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17 neue Windräder sollen sich im Rothaargebirge drehen
Wald trifft Windkraft

Auf den Höhen des Siegerlandes trifft Wald auf Wind. Und wenn es nach den Verfechtern eines massiven Windkraftausbaus geht, wird hier Strom gewonnen, wie hier auf der Lümke in Hilchenbach.
  • Auf den Höhen des Siegerlandes trifft Wald auf Wind. Und wenn es nach den Verfechtern eines massiven Windkraftausbaus geht, wird hier Strom gewonnen, wie hier auf der Lümke in Hilchenbach.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

ihm Hilchenbach/Kirchhundem. Beim Ziel sind sich Naturschützer und Windkraft-Unternehmer einig: Beide wollen den Klimaschutz und die Energiewende voranbringen. Beim Weg dahin aber klaffen Gräben zwischen den Befürwortern von Windkraft im Wald und den Naturschützern. Am Beispiel des 17 Anlagen umfassenden Windparks „Rothaarwind II“, der auf den waldigen Höhen im Grenzbereich zwischen Hilchenbach und Kirchhundem geplant ist, kann man die Kampflinien verfolgen. Zusammen mit den fünf vorhandenen Anlagen „Rothaarwind I“ in Hilchenbach käme man auf 22 Windräder.

Günter Pulte, Bohrer dicker Bretter in Sachen Windkraft, räumt ein, dass seine etwa 200 Meter hohen Windräder eine Beeinträchtigung der Natur bedeuten: „Ganz umsonst kriegen Sie nichts.

ihm Hilchenbach/Kirchhundem. Beim Ziel sind sich Naturschützer und Windkraft-Unternehmer einig: Beide wollen den Klimaschutz und die Energiewende voranbringen. Beim Weg dahin aber klaffen Gräben zwischen den Befürwortern von Windkraft im Wald und den Naturschützern. Am Beispiel des 17 Anlagen umfassenden Windparks „Rothaarwind II“, der auf den waldigen Höhen im Grenzbereich zwischen Hilchenbach und Kirchhundem geplant ist, kann man die Kampflinien verfolgen. Zusammen mit den fünf vorhandenen Anlagen „Rothaarwind I“ in Hilchenbach käme man auf 22 Windräder.

Günter Pulte, Bohrer dicker Bretter in Sachen Windkraft, räumt ein, dass seine etwa 200 Meter hohen Windräder eine Beeinträchtigung der Natur bedeuten: „Ganz umsonst kriegen Sie nichts.“ Vier Jahre lang aber habe man das Gebiet unter die Lupe genommen, fast 20 Gutachten erstellt, den Artenschutz so intensiv untersucht wie bei kaum einen anderen Windpark: „Wir sind davon überzeugt davon, dass die Windräder sehr gut mit dem Naturschutz vereinbar sind.“

45 Dezibel keinen Lärm

Da hat Michael Düben, der für die Naturschutzverbände die fachliche Stellungnahme zum Windpark an den Kreis Olpe geschrieben hat, eine andere Sicht. Zum Beispiel beim Schall: „Die Windräder verursachen Geräusche im Bereich von 40 bis 45 Dezibel. Und zwar dort, wo sonst Stille herrscht. Mitten im Wald.“ Günter Pulte: „Es gibt diese Geräuschentwicklung, und zwar bei mittlerer Windintensität.“ Bei schwachem Wind entstünden kaum wahrnehmbare Geräusch durch die Rotorblätter. Bei heftigem Wind sei das Rauschen der Bäume so laut, dass die Windräder als Lärmquelle gar nicht ins Gewicht fielen. Ohnehin bedeuteten 45 Dezibel keinen Lärm. In Lärmtabellen ist diese Lautstärke typisch für eine „ruhige Wohnung“.

Nachreichen musste Günter Pulte die Beurteilung der Schwarzstorchgefährdung. Auf Hilchenbacher Stadtgebiet nämlich wurde ein Schwarzstorchhorst entdeckt. Wohin fliegen die streng geschützten Tiere. wenn sie auf Nahrungssuche gehen? Wie groß muss die Schutzzone um den Horst sein? Pulte hat seine Antworten auf diese Fragen beim Kreis Olpe eingereicht. Ob der Kreis damit zufrieden ist, weiß er noch nicht.

Fledermausvorkommen zu wenig untersucht

Nicht ausreichend untersucht ist nach Ansicht von Michael Düben das Fledermausvorkommen im künftigen Windpark. Nur je ein „Batcorder“ (ein Gerät, das die Ultraschallwellen aufzeichnet, die die Fledermäuse aussenden) sei im Kirchhundemer bzw. Hilchenbacher Gebiet aufgestellt worden, später dann noch einmal sieben – aber nur wenige Tage lang. „Sehr viele solcher Batcorder haben wir aufgestellt“, kontert Pulte. Insgesamt fast 11 000 Hektar (mehr als der eigentliche Windpark) seien begutachtet worden.

Meldung am Rande: Bei einer nächtlichen Begehung habe ein Kartierer außerhalb des Plangebiets zwischen Hilchenbach und Erndtebrück sogar einen Wolf gesehen, berichtet Pulte. Leider gibt es von dieser spektakulären Sichtung kein Foto.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sieht vielfach Probleme bei Windkraft im Wald. Im Fall Rothaarwind geht es um das „größte unzerschnittene verkehrsarme Gebiet“ in Nordrhein-Westfalen, das zu 85 Prozent von Wald bedeckt ist (uzvr.naturschutzinformationen.nrw.de). Solche Gebiete sollten nach Ansicht des Nabu von Windkraft frei bleiben. Die Anlagen seien menschengemacht und beeinträchtigten den natürlichen Charakter dieses außergewöhnlichen Gebiets.

Kein Eingreifen in Buchen- und Mischwälder

Günter Pulte argumentiert, dass seine Windräder zum einen am Rand des des 300 Quadratkilometer großen unzerschnittenen Gebiets lägen, zum anderen greife man keineswegs in wertvolle Buchen- und Mischwälder, sondern in reine Fichtenmonokulturen ein. Ob angesichts der Käferplage die Windräder überhaupt noch im Wald stehen werden, wenn sie denn fertigstellt sind, ist ohnehin die Frage.

Wie geht es nun weiter mit dem Rothaarwind? Während die Stadt Hilchenbach ihr Einvernehmen mit dem Vorhaben (sieben Windräder) erklärt hat, hat die Gemeinde Kirchhundem dieses Einvernehmen für die zehn Anlagen auf ihrer Seite verweigert. Der Bauantrag für die Kirchhundemer Anlagen liegt beim Kreis Olpe, der noch nicht darüber entschieden hat. Der Bauantrag beim Kreis Siegen-Wittgenstein ist noch gar eingereicht, es gibt allerdings weinen positiven Vorbescheid. Pulte: „Wir werden bis zum März den Bauantrag stellen.“

Falls er die Baugenehmigungen bekommt, will Pulte mit der Vermarktung der Anteile für das als „Bürgerwindpark“ konzipierte Projekt beginnen. „Ob wir das, wie auf der Lümke in Hilchenbach, als Kommanditgesellschaft machen oder als Genossenschaft, ist noch nicht entschieden.“

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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