Über Los geht nur noch einer

Gelungene »Arturo Ui«-Inszenierung im Gebrüder-Busch-Theater

Dahlbruch. Der Schoß ist fruchtbar noch! Leider. Aber es sind nicht nur die Ewiggestrigen, die immer noch faschistischen »Idealen« in Treue fest verbunden sind. Auch junge Menschen, die in unserer Zeit großer Veränderungen wenig Perspektiven für sich sehen, können den falschen – braunen – Propheten auf den Leim gehen. Deshalb ist Bertolt Brechts Stück »Der aufhaltsame– Aufstieg des Arturo Ui« immer noch aktuell. Aber auch, weil es dazu auffordert, den Aufstieg von Despoten zu verhindern. Und zwar bevor sich ein GröFaZ (Größter Führer aller Zeiten) zum Alleinherrscher aufschwingt. Geschichte wiederholt sich allerdings und das lässt an der Lernfähigkeit der Menschen zweifeln. Das jüngste Beispiel ist Saddam Hussein...

Für seine Parabel wählte Brecht die Parodie. In einer Art Jahrmarktsrevue, die die Protagonisten des Unrechts oft lächerlich wirken lässt, wird die Geschichte des Gangsters Arturo Ui erzählt, der mit seiner Bande die Macht in der Stadt Capua an sich reißt. Und dann mehr will, viel mehr. In Uis Gang tauchen sie alle auf, die Deutschland einst in den braunen Sumpf führten: Goebbels, Göring, Röhm. Trotz aller parodistischen Überzeichnung wehte durch die Inszenierung von Peter Kupke, mit der das Euro-Studio vorgestern beim Busch-Kreis gastierte, der kalte Hauch der gnadenlosen Grausamkeit. Patronen statt Argumente werden ausgetauscht. »Wer nicht für mich ist, ist gegen mich«, lautet Uis Parole. Und für die gibt es Saures.

Das große, geschlossen agierende Ensemble zeigte mit Tempo und Witz am Beispiel der kleinen amerikanischen Stadt und des Karfiol-Trusts (Karfiol: Blumenkohl), welch böses Spiel gespielt wird. Da flogen die Bälle ping-pong-mäßig – zum Glück bleibt der Lehrstück-Zeigefinger meist unten – zwischen Chicago und der alten Reichshauptstadt Berlin hin und her. Die Wirtschaft liegt am Boden, Politiker lassen sich auf dubiose Geschäfte ein. Und der Seiteneinsteiger Arturo schleicht sich erpressungstechnisch ins Zentrum der Macht. Dann zieht der Wolf den bürgerlichen Schafspelz an, und die willige Herde glaubt einen der ihren an der Spitze. Überhaupt die Herde: Alle sind dagegen. Alle meinen, es müsste was dagegen gemacht werden. Aber keiner tut es. Monopolismus statt Monopoly. Über Los geht nämlich nur noch einer.

Das Publikum im sehr gut besuchten Busch-Theater dankte mit langanhaltendem Beifall. Aus dem guten Ensemble ragte Peter Bause als Arturo Ui heraus. Komödiantisch spielt er die Szene aus, in der er von einem Schauspieler Nachhilfeunterricht in Sachen Bühnenpräsenz erhält. Das ist komisch, aber gleichzeitig sträuben sich einem bei diesem Kurs in Demagogie die Nackenhärchen. Wenn die Welt schon auf so einen Dilettanten hereinfällt...!?– Aber, wie eigentlich fast immer beim Euro-Studio, ist es nicht allein der Hauptdarsteller, der überzeugt. Das ganze Team spielte – mit klug verteilten Rollen – geschlossen auf.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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