Zwei Menschen und zwei Pferde auf Schusters Rappen
Wandergruppe auf zwölf Beinen

So sieht es aus, wenn Nina und Ulli Bange mit "Fiona" und "Esel" auf Wanderschaft gehen.
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  • So sieht es aus, wenn Nina und Ulli Bange mit "Fiona" und "Esel" auf Wanderschaft gehen.
  • Foto: Bange
  • hochgeladen von Jan Schäfer (Redakteur)

js Hilchenbach/Netphen. Einfach mal machen: Diesen Ratschlag haben Nina und Ulli Bange schon das eine oder andere Mal fallen lassen am Wegesrand ihrer Sommerreise. Nicht in die schottischen Highlands hat es die beiden Wanderbegeisterten diesmal verschlagen, auch die noch ausstehenden Etappen des Appalachian Trail in den USA müssen sich sich irgendwann später vornehmen. Jetzt geht es erst einmal auf Familienbesuch, und das mit sehr überschaubarem CO2-Abdruck. Aus dem kleinen Dörfchen Pohl im Taunus wandern die Banges nach Bad Sassendorf, in die Heimat von Ulli. Immer mit dabei: ihre beiden Pferde, die Noriker Kaltblüter „Esel“ und „Fiona“.

250 Kilometer Strecke

Rund 250 Kilometer dürfte am Ende bei dem Weg zusammenkommen, den Nina Bange im Vorfeld ausgearbeitet hat. Nicht die direkte Strecke kommt in Frage, vielmehr ging es den Pferdebegeisterten darum, schöne Routen für sich und ihre behuften Begleiter zu finden – möglichst ohne Asphalt – und die entsprechenden Übernachtungsmöglichkeiten anzusteuern. Tagesetappen von 20, 25, zur Not auch mal 30 Kilometern führen von aus dem hessischen Mittelgebirge ins Flachland der Soester Börde.

Schöner Freizeitausgleich

Nina Bange (30) ist seit ihrer Kindheit fest mit dem Sattel verwachsen, ihr Mann Ulli (32) kam erst vor einigen Jahren aufs Pferd – und möchte es nun nicht mehr missen. Gemeinsam haben sie sich in Ninas Heimatregion den Traum von einem kleinen Hof auf dem Land erfüllt, auf dem sie mit ihren Pferden zusammenleben – ein herrlicher Freizeitausgleich für das Berufsleben als Chemielaborant an der Uni Koblenz bzw. als Werkstoffprüferin in der Industrie.

Robuste Zugpferde

Ihre robusten Kaltblüter sind es gewohnt, Lasten zu tragen – beim Holzrücken und bei Kutschfahrten etwa. Pferdedame „Esel“ ist zudem ehrenamtlich aktiv, gemeinsam mit Nina Bange leistet sie als Sanitätspferd wertvolle Dienste. Eine solche Wanderung ist daher ein Klacks für die beiden Pferde – zumal sie nicht ihre beiden menschlichen Begleiter tragen müssen, sondern lediglich deren Gepäck. Nina und Ulli Bange laufen lieber selbst, schließlich sind die begeisterte Wanderer.

Unterkunft im Hof Brachbach

Etwa alle zwei Stunden legt das Quartett eine Pause ein, damit sich die Zweibeiner ausruhen und die Vierbeiner ein wenig grasen können. Dann geht es gemütlich weiter, immer weiter bis zum nächsten Etappenziel. Neun Stunden am Tag etwa sind sie unterwegs. Bei Reitvereinen kommen die Banges unter, oder bei Pferde- und Bauernhöfen entlang der Route. Auf der Hälfte des Weges kreuzten die Pferdewanderer jetzt das Siegerland. Am Mittwochabend kehrten sie in Netphen ein, auf dem nach schwerem Brand wiedererrichteten Hof Brachbach von Familie Spies. Herzlich sei der Empfang dort gewesen, lobten die Banges. „Toll, wie schön der Hof wieder aufgebaut wurde!“

Oberndorfer Köhlerhütte

Von dort aus zogen sie weiter gen Norden, nach einer Rast auf der Ginsberger Heide ging es hinab ins obere Ferndorftal. Isolde und Rolf Ganseuer hatten den beiden Reisenden ihre Pferdeboxen auf dem Oberndorfer Töpferhof zur Verfügung gestellt; die eigenen beiden Tiere weiden derzeit draußen. Den Eheleuten Bange, die autark unterwegs sind mit eigenem Proviant, mit Zelt, Isomatten und Schlafsäcken, hätte ein kleines ebenes Stück Wiese ausgereicht. Sie aber entschieden sich für eine ganz besondere Unterkunft – die Köhlerhütte, die Isolde Ganseuer beim Festwochenende zu 700-Jährigen Helberhausens ersteigert hatte und die nun einen festen Platz in ihrem Gartenidyll gefunden hat.

Am Rothaarsteig gebe es nur wenige Möglichkeiten, mit Pferden unterzukommen, wissen die Ganseuers. Daher bieten sie ihre Unterstellboxen über das Web-Portal „Country-Reiten“ an. Nicht kommerziell sei ihr Angebot, ein Übernachtungspreis wird nicht vorgegeben, Pensionsbetten gibt’s im Haus ohnehin nicht. Mit inbegriffen ist in jedem Fall der gesellige Austausch mit den pferde- und hundebegeisterten Hausherren.

Quer durchs Sauerland

Am Freitag war ein Frühstart angesagt. Spätestens um 8 Uhr sollte es losgehen auf die längste Etappe bis ins 30,5 Kilometer entferne Arpe bei Schmallenberg. Übernachtet werden soll zudem in Wennetal, in Arnsberg und am Möhnesee. In der kommenden Woche möchten die Banges am Ziel ankommen, wo sie für einige Tage die müden Beine hochlegen können. Auf die beiden Pferde wartet die Weide eines Bauern. Die Rückreise wird deutlich schneller gehen, Ninas Bruder holt die vier mit Auto und Pferdeanhänger ab. „Wir wären auch gern zurückgewandert“, sagen die Banges. „Dafür reichte unser Urlaub aber nicht.“

Neue Ziele gesetzt

Die Zwischenbilanz für diese Art des Urlaubs fällt ausgesprochen positiv aus für die beiden. Die meisten Begegnungen seien positiver Natur, nur hin und wieder nervten ein paar drängelnde Autofahrer. Die Bindung zu den Pferden werde intensiver durch diese Erfahrung, das sei zu spüren. Und immer wieder würden sie auf ihren Stationen beneidet. „Das wollte ich auch schon immer mal machen“, hätten sie schon von vielen Pferdebesitzern gehört. Die Banges haben Nägel mit Köpfen gemacht und es probiert – jetzt möchten sie dranbleiben. Nicht jeder Urlaub solle künftig so gestaltet werden, vielleicht aber direkt der nächste wieder. „Dann möchten wir gerne die Alpen überqueren.“ Gute Idee? Einfach mal machen!

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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