SZ

Halb Engländer, halb Deutscher
Hayden West hätte sich Klassiker als Finale gewünscht

Mit Deutschland-Schal, mit schwarz-rot-goldener Kapitänsbinde und im Trikot der „Three Lions“: Der in Hadem lebende Engländer, Deutschland-Sympathisant, FC-Liverpool-Fan und BVB-Anhänger Hayden West ist bestens vorbereitet und ausgestattet für den EM-Klassiker.
  • Mit Deutschland-Schal, mit schwarz-rot-goldener Kapitänsbinde und im Trikot der „Three Lions“: Der in Hadem lebende Engländer, Deutschland-Sympathisant, FC-Liverpool-Fan und BVB-Anhänger Hayden West ist bestens vorbereitet und ausgestattet für den EM-Klassiker.
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  • hochgeladen von René Gerhardus (Redakteur)

rege Hadem. Klar kennt er sie auswendig, die legendäre Stadionhymne des FC Liverpool. „You’ll never walk alone“ – welcher Fan mag sie nicht, die inzwischen bekannteste Fußballhymne der Welt. Live mitgesungen hat er sie an der Anfield Road aber noch nicht, obwohl er nur zweieinhalb Autostunden von der britischen Hafenstadt entfernt in Coventry geboren wurde, in den West Midlands groß geworden ist und dort auch seine Liebe zum Fußball entdeckt hat: Hayden West. Im Laufe seines Lebens entdeckte der 36-Jährige aber nicht nur seine Liebe zum Fußball, zum BVB, zu England und zu Irland, sondern auch zu deutschen Frauen, zum Siegerland, zum Sauerland, zum FC Hilchenbach und zur SG Heinsberg/Albaum.

rege Hadem. Klar kennt er sie auswendig, die legendäre Stadionhymne des FC Liverpool. „You’ll never walk alone“ – welcher Fan mag sie nicht, die inzwischen bekannteste Fußballhymne der Welt. Live mitgesungen hat er sie an der Anfield Road aber noch nicht, obwohl er nur zweieinhalb Autostunden von der britischen Hafenstadt entfernt in Coventry geboren wurde, in den West Midlands groß geworden ist und dort auch seine Liebe zum Fußball entdeckt hat: Hayden West. Im Laufe seines Lebens entdeckte der 36-Jährige aber nicht nur seine Liebe zum Fußball, zum BVB, zu England und zu Irland, sondern auch zu deutschen Frauen, zum Siegerland, zum Sauerland, zum FC Hilchenbach und zur SG Heinsberg/Albaum. Der Zufall wollte es so, dass er in einem Pub in Cork für ein Au-Pair-Mädchen aus dem Siegerland Feuer fing. Seit elf Jahren genießt der gebürtige Engländer nach einem kurzen beruflichen Abstecher in die Niederlande nun in Hilchenbach bzw. Hadem seine Teatime.

Bezirksliga-Aufstieg mit dem FC Hilchenbach

Auch wenn die Liebesbeziehung mit dem Au-Pair-Mädchen nicht von Dauer war, fasste West in seiner neuen Heimat schnell Fuß. Er lernte intensiv deutsch, fand als Elektrotechniker einen guten Job in Heinsberg, lernte schnell Freunde kennen und begann beim FC Hilchenbach zu kicken. „Ich habe in der 3. Mannschaft angefangen, nach der Winterpause habe ich dann schon in der 1. Mannschaft gespielt. Mit der sind wir 2013 in der A-Kreisliga Meister geworden und in die Bezirksliga aufgestiegen“, schildert der Brite seine glorreiche Zeit beim FCH. Die in der SZ erschienene Meister-Story hält er bis heute in Ehren. Nach einer Fußball-Pause lockte es ihn durch Arbeitskollegen und Freunde zur SG Heinsberg/Albaum, für die er auf der linken Seite nun auch bei den Altherren seine Fußballschuhe schnüren möchte.

Hayden West im letzten Jahr eingebürgert worden

Ob Public Viewing im Gerberpark in Hilchenbach oder in der Eishalle in Netphen, die Nähe zur Natur, die Ruhe des Rothaargebirges, die Schützenfeste – aus dem Einwanderer aus dem Vereinigten Königreich, der mit seinen Eltern im Alter von elf Jahren nach Irland zog, ist inzwischen ein halber Deutscher geworden. „Ich bin letztes Jahr eingebürgert worden und bin somit auch auf dem Papier halb deutsch, halb englisch. Meine Mutter hat immer wieder versucht, mich zu überzeugen, dass ich zurückkomme, aber ich möchte hier bleiben. Ich bin in zwei Minuten in der Natur, gehe im Wald joggen und fahre Mountainbike. Es ist nicht so hektisch wie in einer Großstadt, das gefällt mir sehr“, schließt West, der in Irland als 15-Jähriger mal zusammen mit seinem 20 Jahre älteren Vater in einer Mannschaft kickte, eine Rückkehr auf die Insel derzeit aus. Klar gebe es auch Dinge, die er vermisse wie seine Familie, die Muttersprache, „Fish and Chips“ oder den Britischen Humor, aber die Deutschen seien ja auch humorvoll, nur halt etwas anders.

Wenigstens ein Liebling kommt weiter...

Bliebe die Frage aller Fragen: Für wen wird wohl sein Fußball-Herz beim Klassiker am Dienstagabend schlagen? Eine Frage, deren Beantwortung, ihm mittlerweile gar nicht mehr so leicht fällt. „Bei der WM 2010 war ich beim Public Viewing im Gerberpark, da war ich definitiv als England-Fan. Wir haben 1:4 gegen Deutschland verloren, das war ziemlich bitter. Jetzt bin ich Fan von Deutschland und England. Wenn ich eine Antwort geben muss, würde ich mich noch ganz knapp für England entscheiden. Es ist schade, dass die beiden Länder schon im Achtelfinale aufeinander treffen und nicht erst im Finale. Immerhin wird einer von meinen beiden Lieblingen auf jeden Fall weiter kommen“, fiebert West mit zwei Herzen in der Brust dem besonderen Abend in dem Stadion, das als „Heilige Stätte des englischen Fußballs“ gilt, entgegen.

Tipp: Deutschland gewinnt nach Elfmeterschießen

Der Hademer glaubt, dass es – im Gegensatz zum Aufeinandertreffen 2010 – diesmal eine sehr enge Kiste wird. „England hat zwar noch kein Tor kassiert und hinten gut gearbeitet, aber das 0:0 gegen Schottland war überhaupt nichts. Die Deutschen waren gegen Portugal sehr stark, doch gegen Ungarn sah das komplett anders aus. Beide Mannschaften müssen mehr Tempo ins Spiel bringen, da muss mehr kommen. Wenn England gewinnt, dann nach 90 Minuten. Ich tippe aber, dass das Spiel 1:1 oder 2:2 ausgeht, und Deutschland im Elfmeterschießen weiter kommt, auch wenn die Engländer im Elfmeterschießen etwas besser geworden sind“, fürchtet der Wahl-Siegerländer mit englischem Akzent ein weiteres Elfmeter-Drama für die „Three Lions“. Dann wäre er für das Mutterland des Fußballs ausgerechnet in Wembley mal wieder ausgeträumt, der Traum vom ersten großen Titel seit 1966.
Der Fußball-Besessenheit der „klassischen Fans“ (Hayden West: „Die meisten sind sehr, sehr leidenschaftlich und bestätigen das Klischee mit Bierbauch, Tätowierung und Glatze.“) wird das keinen Abbruch tun. Schon bald werden sie in Liverpool wieder lautstark „You’ll never walk alone“ singen, wenn Jürgen Klopp seine Spieler auf den Rasen bittet. Das einmal mitzuerleben, wenigstens diesen Traum würde Hayden West sich gerne erfüllen, wenn es schon mit dem EM-Titel für sein Heimatland nicht klappen sollte. An Textsicherheit wird es ihm an der Anfield Road nicht mangeln..

Autor:

René Gerhardus (Redakteur) aus Siegen

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