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Kultureller Marktplatz Dahlbruch
Von wegen „No Limits“: Deckenhöhe hat Grenzen

Nach dem Abriss dieses Gebäuderiegels soll hier das "Haus der Alltagskultur" entstehen  - mit Sporthalle und Jugendtreff. Letzter wird aber niedriger ausfallen, als es sich seine Nutzer wünschen.
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  • Nach dem Abriss dieses Gebäuderiegels soll hier das "Haus der Alltagskultur" entstehen - mit Sporthalle und Jugendtreff. Letzter wird aber niedriger ausfallen, als es sich seine Nutzer wünschen.
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js Dahlbruch. Die Nutzer des Jugendtreffs „No Limits“ werden sich damit abfinden müssen, dass der Neubau des Kulturellen Markplatzes Dahlbruch (KMD) ihnen nicht die gewünschte Deckenhöhe bescheren kann. Das Aufstellen einer wirklich herausragenden Bühne wird damit nicht möglich sein. An dieser Erkenntnis ließ sich am Mittwoch im Bauausschuss nichts rütteln. Die Kröte muss geschluckt werden. Die Hilchenbacher Stadtverwaltung hatte in der Vor-Ort-Sondersitzung des Gremiums Anfang November eine Aufgabe mitbekommen ins Rathaus. Sie sollte die...

js Dahlbruch. Die Nutzer des Jugendtreffs „No Limits“ werden sich damit abfinden müssen, dass der Neubau des Kulturellen Markplatzes Dahlbruch (KMD) ihnen nicht die gewünschte Deckenhöhe bescheren kann. Das Aufstellen einer wirklich herausragenden Bühne wird damit nicht möglich sein. An dieser Erkenntnis ließ sich am Mittwoch im Bauausschuss nichts rütteln. Die Kröte muss geschluckt werden. Die Hilchenbacher Stadtverwaltung hatte in der Vor-Ort-Sondersitzung des Gremiums Anfang November eine Aufgabe mitbekommen ins Rathaus. Sie sollte die Möglichkeit prüfen, ob es trotz der weit vorangetriebenen Planung des KMD noch drin sein könnte, dem Jugendcafé im Untergeschoss des künftigen „Hauses der Alltagskultur“ durch eine tiefer gesetzte Ebene mehr Luft und Spielraum zu bieten – ohne die Baugenehmigung zu verwirken. Zum jetzigen Zeitpunkt, so verdeutlichte Baudezernent Michael Kleber , gebe es keine Möglichkeit, den Wünschen zu entsprechen, ohne nicht zumindest den Zeitplan, vielleicht aber auch das komplette Projekt zu gefährden.

Jugendcafé tiefer legen kein Kinderspiel

Konkret hatten die Jugendlichen bemängelt, dass ihr neuer Treff eine Deckenhöhe von nur 2,70 Meter bekommen soll. Sie hatten daher eine Alternative erarbeitet, die einen Teil des Hauptraums um 60 Zentimeter tiefer gelegt hätte, sodass die Installation einer Bühne machbar würde. Die höheren Bereiche sollten nach den Plänen der Jugendtreffnutzer per Treppe und (Rollstuhl-)Rampe angebunden werden. Dies sei aber nicht möglich, meinte Kleber. Bei einer Steigung von 6 Prozent (DIN-gerecht) müsste diese Rampe 14,50 Meter lang sein. So viel Platz gebe es nicht. Auch die von der Jugend vorgeschlagene 10-Prozent-Steigung sei keine Alternative, sie sei nicht normgerecht – zudem würde auch sie länger ausfallen, als es der Raum zulasse. Zusätzlich zu bedenken sei der mit der Zwei-Ebenen-Variante verknüpfte Bedarf an einem weiteren barrierefreien WC, Umplanungen bei der Raumlufttechnik und – last but not least – die vorliegende Baugenehmigung.

Diese liege seit dem 30. Oktober vor und mache es möglich, dass derzeit die Ausschreibungen für das Bauprojekt in Arbeit seien. Der Abbruchantrag sei erstellt und werde in den kommenden Tagen der Bauaufsicht vorlegt, im ersten Quartal des neuen Jahres solle es losgehen. Jetzt noch etwas zu ändern, sei ausgesprochen riskant. Kleber wies in diesem Zusammenhang eindeutig eine vom Jugendforum eingeholte Aussage der Architektenkammer zurück, die derartige Änderungen als unproblematisch bezeichnet habe. Nachträge, so habe man der Jugend gesagt, seien zu jedem Zeitpunkt möglich und „wären nur mit Verwaltungsaufwand“ verbunden. Das sei nicht der Fall, betonte der Baudezernent. Architekt und Fachplaner müssten dann noch einmal ran. Vor allem aber: Die Baugenehmigung müsste neu beantragt werden. „So lange würden wir in Verzug kommen!“

Ob es nicht sinnvoll gewesen wäre, ganz am Anfang die Jugend mit ins Boot zu holen, wollte Barbara Roth (SPD) wissen. Es habe stets Nutzertreffen gegeben, eine Beteiligung habe immer stattgefunden, entgegnete Michael Kleber. Dieter Dräger von der Linkspartei sprach sich dafür aus, der Jugend zu geben, was sie sich wünsche. Nach all den Verzögerungen, die das Projekt schon erlebt habe, komme es auf eine weitere nicht an. „Wir sollten nicht auf die Tube drücken und dafür in Kauf nehmen, dass für die Jugend dann alles im Eimer ist.“ Arne Buch (CDU) winkte ab. Seit 2011 plane die Stadt an diesem Projekt. „Die Planungen sind nicht vom Himmel gefallen, sondern gewachsen.“ Der KMD mache Kompromisse nötig. „Der TuS Dahlbruch hat auch große Zugeständnisse gemacht.“ Zur Erklärung: Dessen Sportler müssen während der Bauphase ausweichen, bis zum Jahresende müssen sie die Turnhalle verlassen. Die Links-Fraktion wolle das Projekt ja am liebsten ganz beerdigen, meinte Arne Buch. „Auf keinen Fall“, wehrte Dräger ab. „Noch sind Änderungen möglich, wenn auch schwer.“

Lukas Debus (SPD) fand die Diskussion um die Deckenhöhe in Relation zu dem 10-Mill.-Euro-Gesamtvolumen des Projekts irrelevant. „Wir können doch froh sein, jetzt endlich eine Baugenehmigung zu haben.“ Und statt die Sektkorken knallen zu lassen, rede man das Ganze jetzt schlecht. Riskante Planänderungen seien nun nicht mehr zu verantworten. „Auch wenn es mir persönlich leid tut.“

Leider baue die Stadt ja nicht neu auf der grünen Wiese, hob Ausschussvorsitzender André Jung (CDU) die Herausforderungen des „Mammutprojekts“ hervor. Niemand wolle sich gegen die Jugend stellen.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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