Wie aus einem Guss

Kultivierten Ensembleklang ließen das Leipziger Streichquartett – Stefan Arzberger (1. Violine), Tilman Büning (2. Violine), Ivo Bauer (Viola), Matthias Moosdorf (Cello) – und Gastcellist Peter Bruns (r.) in Dahlbruch hören.  Foto: aww
  • Kultivierten Ensembleklang ließen das Leipziger Streichquartett – Stefan Arzberger (1. Violine), Tilman Büning (2. Violine), Ivo Bauer (Viola), Matthias Moosdorf (Cello) – und Gastcellist Peter Bruns (r.) in Dahlbruch hören. Foto: aww
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aww Dahlbruch. Wenn etwas wie aus einem Guss klingt, dann ist das ein Glücksfall – für die Musiker wie fürs Publikum. Das, was das Leipziger Streichquartett und Gastcellist Peter Bruns am Dienstagabend auf die Bühne des Dahlbrucher Gebrüder-Busch-Theaters brachten, war ein Glücksfall! Solch ausgereiften, kultivierten Ensembleklang hört man nicht alle Tage.

Schuberts C-Dur-Quintett für zwei Geigen, eine Bratsche und zwei Celli (D 956 op. post. 163), gestaltet von Stefan Arzberger (1. Violine), Tilman Büning (2. Violine), Ivo Bauer (Viola), Matthias Moosdorf und Peter Bruns (beide Cello) – das war extraordinär. Ein traumhaftes, ein ergreifendes Musikerlebnis. Die Künstler waren klanglich stets eng und exakt beieinander, ließen die Musik herrlich fließen, Töne subtil an- und abschwellen, die Stimmen verschmelzen, dabei im Gesamtbild differenziert und transparent bleibend. Das Gemeinschaftliche stand deutlich im Vordergrund, selbst die recht virtuosen Momente der ersten Geige im Finalsatz ließen nicht den Einzelnen brillierend in den Vordergrund treten, sondern dienten, sich unterordnend, dem Ganzen.

Die pure Kraft eines Streichquintetts kontrastierten die Musiker im dritten Satz (Scherzo. Presto – Trio. Andante sostenuto) effektvoll mit einem wunderbar „hingehauchten“ ruhigen Mittelteil, Letzterer ebenso eine eindrucksvolle Demonstration der klanglichen Formvollendung des Ensembles wie etwa der zarte Dialog des gezupften Cellos und der meist gestrichenen Geige im Adagio. Musik zum Wohlfühlen und Genießen.

Mit einem spannenden Stück Musik von Leo Janáek hatte das Leipziger Streichquartett, Busch-Preisträger des Jahres 1991, zuvor den Abend eröffnet. Das „Intime Briefe“ betitelte zweite Streichquartett des Tschechen in seiner etwas moderneren Tonsprache war ein schönes Kontrastprogramm zu Schubert und ein, wenn auch etwas ungewöhnlicher, so doch wirkungsvoller, packender Einstieg ins Konzert. Die expressive Musik wirkt szenisch-erzählerisch, Stimmungen wechseln sehr schnell zwischen schmachtend-sehnsuchtsvoll und hektisch-wild, schroffe Dissonanzen und schöne Kantilenen ergänzen sich zu einer farbenfrohen Komposition. Die vier Musiker, allen voran erster Geiger Stefan Arzberger, glänzten mit feiner Tongebung und äußerst sauberem Zusammenspiel.

Im Anschluss an das Schubert-Quintett wollte das Publikum gar nicht aufhören zu klatschen, die Musiker mussten mehrfach auf die Bühne zurückkehren. Die Zuhörerinnen und Zuhörer wünschten sich ganz eindeutig eine Verlängerung im 114. Konzert der Reihe „Meisterliche Kammermusik“, mit dem dem Gebrüder-Busch-Kreis wieder einmal ein Volltreffer gelungen war. Allein, eine Zugabe gab’s nicht.

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