SZ

Fast 1600 Rebstöcke in der Oberen Dirlenbach
Wein- statt Hauberg

So sah der Weinberg im vergangenen Herbst aus. Die jungen Rebstöcke haben sich 2020 prächtig entwickelt, obwohl ein später Frost ihnen im Mai ordentlich zugesetzt hat. Die Eisheiligen sind keine Weinfreunde.
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  • So sah der Weinberg im vergangenen Herbst aus. Die jungen Rebstöcke haben sich 2020 prächtig entwickelt, obwohl ein später Frost ihnen im Mai ordentlich zugesetzt hat. Die Eisheiligen sind keine Weinfreunde.
  • Foto: Lagano
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ihm Herzhausen. Wein im Siegerland? Klar, das kennt man vom Silberfuchs am Siegener Giersberg. Jedes Jahr erntet der Weinkonvent hier einen guten Tropfen von 200 Pflanzen. Aber was sich jetzt oberhalb von Herzhausen anbahnt, hat andere Dimensionen: Fast 1600 Rebstöcke stehen hier auf einer sonnigen Wiese. 550 Pflanzen der Rotwein-Sorte Cabernet Jura und gut 1000 Rebstöcke der Sorte Calardis Blanc für Weißwein. Die gemeinnützige Lagano-GmbH betreibt den Weinberg – nicht in erster Linie wegen der erhofften Ernte, sondern als soziales Projekt für Jugendliche.

Alexander Reichenau berichtet zusammen mit Kollegen und Jugendlichen an diesem sonnigen Morgen der SZ im Weinberg von dem Projekt. Reichenau ist 2.

ihm Herzhausen. Wein im Siegerland? Klar, das kennt man vom Silberfuchs am Siegener Giersberg. Jedes Jahr erntet der Weinkonvent hier einen guten Tropfen von 200 Pflanzen. Aber was sich jetzt oberhalb von Herzhausen anbahnt, hat andere Dimensionen: Fast 1600 Rebstöcke stehen hier auf einer sonnigen Wiese. 550 Pflanzen der Rotwein-Sorte Cabernet Jura und gut 1000 Rebstöcke der Sorte Calardis Blanc für Weißwein. Die gemeinnützige Lagano-GmbH betreibt den Weinberg – nicht in erster Linie wegen der erhofften Ernte, sondern als soziales Projekt für Jugendliche.

Alexander Reichenau berichtet zusammen mit Kollegen und Jugendlichen an diesem sonnigen Morgen der SZ im Weinberg von dem Projekt. Reichenau ist 2. Vorsitzender des Vereins ISAF (Interkulturelle soziale Arbeit und Forschung), der sich um Kinder und Jugendliche kümmert, die nicht in ihren Herkunftsfamilien leben können. Vier Wohngruppen mit je neun Kindern und Jugendlichen betreibt ISAF in Hilchenbach. Dazu kommen „betreute Trainingswohnungen“ für sieben junge Leute. Sie kommen übrigens nicht aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein, sondern werden von anderen Jugendämtern aus dem ganzen Bundesgebiet vermittelt.

Ausbildungsperspektive für Jugendliche

2009 hat der Verein die Lagano-gGmbH gegründet, um den Jugendlichen nach der Schule eine Ausbildungsperspektive zu eröffnen. Bürokaufleute, Garten- und Landschaftsbauer und Küchenkräfte können bei Lagano eine Ausbildung machen. Dabei hat die sozialpädagogische Begleitung einen hohen Stellenwert, denn viele der Jugendlichen haben emotional-soziale Handicaps. Christian Schipplock ist der pädagogische Leiter bei ISAF und weiß, dass die Jungen und Mädchen viel Zuwendung und Hilfe brauchen, um eine Ausbildung zu schaffen. In einem „normalen“ Wirtschaftsbetrieb ist das oft kaum zu schaffen.

Die Idee für den eigenen Weinberg im Siegerland wurde geboren, weil Ausbilder Michael Imkamp, Gärtnermeister von Beruf, einen jungen Mann betreute, der beim Weingut Zwick in Hammerstein am Rhein seine Ausbildung absolvierte. Offenbar stimmte die Chemie zwischen Elmar Zwick und Michael Imkamp, denn der Winzer vom Rhein ist nun sozusagen Pate für die angehenden Siegerländer Weinbauern. „Er hat sich bereit erklärt, unsere Ernte zu verarbeiten und unseren Wein auszubauen. Das können wir nicht – jedenfalls noch nicht“, sagt Michael Imkamp.

Von Natur aus Optimist

Der Mann ist offenbar von Natur aus Optimist. Dass aus den blattlosen Stöckchen, die sich da Reihe für Reihe aus der Erde recken, einmal dichtbelaubte und mit üppigen Trauben besetzte Rebstöcke werden, daran hat er keinen Zweifel. „Die wachsen sehr schnell, das wird auf jeden Fall was!“ Und schon knipst er den nächsten Trieb ab. „Stockerziehung“ heißt das Stichwort. Denn einfach so wachsen lassen darf man den Wein nicht, sonst wird es nichts mit der Ernte.

Der junge Wein braucht Erziehung – Michael Imkamp setzt beherzt die Schere an. Alexander Reichenau, Annalena Rau und Christian Schipplock (v. l.) sind froh, dass der Gärtnermeister weiß, wie es geht.
  • Der junge Wein braucht Erziehung – Michael Imkamp setzt beherzt die Schere an. Alexander Reichenau, Annalena Rau und Christian Schipplock (v. l.) sind froh, dass der Gärtnermeister weiß, wie es geht.
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Was machen die Jugendlichen im Weinberg? Bei den Weißwein-Reben müssen sie heute noch Drähte spannen, an denen sich die Triebe entlangranken werden. Bald wird es losgehen mit dem Mähen und mit dem allseits unbeliebten Unkrautjäten. Mehr Spaß wird das Pflanzen von Bienenweiden am Zaun machen, denn Hilfe beim Bestäuben können die Gärtner immer gebrauchen. Apropos Zaun: Zwei Meter hoch ist er und soll das Rehwild und später auch die Wildschweine abhalten. Ob es klappt? „Wir hoffen es“, sagt Imkamp und blickt ein wenig sorgenvoll auf die Wühlmausspuren zwischen den Rebzeilen. Denn Wühlmäuse mögen Weinwurzeln.

Boden in Oberer Dirlenbach ideal für Rebstöcke

Die Jung-Winzer von Herzhausen denken groß. „Wir suchen noch weitere Flächen, wir wollen noch mehr Wein anbauen. Aber es ist unheimlich schwierig, im Siegerland an Flächen zu kommen“, bedauert Michael Imkamp. Könnte man nicht abgeholzte Borkenkäferflächen nutzen? Im Prinzip schon, meint der Gärtner, aber der Boden, auf dem jahrzehntelang Fichten gestanden haben, sei vermutlich zu sauer.
Der Boden in der Oberen Dirlenbach dagegen ist ideal für die Rebstöcke. Der Winzer vom Rhein war jedenfalls begeistert: „Hier werden die Stöcke super wachsen!“ Welche Geschmacksnote die Trauben haben werden, wie viel Öchsle man erreichen kann – alles noch eine große Wundertüte. Spannend für die Jugendlichen und für die Betreuer.

Entspannt sieht Alexander Reichenau dagegen der Vermarktung entgegen: „Das wird gar kein Problem. Wir haben schon so viele Anfragen von Firmen im ganzen Siegerland, die unseren Wein ihren Geschäftspartnern zu Weihnachten schenken wollen, da machen wir uns gar keine Sorgen.“

Rebpate werden Über den Weinberg und die Arbeit von Lagano informiert die Internetseite sozialwein.de. Dort kann man auch erfahren, wie man Rebpate wird. Ein Pate „adoptiert“ einen Rebstock für drei Jahre und zahlt dafür 99 Euro. Man bekommt eine Urkunde und sichert die sorgfältige Pflege des Rebstocks. Bei ganzen Zeilen gibt es sogar ein hölzernes Namensschild des Sponsors im Weinberg.
So sah der Weinberg im vergangenen Herbst aus. Die jungen Rebstöcke haben sich 2020 prächtig entwickelt, obwohl ein später Frost ihnen im Mai ordentlich zugesetzt hat. Die Eisheiligen sind keine Weinfreunde.
Der junge Wein braucht Erziehung – Michael Imkamp setzt beherzt die Schere an. Alexander Reichenau, Annalena Rau und Christian Schipplock (v. l.) sind froh, dass der Gärtnermeister weiß, wie es geht.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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