117 Mal schöne Aussicht auf den Giebelwald

Im Neubaugebiet »Stroth« sind nach 20 Jahren die Bagger angerollt/Völlig neue Planung

thor Mudersbach. Es war der 23. September 1996, als die Mudersbacher Ratsmitglieder an ihrem Hörvermögen zweifelten, war ihnen doch gerade vom damaligen Bauamtsleiter der Verbandsgemeinde Kirchen mitgeteilt worden, dass die Kreisverwaltung den bereits 1984 aufgestellten Bebauungsplan für das Neubaugebiet »Die Stroth« für null und nichtig erklärt hatte. Alle Mühe war vergebens, dabei hatten die Mudersbacher gehofft, dass sich bis zur Jahrtausendwende ein Häuschen an das andere reihen würde – Pustekuchen.

Es ging um einen so genannten Ausfertigungsvermerk, genauer: um das Fehlen eines solchen auf dem Plan. Die Kreisverwaltung verlangte von der Ortsgemeinde einen neuen Abwägungsprozess, dies vor allem deshalb, weil Umwelt und Natur inzwischen einen wesentlich höheren Stellenwert besaßen, als man noch Anfang der 80er Jahre vermuten konnte. Der »Schwarze Peter« in Sachen »Stroth« wurde anschließend einige Zeit zwischen Kreisverwaltung und Bauamt Kirchen hin und her geschoben, dann war erst einmal Funkstille. Im stillen Kämmerlein der Bauabteilung wurde an einem neuen Bebauungsplan getüftelt, der jedem Biotop und jeder Fledermaus standhalten sollte.

Die meisten Mudersbacher – und vor allem die Anwohner in Birken – haben es nun gemerkt: Nach sieben Jahren tut sich endlich was. Vor vier Wochen sind die Bagger der Firmen Gebr. Schmidt (Freusburg) und Weber (Siegen) angerückt, die zur Erschließung des Neubaugebiets – Auftragsvolumen: knapp 3 Mill. Euro – eine Arbeitsgemeinschaft bilden. Grund genug für die SZ, sich vor Ort von den Verantwortlichen den neuen Plan erklären zu lassen und eine Bestätigung einzuholen, dass es gegen diesen Plan definitiv kein Veto mehr geben wird.

Waren im alten Plan noch 160 Bauplätze vorgesehen, so ist diese Zahl mittlerweile auf 117 geschrumpft, berichtete Ortsbürgermeisterin Brigitte Göbel. Die Gründe liegen auf der Hand: Die notwendigen Ausgleichsflächen für den Landschaftsverbrauch werden in das Baugebiet integriert, das Biotop bleibt von jeglicher Baumaßnahme unberührt, stellt Joachim Neuhof von der Bauleitung der Verbandsgemeinde klar. Auch Straßenbreiten von 6 Metern gehören der Vergangenheit an. »Die alte Planung war noch im Stil der 60er und 70er Jahre verfasst. Das kann man mit heute gar nicht mehr vergleichen«, meint Reinhard Euteneuer (Gebr. Schmidt). Viel Wert wird auf eine umweltgerechte Entwässerung gelegt. Wenn möglich, soll das meiste Wasser vor Ort versickern bzw. in Richtung Biotop abgeleitet werden.

Bis zu 1300 qm groß

Die 117 Grundstücke – alle mit Giebelwald-Blick – besitzen eine Größe zwischen 450 und 1300 Quadratmetern, 22 davon gehören der Ortsgemeinde. Sie verkauft den Quadratmeter für 60 Euro (plus Erschließung). Hier müssen Bauherren laut Stefan Strunk von der Bauleitung der Verbandsgemeinde nochmals mit Kosten von 8 bis – im Ausnahmefall – 26 Euro rechnen. Der große »Run« habe noch nicht eingesetzt, so Brigitte Göbel, doch rechnet sie schon mit viel Interesse und erinnert an die Diskussion um die Eigenheimzulage. Wenn alles nach Plan verläuft, soll die Erschließung im Sommer 2004 abgeschlossen sein, teilten Euteneuer und Bauleiter Thomas Otterbach (Ingenieurbüro Ockenfels, Siegen) mit. Allerdings handele es sich hier um eine »sehr witterungsabhängige« Baustelle: Also: Verzögerungen sind möglich.

Mittlerweile sind die reinen Erdarbeiten abgeschlossen. Reinhard Euteneuer betont, dass man alles versuche, um die Belästigungen der Anlieger durch Dreck und Lärm in vertretbaren Grenzen zu halten. So man man bereits bei gutem Wetter sämtliches Baumaterial in das Neubaugebiet transportiert.

Brigitte Göbel erwartet durch die »Stroth« den Zuzug von vielen jungen Familien, denn: »Die Kinderzahlen gehen auch in Mudersbach immer mehr in den Keller, deshalb müssen wir vielleicht schon im nächsten Jahr eine Kindergartengruppe schließen.« Die Ortsbürgermeisterin hofft deshalb auf einen ähnlichen Effekt wie »Auf´m Dammicht«.

Steinbruch wird verfüllt

Im Zuge der Erschließung des Neubaugebiets werden die Baufirmen auch in einer Art »Freundschaftsdienst« den alten Steinbruch verfüllen. Darum hatte die Haubergsgenossen aufgrund der Unfallgefahr dringend gebeten, berichtet Euteneuer. Bislang wurde der Erdaushub zur Deponie nach Büdenholz gebracht, bei insgesamt 20000 Kubikmetern blieben sicherlich die erforderlichen 1400 für das Verfüllen übrig. Die Kreisverwaltung hat einer solchen Maßnahme grundsätzlich zugestimmt. Als Auflage könnte aber gefordert werden, dass die hintere Felswand frei bleiben muss. Sollte die Kreisverwaltung darauf bestehen, kann allerdings von einer Minderung des Unfallrisikos kaum die Rede sein.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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