SZ

Bürger der Gemeinde Kirchhundem besorgt
Windkraft-Planungen in geordnete Bahnen lenken

Seit 2007 sehen die Heinsberger bereits auf die Mühlen von Rothaarwind I – die Pläne für einen weiteren Bürgerwindpark in ihren Wäldern sorgen für Kritik.
2Bilder
  • Seit 2007 sehen die Heinsberger bereits auf die Mühlen von Rothaarwind I – die Pläne für einen weiteren Bürgerwindpark in ihren Wäldern sorgen für Kritik.
  • Foto: js
  • hochgeladen von Praktikant Online

js Heinsberg/Hilchenbach. Die Mühlen der Bürokratie mahlen in unterschiedlichem Tempo. Das zeigt sich an den Planungen des Projekts „Rothaarwind II“, die bereits seit einem Jahrzehnt laufen und in den betroffenen Kreisen und Kommunen nicht gerade im Gleichschritt begleitet werden. Während die Stadt Hilchenbach dem interkommunalen Bürgerwindpark in den Wäldern zwischen Lützel und Heinsberg bereits mit breiter politischer Mehrheit beiseite stand, muss die Gemeinde Kirchhundem dieser Tage noch einiges an Lenkungsarbeit leisten. Im Februar wird der Rat sich mit der Ausweisung von Vorrangzonen für Windkraft im Gemeindegebiet beschäftigen.
Man sollte gerade den Wald als natürlichen CO2- und Trinkwasserspeicher nicht zubetonieren.

js Heinsberg/Hilchenbach. Die Mühlen der Bürokratie mahlen in unterschiedlichem Tempo. Das zeigt sich an den Planungen des Projekts „Rothaarwind II“, die bereits seit einem Jahrzehnt laufen und in den betroffenen Kreisen und Kommunen nicht gerade im Gleichschritt begleitet werden. Während die Stadt Hilchenbach dem interkommunalen Bürgerwindpark in den Wäldern zwischen Lützel und Heinsberg bereits mit breiter politischer Mehrheit beiseite stand, muss die Gemeinde Kirchhundem dieser Tage noch einiges an Lenkungsarbeit leisten. Im Februar wird der Rat sich mit der Ausweisung von Vorrangzonen für Windkraft im Gemeindegebiet beschäftigen.

Man sollte gerade den Wald als natürlichen CO2- und Trinkwasserspeicher nicht zubetonieren.
Frank Dubberke
BI „Rothaarwindwahn“

Teil des Gemeindegebiets Kirchhundem kommt für Windkraft in Frage

Hilchenbach hat dieses Kapitel längst zu den Akten gelegt – und das ohne erfolgreichen Abschluss. Viele Jahre lang hatte die Bauverwaltung gemeinsam mit den Projektierern und der Politik daran gefeilt, weitere Windradflächen zu definieren. Immer wieder änderten sich die gesetzlichen Grundlagen, machten ein Nachjustieren der Planentwürfe nötig – eines Tages aber zog die Stadt die Reißleine, ließ die Bauleitplanung sausen. Neben der bestehenden Vorrangzone für Windkraftanlagen, auf der bereits seit 2007 die fünf Mühlen von „Rothaarwind I“ Strom erzeugen, werden dort keine weiteren ausgewiesen. Dem zweiten Bürgerwindpark, von dessen 17 Windrädern sieben auf Hilchenbacher Terrain stehen sollen, hat die Stadt jedoch ihren Segen gegeben.

Kirchhundem möchte Windradplanungen im Gemeindegebiet lenken. Die für den Bürgerwindpark „Rothaarwind II“ ins Auge gefassten Standorte stehen dabei mit im Fokus – dagegen regt sich Widerstand von einer Bürgerinitiative aus Heinsberg.
  • Kirchhundem möchte Windradplanungen im Gemeindegebiet lenken. Die für den Bürgerwindpark „Rothaarwind II“ ins Auge gefassten Standorte stehen dabei mit im Fokus – dagegen regt sich Widerstand von einer Bürgerinitiative aus Heinsberg.
  • Foto: Philipp Noppe
  • hochgeladen von Praktikant Online

Anders sieht das in Kirchhundem aus. Ein stattlicher Teil des recht dünn besiedelten Gemeindegebiets kommt prinzipiell für Windkraft in Frage, mehrere Investoren haben ihre Fühler ausgestreckt, die Bezirksregierung pocht auf die Ausweisung von Ernteflächen für Windenergie. Um einen „Windrad-Wildwuchs“ zu verhindern, sollen nun Rahmenbedingungen festgelegt und Konzentrationszonen ausgewiesen werden. Die Fraktionen des Rates sind derzeit dabei, ihre bevorzugten Entwicklungsflächen zu benennen.

,,Wandertag mit dem Bürgermeister''

Eine zentrale Rolle dürften in jedem Fall der Höhenzug südöstlich von Heinsberg spielen, auf dem „Rothaarwind II“ entstehen soll. Genau hier aber regt sich inzwischen Widerstand. Seit knapp zwei Jahren gibt es im Ort eine Bürgerinitiative, die dem Windpark in die Parade fahren möchte. „Wir sind nicht gegen Windkraft und regenerative Energien“, betont Frank Dubberke, Sprecher der BI „Rothaarwindwahn“. Die von den Investoren vorgesehenen Standorte seien aus seiner Sicht allerdings nicht geeignet. Gemeinsam mit dem örtlichen Naturschutzverein hat die BI nun samt Verwaltung und Politik die geplanten Standorte in den Blick genommen.

Bürgermeister Björn Jarosz hatte die Initiative zu diesem „Wandertag mit dem Bürgermeister“ ergriffen, zu der knapp 50 Interessierte, Vertreter der Fraktionen sowie der Gemeinde und Windradbetreiber gekommen waren und – so berichten alle Parteien – sachlich die unterschiedlichen Positionen ausgetauscht wurden.

Heinsberger Bürger in Sorge 

„Das Thema Windkraft treibt die Gemeinde Kirchhundem und insbesondere die Einwohner der Ortschaften Heinsberg, Albaum und Brachthausen seit mehreren Jahren um“, so Dubberke. „Spätestens mit dem veröffentlichen Regionalplan-Entwurf und den darin enthaltenen Windvorrangbereichen kochen die Gemüter der Anwohner und auch der Gemeinde hoch, will sie das Heft des Handelns doch anders als in verschiedenen Nachbargemeinden selber in der Hand behalten.“ Die Furcht insbesondere bei den Heinsberger Bürgern sei groß, dass die kleine waldreiche Ortschaft aufgrund einer ungeordneten Planung bald von über 200 Meter hohen Windrädern „umzingelt“ sein werde.

Wald nicht wegen Windkraft zerstören

Die BI hat Sorge vor einer Zerstörung wertvoller unzerschnittener Naturräume mit einer trotz Borkenkäferschäden immer noch großen Artenvielfalt. Ebenso setzt sie sich sich für den Erhalt eines jahrhundertealten Wildkorridors ein. „Auch sind wir der Meinung, dass man gerade den Wald als natürlichen CO2- und Trinkwasserspeicher nicht mit Windrädern zubetonieren sollte“, so Dubberke.
Günter Pulte von Rothaarwind machte vor Ort darauf aufmerksam, dass selbst eine Ausweisung von 2 Prozent der Gesamtfläche für Windkraft nur ein Bruchteil dieser Areale tatsächlich bebaut werde, nämlich jeweils nur 1 bis 2 Prozent. Die geplanten Standorte lägen mindestens 2,1 km vom nächsten Heinsberger Wohnhaus entfernt. Zudem bleibe beim Bürgerwindpark – anders als bei anderen Investitionsmodellen – die Wertschöpfung vor Ort.

Seit 2007 sehen die Heinsberger bereits auf die Mühlen von Rothaarwind I – die Pläne für einen weiteren Bürgerwindpark in ihren Wäldern sorgen für Kritik.
Kirchhundem möchte Windradplanungen im Gemeindegebiet lenken. Die für den Bürgerwindpark „Rothaarwind II“ ins Auge gefassten Standorte stehen dabei mit im Fokus – dagegen regt sich Widerstand von einer Bürgerinitiative aus Heinsberg.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

15 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
2 Bilder

Neues Angebot auf 57immo.de
Jetzt Immobilie von Experten bewerten lassen

Gründe für eine Immobilienbewertung gibt es viele: Sie kann erforderlich sein für den Kauf oder Verkauf eines Hauses, beim Schließen eines Ehevertrages oder auch beim Verschenken des Eigentums an die Kinder. Allgemein gilt: Wer den Wert seiner Immobilie kennt, hat in vielen Situationen einen Vorteil. Mit der Immobilienbewertung der Vorländer Mediengruppe bekommen Haus- und Wohnungsbesitzer nun ein passendes Werkzeug zur schnellen und zuverlässigen Einschätzung des Wertniveaus an die Hand – und...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.