SZ

Straßensanierungskonzept Hilchenbach
Substanz bricht weg

Nicht in Stein gemeißelt, derzeit aber an erster Stelle der Prioritätenliste: Die Hainstraße in Dahlbruch gehört zu den vielen Kilometern kommunaler Asphaltstrecken, die saniert werden müssen.  Foto: Jan Schäfer
  • Nicht in Stein gemeißelt, derzeit aber an erster Stelle der Prioritätenliste: Die Hainstraße in Dahlbruch gehört zu den vielen Kilometern kommunaler Asphaltstrecken, die saniert werden müssen. Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Jan Schäfer (Redakteur)

js Hilchenbach. Fast 130 Kilometer lang ist das Netz der kommunalen Straßen – auf dem Papier ist das ein Vermögen, auf dem Boden der Tatsachen jedoch ist das ein Kernproblem der Stadt Hilchenbach. Seit Jahrzehnten schon hinkt sie mit ihren Reparatur- und Sanierungsmaßnahmen der Realität hinterher. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Wert der Straßen, der sich in der Bilanz des städtischen Haushalts niederschlägt, halbiert. Von den 30 Mill. Euro (Bilanzwert 2009) sind weniger als 16 Mill. Euro übrig geblieben. Der Werteverzehr liegt im Jahr bei mehr als einer Million Euro. Es muss etwas passieren.

Verwaltung und Politik wissen, dass dies so ist. Sie wissen aber auch, dass die finanzielle Lage der Kommune keine großen Sprünge gestattet.

js Hilchenbach. Fast 130 Kilometer lang ist das Netz der kommunalen Straßen – auf dem Papier ist das ein Vermögen, auf dem Boden der Tatsachen jedoch ist das ein Kernproblem der Stadt Hilchenbach. Seit Jahrzehnten schon hinkt sie mit ihren Reparatur- und Sanierungsmaßnahmen der Realität hinterher. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Wert der Straßen, der sich in der Bilanz des städtischen Haushalts niederschlägt, halbiert. Von den 30 Mill. Euro (Bilanzwert 2009) sind weniger als 16 Mill. Euro übrig geblieben. Der Werteverzehr liegt im Jahr bei mehr als einer Million Euro. Es muss etwas passieren.

Verwaltung und Politik wissen, dass dies so ist. Sie wissen aber auch, dass die finanzielle Lage der Kommune keine großen Sprünge gestattet. Umso wichtiger ist es, diese Sprünge gezielt zu setzen. Die Fortschreibung des Straßensanierungskonzepts soll dabei helfen, noch vor der Sommerpause soll der Rat die neue Marschrichtung absegnen.

Im Bauausschuss stellte Baudezernent Michael Kleber jetzt den Entwurf der Konzeptfortschreibung vor, die ein aktuelles Schadensbild zeichnet und Sanierungsmöglichkeiten aufzeigt. Als Arbeitsgrundlage dient eine Dokumentation der Hilchenbacher Straßen, die von einem externen Fachbüro erstellt wurde und für die ein Spezialfahrzeug durchs Stadtgebiet geschickt wurde, das photogrammetrische dreidimensionale Aufnahmen in die Datenbank eingespeist hat. Herausgekommen ist eine Bewertung aller Straßen in acht Zustandklassen – von 1 wie sehr gut/neuwertig bis 8 wie überfällig. Nur 2 Prozent der Flächen erreichten Klasse 1, 21 Prozent werden als „gut“ (2) bezeichnet. Als mittelmäßig (4 oder 5) werden 30 Prozent der Straßen bewertet. 43 Prozent gelten als schlecht (6 bzw. 7), 4 Prozent sogar als sehr schlecht (8).

Als häufigste Ursachen für die erkannten Straßenschäden gelten Risse oder Wölbungen durch Setzung – das lässt auf einen mangelhaften Unterbau schließen. Das wundert kaum, denn zahlreiche Hilchenbacher Straßen stammen aus Baujahren, in denen nicht nach heutigen Standards gebaut wurde. Mitunter seien einfach vorhandene Feldwege asphaltiert worden, erklärt Baudezernent Kleber.

In den vergangenen Jahren hat die Stadt Hilchenbach zwar marode Straßen angepackt, aber nur in Ausnahmefällen von Grund auf. In den meisten Fällen hat sich die Bauverwaltung auf eine oberflächliche Sanierung konzentriert – per Fräse wurde die alte Asphaltschicht abgetragen, eine neue kam drauf. Bezahlt wurde dies aus der allgemeinen Kasse der Straßenunterhaltung; da das KAG hier nicht zum Zuge kommt, mussten sich die Anwohner nicht finanziell beteiligen. Jüngstes Beispiel für eine solche Oberflächensanierung ist die Hauptstraße in Müsen.

Die letzte Straße, die Hilchenbach grundlegend neu hat bauen lassen, war die Hochstraße in Dahlbruch. Dieser Vollausbau liegt bereist sieben Jahre zurück. Seither wurde – abgesehen vom Endausbau der Dürerstraße in Dahlbruch – keine größere KAG-Baustelle mehr in Angriff genommen. Diskussionen um eine Erhöhung des Anwohnerbeitragssatzes scheiterten immer wieder an der politischen Mehrheit. Der Stadt fehlten damit stets die Eigenmittel für Vollausbauten. Kleber: „Wir haben durch Nichtstun die Hälfte unseres Infrastrukturvermögens vernichtet.“

Eine Reihe von Straßen stehen im neuen Sanierungsprogramm noch als Kandidaten auf der Liste für den Fräs-Einsatz. Bislang ist aber einzig und allein die Grunder Straße mit einer Jahreszahl versehen. Sie soll 2020 in Schuss gebracht werden, nachdem sie zuletzt als Umleitung für die Kreiselbaustelle in Allenbach massiv gelitten hat. Der Landesbetrieb Straßenbau NRW zeichnet für diese Sanierung verantwortlich. Bei weiteren Straßen im gesamten Stadtgebiet muss zunächst gutachterlich geklärt werden, ob eine Oberflächensanierung möglich ist. Das geht nämlich nur dann, wenn sich keine Schadstoffe im Belag finden und die alte Asphaltstärke ausreicht.

„So weh es tut, es wird überwiegend zur Beitragspflicht kommen“, warnte der Baudezernent schon einmal vor, dass bei künftigen Projekten wohl immer wieder nach KAG abgerechnet werden müsse und weniger denn je das Fräsverfahren zum Einsatz kommen könne. Es handele sich aber nicht automatisch um die hohen fünfstelligen Beiträge, vor denen sich die Bürger fürchten. Als „Schmankerl“ könne nunmehr auf NRW-Fördermittel zurückgegriffen werden. Als Teilausbau geplant ist aktuell beispielsweise die Ringstraße „Siedlung“, die im kommenden Jahr eine neue Wasserleitung bekommen soll.

Auch Vollausbauten sollen ab 2021 wieder durchgeführt werden. Der Konzept-entwurf enthält eine Prioritätenliste, die laut Verwaltung aber nicht in Stein gemeißelt ist. Demnach reihen sich folgende Straßen ein: Hainstraße (2022), Hörbachstraße (2023), Alte Landstraße (2024), Jakobstraße (2025), Hüttenweg (2026), Waldstraße (2027), Lindenstraße (2028, Natursteinpflaster-Allee inklusive Hangsicherung) sowie – ohne Jahresnennung – Dr.-Moning-Straße, Siegener Straße, Bergstraße und Am Schwanenweiher.

„Wie wollen Sie fortwährende Straßenkämpfe in Hilchenbach verhindern?“, fragte Dr. Peter Neuhaus (Grüne) nach. Er befürchte eine Protestwelle. Man dürfe die Bürger nicht komplett fehleinschätzen, erwiderte Michael Kleber. Viele seien bereit, in einem moderaten Rahmen die Sanierungen mitzutragen – die auch mit Wertsteigerungen für ihre Grundstücke einhergingen.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

8 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen