SZ

Jäger nutzen Drohne
42 Rehkitze gerettet

Viele Rehe würden schon als Jungtiere im Mähwerk sterben, wenn Jäger und Bauern nicht Hand in Hand arbeiten würden.
3Bilder
  • Viele Rehe würden schon als Jungtiere im Mähwerk sterben, wenn Jäger und Bauern nicht Hand in Hand arbeiten würden.
  • Foto: Daniel Montanus
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Kirchen. Die Vorstehhündin Hummel ahnt es zwar nicht, aber vor einigen Wochen ist sie zum Bodenpersonal degradiert worden. Denn der Job, der bislang allein ihrer war, wird seit geraumer Zeit in erster Linie aus der Luft erledigt. Hummel ist meist nur noch flankierend im Einsatz: Sie schnüffelt da, wo die Wärmebildkamera der Drohne nicht in der Lage ist, Rehkitze aufzuspüren.

Denn genau darum geht es: Der Hegering Betzdorf/Kirchen setzt seit diesem Frühsommer eine Drohne ein, um Rehkitze vor dem sicheren Tod im Mähwerk zu retten. Und das mit großem Erfolg: 42 Kitze sind in den Monaten von Mai bis Juli im Oberkreis des AK-Lands aufgespürt worden, und 36 davon aus der Luft.

Dass die Jäger den Nachwuchs des Rehwilds suchen und retten, ist nicht neu.

damo Kirchen. Die Vorstehhündin Hummel ahnt es zwar nicht, aber vor einigen Wochen ist sie zum Bodenpersonal degradiert worden. Denn der Job, der bislang allein ihrer war, wird seit geraumer Zeit in erster Linie aus der Luft erledigt. Hummel ist meist nur noch flankierend im Einsatz: Sie schnüffelt da, wo die Wärmebildkamera der Drohne nicht in der Lage ist, Rehkitze aufzuspüren.

Denn genau darum geht es: Der Hegering Betzdorf/Kirchen setzt seit diesem Frühsommer eine Drohne ein, um Rehkitze vor dem sicheren Tod im Mähwerk zu retten. Und das mit großem Erfolg: 42 Kitze sind in den Monaten von Mai bis Juli im Oberkreis des AK-Lands aufgespürt worden, und 36 davon aus der Luft.

Dass die Jäger den Nachwuchs des Rehwilds suchen und retten, ist nicht neu. Es ist im Wesentlichen der Abwehrstrategie der Kitze geschuldet: In ihren ersten Lebenswochen ducken sich Rehe bei einer Bedrohung tief auf den Boden. Es mag gegen ihre natürlichen Feinde eine gute Strategie sein, sich im tiefen Gras unsichtbar zu machen – im Duell mit einem Kreiselmäher ist es eine denkbar schlechte Wahl. Und eben jene Mähwerke sind auf den meisten Wiesen bereits im Mai das erste Mal unterwegs, um Gras für die Silageherstellung zu ernten.

Natürlich kann man trefflich darüber streiten, ob die Landwirte wirklich schon im Mai mähen müssen – schließlich dreht sich zu dieser Zeit des Jahres bei vielen Tierarten alles um die Fortpflanzung. Zum Beispiel stecken etliche Bodenbrüter im Mai mitten im Brutgeschäft, und ihre Nester sind unwiederbringlich verloren, wenn der Bauer seine Arbeit erledigt hat. Das weiß auch Hegeringsleiter Josef Jendrek, der den Fehler aber nicht bei den Landwirten vor Ort sieht, sondern vielmehr in einer falschen Agrarpolitik. „Und die Landwirtschaftspolitik ist nicht immer das, was die Landwirte wollen“, sagt er. Aber solange eben schon im Mai gemäht wird, ist alles Diskutieren müßig: Rehkitze lassen sich nicht mit Worten retten. Daher ist es schon seit Jahren Usus, dass die Bauern den örtlichen Jäger anrufen, wenn sie mähen wollen.

Bislang hat der Jagdpächter dann – meist mit ein paar Kollegen – eine Suche mit Hunden organisiert: Bevor das Mähen begonnen hat, haben die Hunde die Wiese durchstöbert. Wo immer sie fündig geworden sind, sind die Jäger angerückt. Sie haben dann das Rehkitz mit Handschuhen und Grasbüscheln gepackt und an einen sicheren Ort gebracht – wohl wissend, dass die Ricke ihren Nachwuchs ganz bestimmt wiederfindet.

Seit diesem Frühsommer läuft die Kitzsuche aber deutlich effektiver: mit einer rund 3600 Euro teuren Drohne. Diese ist zu einem Gutteil mit Spenden finanziert worden, berichtet Jendrek und erinnert an einen Spendenaufruf in der SZ. „Da haben sich sehr viele gemeldet: vom Rentner bis zum Geldinstitut, auch viele Nicht-Jäger. Die gute Sache wurde sehr gut unterstützt.“

Richtig gut wird die gute Sache aber erst mit dem Engagement von Dr. Markus Weyerke aus Kirchen. Er ist einer von drei Jägern im Hegering, die eine Fortbildung zum Drohnenpiloten gemacht haben, und er war in diesem Jahr schon ein gutes Dutzend Mal im Einsatz. Er ist begeistert von der Technik, die ihm – und damit den Rehen – zur Verfügung steht. „Vor ein paar Jahren hätte diese Technik gereicht, um Kriege zu gewinnen.“ In der Tat: Den Augen des Fluggeräts entgeht nichts, es lässt sich zentimetergenau steuern und steht auf Kommando in der Luft, selbst wenn der Wind pfeift.

Die eigentliche Suche erledigt Weyerke mit einer Wärmebildkamera; daher kann die Drohne nur in den frühen Morgenstunden eingesetzt werden, wenn ein Rehkitz noch deutlich mehr Wärme abstrahlt als seine Umgebung. Wann immer Weyerke einen hellen Fleck auf seinem Monitor erspäht, lässt er die Drohne tiefer fliegen und schaltet auf eine normale Kamera um. Und wenn sein geschultes Auge ein Rehkitz ausmacht, rückt ein Kollege an, um das Tier in Sicherheit zu bringen.

All das funktioniert zuverlässig – und vor allem schnell. Weyerke berichtet von einer großen Wiese in Freusburg: „Da hätten die Hunde drei Stunden gebraucht – und mit der Drohne war es in 20 Minuten erledigt.“ Außerdem wären mehrere Hunde nötig gewesen: „Die Nasenarbeit erschöpft den Hund“, berichtet Jendrek. „Bei einer Drohne kann man den Akku tauschen, wenn sie durch ist. Das kannst du bei einem Hund nicht.“ <chartag shortcut="z-Autor" tag="autor-7p">Daniel Montanus</chartag>

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen