Zwei junge Künstler debütierten im Busch-Theater

Die Buschpreisträgerin Danuta Waskiewicz (Viola) stellte sich vor/1. Kapellmeister Antony Hermus am Pult des Philharmonischen Orchesters

G.S. Dahlbruch. Im Sinfoniekonzert am Donnerstag stellten sich zwei junge Musiker zum ersten Mal in Dahlbruch vor. Die Buschpreisträgerin 2000, Danuta Waskiewicz (Viola) interpretierte den Solopart in Hindemiths »Der Schwanendreher«, und der in dieser Saison zum 1. Kapellmeister des Philharmonischen Orchesters Südwestfalen (PHOS) gekürte Antony Hermus debütierte am Pult des Klangkörpers. Er dirigierte, neben dem Hindemith-Opus, zwei Beethoven-Werke, die »Ouvertüre zum Trauerspiel Coriolan«, op. 62 und die 7. Sinfonie A-Dur, op.92.

Nicht Shakespeares Drama, sondern das Trauerspiel des Österreichers Heinrich Joseph von Collin inspirierte Beethoven zur »Coriolan-Ouvertüre«. Dirigent und Orchester zeichneten die Themen äußerst plastisch. Wuchtige Schläge und düstere Harmonien in c-Moll kündeten vom Kampf in des Helden Seele und seinem heroischen Entschluss. Die wenigen Auflichtungen nach Es-Dur brachten die schönsten Melodien des Meisters zum Klingen. Doch die tröstliche Stille hielt nicht lange vor. Das Ringen musste durchgestanden werden. So verlor sich die Musik nach neuem, tragisch umdunkeltem Aufwallen in einem leise verhallenden Pianissimo des Verzichts, der Einsamkeit und des Untergangs.

Die Bratschistin Danuta Waskiewicz hatte für ihr Debüt beim Busch-Kreis ein Instrumental-Konzert von Paul Hindemith ausgewählt. Seine Werke ermöglichen umfassende Einblicke in die Weite und den Gehalt dieses #CEuvres. Besonders der »Schwanendreher« verkörpert die eigentümlich archaisierende Modernität der Gedanken des Komponisten am besten. Im Entstehungsjahr, 1935, nach dem Boykott seiner Arbeit in Deutschland, war Hindemith bestrebt, seiner Irritationen Herr zu werden und sie in der Rückwendung zu »alten Volksliedern« zu neutralisieren. Die Chance, diese von Mimikry umgebene, altmeisterliche Satzkunst zu einer aussagekräftigen Interpretation zu nutzen, wurde von der Buschpreisträgerin und dem kleinen Orchester des PHOS (Geigen und Bratschen waren ausgespart) überzeugend beim Schopfe gefasst.

Moderne Spielanlage, verhaltenes Temperament und technische Vollkommenheit bildeten die imposante Mischung, mit der die Solistin den alten Melodien und tänzerischen Variationen des »Schwanendrehers« begegnete. Den Zauber des Werkes verwandelte sie in gestochen akzentuierte Motorik, und die lyrische Schwärmerei des Mittelsatzes wurde in ihrem Spiel durchsichtig wie ein Bergsee – und ebenso temperiert. Das Orchester begleitete mit großer Einfühlung, ganz den Vorgaben der Solobratsche folgend. Diese moderne Vortragsart wurde vom Auditorium verstanden und mit stürmischem Beifall honoriert, aus dem sich die Künstlerin nicht ohne Zugabe befreien konnte. Mit einer »Elegie« von Henri Vieuxtemps erwies sie sich hier als emphatische Vermittlerin der französisch-belgischen Geigertradition des 19. Jahrhunderts.

Dem Temperament des jungen Kapellmeisters Antony Hermus kam Beethovens »Siebte« mit ihrer rhythmischen Hingerissenheit, ihren hellen Steigerungen und ihrer hochgetriebenen Brillanz so recht entgegen. Spieldisziplin und Präzision, von den tief schwingenden Kontrabässen bis zur sauberen Höhe der Flöten, fielen ebenso auf wie die Helle der Holzbläser, der schlanke Ton des Blechs, die Exaktheit der Pauke und die Homogenität der Streicher. Mit diesen Kriterien führte Hermus den gut vorbereiteten Klangkörper zu voller Entfaltung und gab dem großartigen Werk seine Lebendigkeit. Die Zurückhaltung im Tempo des Kopfsatzes gewann ihren Sinn vom Finale her, das mit einer fulminanten Energie losstürmte und in seiner jagenden Bewegtheit nicht einen Augenblick nachließ.

Das Allegretto hatte nichts vom Misterioso eines Trauermarsches, sondern erklang eher im Charakter einer Elegie. Und dass das »assai meno presto« in den beiden Trios des Scherzos nicht zu einer Extraktion des rhythmischen Nervs dieses Satzes führte, sei mit besonderem Dank vermerkt. Wenn der junge Mann am Pult in seinem noch überschäumenden Naturell das Entfesselte zu humanisieren und zu beseelen versteht, erlebten die Zuhörer/innen am Donnerstag den Beginn einer großen Dirigentenlaufbahn. Auch die nicht enden wollenden Schlussovationen sprachen dafür.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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