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Naturfreibad Müsen
Zwei Frauen gehen auch im Winter schwimmen

Wer in dieser Zeit draußen schwimmen geht, muss hartgesotten sein. Sandra Becker (l.) und Jule Weber drehen ein- bis zweimal pro Woche gemeinsam ihre Runden in Südwestfalens größtem Naturfreibad, das der TuS Müsen betreibt.
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  • Wer in dieser Zeit draußen schwimmen geht, muss hartgesotten sein. Sandra Becker (l.) und Jule Weber drehen ein- bis zweimal pro Woche gemeinsam ihre Runden in Südwestfalens größtem Naturfreibad, das der TuS Müsen betreibt.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ph Müsen. Die Luft ist feucht, es riecht nach Schnee. Selbst unter der dicken Winterjacke bibbert man. 3,9 Grad Celsius zeigt das Thermometer am Nikolaustag an – Wassertemperatur! Sandra Becker (53) und Jule Weber (43) lässt das kalt. Im Badeanzug verlassen die beiden Frauen den Umkleidetrakt in Südwestfalens größtem Naturfreibad, überqueren ein Stück Liegewiese und steigen ohne zu zögern die Stufen hinab ins Wasserbecken. Ein kurzes „Uiuiui“, dann legen die beiden los – Jule im Bruststil, Sandra in Kraulbewegungen.Warum stürzen sich zwei begeisterte Schwimmerinnen Wochen nach Abschluss der Freibadsaison in die eiskalten Fluten? Dazu im stinknormalen Badeanzug anstatt unter wärmendem Neopren. „Aus gesundheitlichen Gründen“, sagt Sandra Becker.

ph Müsen. Die Luft ist feucht, es riecht nach Schnee. Selbst unter der dicken Winterjacke bibbert man. 3,9 Grad Celsius zeigt das Thermometer am Nikolaustag an – Wassertemperatur! Sandra Becker (53) und Jule Weber (43) lässt das kalt. Im Badeanzug verlassen die beiden Frauen den Umkleidetrakt in Südwestfalens größtem Naturfreibad, überqueren ein Stück Liegewiese und steigen ohne zu zögern die Stufen hinab ins Wasserbecken. Ein kurzes „Uiuiui“, dann legen die beiden los – Jule im Bruststil, Sandra in Kraulbewegungen.Warum stürzen sich zwei begeisterte Schwimmerinnen Wochen nach Abschluss der Freibadsaison in die eiskalten Fluten? Dazu im stinknormalen Badeanzug anstatt unter wärmendem Neopren. „Aus gesundheitlichen Gründen“, sagt Sandra Becker. Das sei gut gegen Gelenkbeschwerden und für Blutdruck, Nierenfunktion und Immunsystem: „Ich war lange nicht mehr krank, habe keine Infekte gehabt.“

Sandra Becker und Jule Weber schwimmen ein- bis zweimal pro Woche

Kennengelernt haben sich die Zwei im September, am letzten Tag der diesjährigen Sommersaison. Da „beichtete“ Jule Weber, dass sie eigentlich gerne noch weiter schwimmen möchte. Gar nicht so leicht in Corona-Zeiten, in denen Hallenbäder geschlossen sind. Bei Sandra Becker stieß die Physiotherapeutin aus Dahlbruch auf offene Ohren. Die 53-Jährige, im Sommer ohnehin ehrenamtlich als Badeaufsicht in der Müsener Anlage tätig, schwimmt bereits im zweiten Winterhalbjahr durch. Davor hatte sie von November bis Ende Januar pausiert.

Dick vermummt nach dem Badegang: Sandra Becker (r.) und Jule Weber.

Doch längere Zeitabstände, sagt sie, unterbrechen den „Fluss“. Um diesen in Bewegung zu halten, ziehen beide ein- bis zweimal pro Woche ihr Bahnen – jeweils zwölf bis 15 Minuten. Dabei achten Jule und Sandra genau auf die Signale ihrer Körper. Letztere hat eine leuchtend gelbe Boje im Schlepptau. Sie ist verpflichtend beim Schwimmen auf eigene Gefahr in öffentlichen Gewässern. Man wird besser gesehen und kann sich notfalls an ihr festklammern. „Bevor man Watte im Kopf kriegt und das Gefühl bekommt, man schwimme in Pudding“, verlassen die Schwimmerinnen das Wasser.

"Man muss wissen, was man tut"

„Wir haben uns sehr intensiv damit beschäftigt, wie man das richtig macht, betont Sandra Becker, die beruflich im Warmen beschäftigt ist – in der Großküche der Siemag in Dahlbruch: „Man muss wissen, was man tut.“ Der Gefahrenherd sei weniger das Schwimmen an sich, sondern die anschließende Aufwärmphase – der sogenannte „Afterdrop“. Dahinter verbirgt sich in der Medizin ein zunächst weiteres Absinken der Körpertemperatur. In der zehn- bis 20-minütigen Phase des Nachfrierens bzw. bis sich das Blut im Körper wieder erwärmt hat, heißt es Ruhe zu bewahren: Badesachen runter, warm anziehen, hinsetzen mit Wärmflasche und warmem Tee. Echten Eisschwimmern eifern Sandra und Jule nicht nach. Diese legen in Badehose oder Bikini 1,6 Kilometer im Kaltwasser zurück. Kraulerin Sandra trägt einen Ohrenschutz sowie Neopren-Socken und -Stirnband. Brustschwimmerin Jule verzichtet darauf, sie hält den Kopf über der Wasseroberfläche.

Heiß aufs Winterschwimmen

Eine Rolle spielt bei all dem auch der Gewöhnungseffekt. Schwimme man „aus der Saison raus“ weiter, spüre man den Rückgang der Wassertemperatur eher schleichend und weniger krass.
Ihre Trainingslektionen holt sich Sandra Becker nicht zuletzt im 250-Liter-Fass zu Hause. Dort klettert sie hinein und verweilt für eine kurze Weile – etwa nach dem Saunagang: „Das ist effektiver als duschen – das Wasser umschließt dich.“ Kaltes Nass hat sie schon immer gemocht. Im Urlaub in den Alpen genießt sie die Thermen, gespeist aus den klaren Bergquellen.
Keine Frage: Jule und Sandra sind heiß aufs „Winterschwimmen“. Es wirke belebend und erde ein bisschen. „Hinterher“, schwärmt die 53-Jährige, „bin ich immer ausgeglichen und zufrieden.“

Autor:

Peter Helmes (Redakteur) aus Siegen

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