Vier Windräder durchaus realistisch

Ausschuss forderte gestern Erweiterung der geplanten Vorrangzone »Lümke«

mir Hilchenbach. Die Windkraft-Interessengruppe um die Waldgenossenschaften Hofes, Heinze und Lichtschlager Wald sowie zwei Teilhaber des Littfelder Windrads »Ewiger Fuhrmann« können aufatmen: Teil 1 geschafft auf dem Weg zu einer Vorrangzone an der »Lümke« (Grenzgebiet zu Heinsberg). Der Stadtentwicklungsausschuss befürwortete gestern mit zehn Ja- gegen drei Nein-Stimmen die Ausweisung einer Vorrangzone an der »Lümke«. Heute im Rat dürfte das Ergebnis ebenfalls recht deutlich ausfallen, zwei der gestrigen Nein-Sager (Heilmann und Dr. Mahrenholz) gehören dem Gremium nicht an.

Ein zweiter Erfolg für die Windkraftbefürworter: Der Ausschuss billigte nicht nur eine Ausweitung der vorgeschlagenen Fläche von zunächst 25 Hektar, ja er forderte die Verwaltung geradezu auf, das Areal in nördlicher Richtung bis an die imaginäre Trasse der vielleicht einmal zu bauenden A 4 heranzurücken. Der tiefere Sinn dahinter: Es könnten vier statt drei Windkraftanlagen errichtet werden. Mithin wäre eine größere Wirtschaftlichkeit gegeben, zumal über 4 km Distanz bis zur nächsten Umspannstation zu überbrücken sind. Baudezernent Michael Kleber machte lediglich eine Einschränkung geltend: »100 Meter Abstand zur möglichen Trasse der A 4 sind zwingend vorgeschrieben.«

Die ins Visier genommene Vorrangzone beinhaltet Flächen in einer Höhe von knapp unter 600 Metern. Vorsorglich hat man die exponierten Höhen direkt an der Kreisgrenze herausgenommen. Grund: Der SI-Kreis hatte dies gefordert und nur für eine reduzierte Zone ein Ja bei der Änderung des Flächennutzungsplans in Aussicht gestellt.

Bemerkenswert: Auch der »Wimberg« an der Landstraße nach Brachthausen scheint aus Gutachtersicht als Vorrangzone geeignet. Drei Anlagen wären dort denkbar. Kleber: »Man könnte eine zweite Zone auch später einmal ausweisen.« Der Standort »Lümke« habe jedoch Vorteile. Im Gutachten an sich war die »Lümke« bei der Windintensität nur auf Rang drei eingestuft werden. Die höhere gelegenen Regionen »Klarstein« und »Riemen« rangierten auf den Plätzen davor.

Für Wirbel sorgte noch ein Aspekt: In den Unterlagen tauchte eine weitere Straßenführung auf, nördlich an Hilchenbach vorbei führend in Nähe der A 4-Linienführung. Was könnte das wohl bedeuten? Mehrere Ausschussmitglieder wunderten sich. Kleber wusste mehr: Es handele sich um einen nicht näher modifizierten Trassenvorschlag, der 2001 vom Landesbetrieb Straßen NRW in den Flächennutzungsplan eingefügt worden sei.

Und was hatten die einzelnen Ausschussmitglieder zur Windkraft zu sagen? Klaus Stötzel (SPD) war nur die »Lümke« als Vorrangzone zu wenig, mindestens auch der »Wimberg« müsse berücksichtigt werden: »Man sollte froh sein, dass die Waldgenossenschaft etwas unternehmen will.« Die Flächenreduzierung (auf Veranlassung des SI-Kreises) nannte er eine »Verhinderungsplanung«. Der Kindelsberg mit seinen zwei Türmen werde als Kreuztaler Wahrzeichen gerühmt, der »Ewige Fuhrmann« aber verschandele nach Ansicht der Windradgegner die Landschaft. Stötzel: »Das verstehe wer will.«

Sein Allenbacher Parteifreund Christoph Heilmann konterte mit ablehnenden Argumenten: Windräder führten zur »Verspargelung« der Landschaft, sie hätten umweltzerstörerische Wirkung. Am Rothaarsteig hätten solche Riesenanlagen nichts verloren. Und auch Olaf Ruth (SPD) sagte Nein: Der wirtschaftliche Nutzen sei nicht klar erkennbar. Seiner Ansicht nach sollte es die Stadt darauf ankommen lassen, notfalls Einzelanlagen genehmigen zu müssen.

Der große Rest des Ausschusses befürwortete die Vorrangzone »Lümke«. Etwa Christiane Natusch (Grüne): »Da will jemand Geld investieren. Und wir als Stadt haben auch noch etwas davon. Der gesamte Strombedarf Hilchenbachs könnte mit den Anlagen gedeckt werden. Geld verdienen ist nicht verwerflich.« Und Albert Kroll (CDU) mahnte: »Wenn wir Nein sagen, gibt es einen großen Bauernkrach. Es könnten dann andere herkommen und plötzlich am Wimberg bauen wollen. Die Zone an der Lümke dürfte ruhig etwas größer sein, damit dort fünf Anlagen gebaut werden können.« Auch Erhard Menn (CDU) stimmte zu, »wenn die A 4 nicht tangiert wird«.

Differenziert äußerte Dr. Hans Christhard Mahrenholz (FDP): Grundsätzlich äußerte er Vorbehalte, machte das auch mit seinem Abstimmungsverhalten deutlich. Aber: Um einer Einzelprivilegierung zu entgehen, sei es ratsam, eine Vorrangzone auszuweisen, fügte er hinzu.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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