen für Streiks, 20 Prozent gaben an, auch "bis zum Äußersten zu streiken". Die Patienten waren am Dienstag von der Klinikleitung schriftlich über den Ausstand  informiert worden. "Selbstverständlich stellen wir Ihre Versorgung sicher, so dass alles Notwendige in Bezug auf Ihre medizinisch-pflegerische Versorgung organisiert ist", ist darin zu lesen.  Gegenüber der SZ  wollte sich Celenus  am Mittwoch nicht äußern. Der Grund:  die laufenden Tarifverhandlungen. Am Donnerstag geht es  in die nächste Runde.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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