Was wirklich gilt

Der Künstler Rolf Stein (r.), der Pfarrer Rüdiger Schnurr und die zehn Gebote – bis zum 3. Oktober befassen sich Kunst und Predigten mit den göttlichen Richtlinien für ein gelingendes Zusammenleben von Mensch und Mensch. Foto: ciu
  • Der Künstler Rolf Stein (r.), der Pfarrer Rüdiger Schnurr und die zehn Gebote – bis zum 3. Oktober befassen sich Kunst und Predigten mit den göttlichen Richtlinien für ein gelingendes Zusammenleben von Mensch und Mensch. Foto: ciu
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ciu Hilchenbach. Das ist nicht zu fassen. Diese Gier, diese Lust, diese Bosheit. Der Mensch greift um sich. Ich-bezogen, rücksichtslos, gnadenlos. Sein Blick ist starr, sein Kopf voll von dem, was er will, und das ist vor allem das: Haben. Macht und Geld und Recht. Giftig grün ist sein Auge, und das Rot, das sein Hirn durchdringt, ist mehr die Farbe von Mord und Totschlag als die der Liebe. Der Mensch ist des Menschen Feind.

Und Gott? Spricht. Zehn Worte, die menschliches Miteinander befrieden wollen: die zehn Gebote, die, wie es der Hilchenbacher Pfarrer Rüdiger Schnurr formuliert, „ein Leben in Freiheit sichern helfen“, die sagen, was das Leben wert macht, was Leben wert ist, was letztlich Wert hat. Darüber wollen er und seine Kollegen vom 8. August bis 3. Oktober sonntags in der ev. Kirche predigen – und dabei Bezug nehmen auf die Bilder zu den zehn Geboten, die der Allenbacher Künstler Rolf Stein 1983 geschaffen hat und die ab morgen (und bis zum Erntedankfest) in dem Gotteshaus zu sehen sind.

Damals, erzählt er, habe er einen „sehr aktiven Hauskreis“ besucht, in dem eine Zeitlang auch über die zehn Gebote diskutiert worden sei. „Das hat mich damals sehr gefangengenommen. Ich habe mir dann meine Gedanken dazu gemacht, wie ich diese zehn Gebote bildlich darstellen kann.“

Etwa das „Du sollst den Sabbat heiligen“. Stein zeigt einen Menschen, der in sich ruht, bei sich ist und zugleich bei Gott. Da ist nichts um ihn herum, das ihn ablenkt, zerstreut, stört oder beglückt. Ein Mensch im göttlichen Licht. Oder „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“: Hier zeigt Rolf Stein das pure Vergnügen an der üblen Nachrede in einer Szene, die den Menschen in seinem niederträchtigen Tun bloßstellt.

Eindrucksvoll sind diese farbintensiven Mischtechnik-Bilder, sie fragen an, lassen den Betrachter nicht „einfach so“ vorübergehen; sie packen, verstören und haben auch etwas Tröstliches. Denn in der Darstellung dessen, was nicht sein soll, findet sich – zumal im gesamten Zyklus gesehen – stets auch das, was sein kann: Gnade, Hoffnung, Neubeginn, „die Herrlichkeit der Schöpfung“, wie Rolf Stein sagt. Sichtbar wird das vor allem in dem künstlerischen Rahmen, in dem die zehn Gebote in Hilchenbach präsentiert werden: Am Anfang steht Mose, der die Gesetzestafeln gerade empfangen hat, am Ende steht eine Kirche, die Menschen – es ist Sonntag – willkommen heißt.Solches schlägt einen Bogen vom Alten zum Neuen Testament. Rüdiger Schnurr: „Wenn etwas verbindet zwischen Judentum und Christentum, dann sind es die Gebote, die Gott gibt.“ Der Pfarrer hat festgestellt, dass die Menschen wieder stärker nach dem fragen, was tatsächlich gilt. Die zehn Gebote erlebten eine Renaissance, seien gefragt.Eine Beobachtung, die gestützt wird von dem regen Interesse an Rolf Steins Zehn-Gebote-Zyklus. Zur Passionszeit waren die Arbeiten in der Kirche des Geistlichen Rüstzentrums Krelingen zu sehen; nach der Hilchenbacher Ausstellung gehen sie nach Bad Pyrmont, wo der Künstler einen zweiten Lebensmittelpunkt hat.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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