16 Jahre einander blind vertraut

Ein Kapitel an der Ketteler-Grundschule geht zu Ende:

Konrektorin Gertrud Schlechtriemen geht nach 36 Dienstjahren in den Ruhestand

ruth Niederfischbach. Für die Schüler in Rheinland-Pfalz war gestern der letzte Schultag vor den großen Sommerferien. Für Gertrud Schlechtriemen, ihres Zeichens Konrektorin der W.-E.-Ketteler-Grundschule, war es nach 36 Dienstjahren der allerletzte Schultag. Mit einer bewegenden Feier nahmen gestern im kath. Pfarrzentrum Schüler, Kollegen, Elternvertreter und verschiedene Kommunalpolitiker Abschied von einer beliebten Kollegin. Gertrud Schlechtriemen geht in den wohlverdienten Ruhestand.

Schulleiter Klaus-Werner Mays dankte seiner Kollegin für ihre tatkräftige Unterstützung in den vergangenen 17 Monaten, seit er die Leitung der Grundschule von Wolfgang Müller übernommen hatte. Der 30. November 1966 war der erste Schultag für Gertrud Schlechtriemen. Sie kam an die Grundschule, als Georg-Peter Müller versetzt und in Niederfischbach eine Stelle frei wurde. Mays wies darauf hin, dass sie mit seinem Vorgänger (Müller) ein eingespieltes Team war und ihm den Einstieg in Niederfischbach leicht gemacht habe. Jahrzehnte lang hat Gertrud Schlechtriemen die pädagogische Landschaft in Niederfischbach maßgeblich geprägt und mit gestaltet. Auf ihre »alten Tage« hat sie noch den Umzug von der »Hütte« auf den Rothenberg mit erlebt und die damit anfallenden Aufgaben gemeistert. Dafür dankte Mays der scheidenden Konrektorin besonders.

16 Jahre waren Wolfgang Müller und Gertrud Schlechtriemen das Team schlechthin. Verständlicherweise fiel sein Abschied wesentlich persönlicher aus. »Du hast Ecksteine gesetzt, die unverwechselbar waren«, so Müller in seiner Rede. »Du hast den Übergang zwischen dem Elementarbereich und dem Primarbereich optimiert, wo immer Du konntest. Wir haben uns blind verstanden und uns uneingeschränkt vertraut. Jeder von uns konnte den Gedankengang des anderen voraus sehen. Wir sind persönliche Freunde«, betonte Müller. Er dankte seiner ehemaligen Stellvertreterin, die ihm Monate lang den Rücken frei gehalten hatte, als er sein kommunalpolitisches Engagement verstärkte. »Du warst entsetzt traurig, als ich dir eröffnet habe, dass ich mein politisches Engagement noch verstärken werde. Mein Ausstieg aus dem Lehrerdasein war damit vorprogrammiert«. Stets habe die Qualität der Argumente für sie Gültigkeit gehabt und: »Ich bin dir dankbar für die vielen guten Ratschläge, die ich nicht immer befolgt habe«.

Aus Anlass der Abschiedsfeier hatten die Kinder bereits zwei Stunden früher Schulschluss. Nur ein Teil war geblieben, um mit ein paar musikalischen Einlagen ihrer Konrektorin »Ade« zu sagen. Erhard Rudolf hatte mit den Kindern ein kurzes Theaterstück einstudiert: »Wenn Manfred und Gertrud verreisen ...« Die Kinder baten ihre Lehrerin nebst Ehemann Manfred auf die Bühne, wo sie ein Flugzeug aufgebaut hatten und mit beiden eine erste Reise in den Ruhestand unternahmen. Auch Elternsprecher Alfred Köhler hatte mit ein paar Kindern zusammen ein nettes Quiz vorbereitet, um im Namen aller Eltern Danke zu sagen.

Ortsbürgermeister Matthias Otterbach dankte Gertrud Schlechtriemen für ihren Einsatz, der stets weit über den Schulhof hinaus ging. Mit dem Netzwerk Schule habe sie viele Kontakte geknüpft. Auch künftig solle sie viele Kontakte in und für Niederfischbach knüpfen, so Otterbach, der sich selbst als Freund der Familie Schlechtriemen bezeichnete. »Startet nach Niederndorf oder nach China, mit dem Flugzeug oder dem Fahrrad, aber knüpft auch immer noch ein paar Kontakte in Niederfischbach«, gab Otterbach dem Ehepaar Schlechtriemen mit auf den Weg in den Ruhestand.

Otterbachs Kollege aus Harbach, Hans Dücker, konnte gar nicht glauben, dass Gertrud Schlechtriemen schon in den Ruhestand geht. »Da stand immer Dampf und Karbid dahinter, Dynamik und Bewegung«, erinnerte er sich an Begegnungen mit ihr. Auch er wünschte dem Ehepaar viele erfolgreiche Starts und sehr gute Landungen in ihrem Ruhestand.

Mit einem Querflötenspiel verabschiedete Sarah Kober die beliebte Lehrerin in den Ruhestand. Für sie hatte sie sich ein ganz besonderes Stück ausgesucht – Walpurgis: »Es ist eine Fantasie für Flöte und schildert die Abenteuer einer kleinen Hexe. Wer genau zuhört, kann sogar eine Hexe vorbei fliegen sehen«, erklärte Sarah Kober die Intention des Stückes. Wohl deshalb, weil so manche Aktion der scheidenden Konrektorin schon an Zauberei grenzte. Regierungsschuldirektor Friedhelm Zöllner wird schon einen Magier finden müssen, um diese Lücke an der Ketteler-Grundschule zu schließen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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