Tanz- und Theatergruppe der kfd löst sich auf
Abschied von der großen Bühne

Nur einige Utensilien werden die Damen behalten, der Rest aus 40 Jahren Karneval wanderte in den Container.
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thor Freusburg. Sie werden fehlen. Und sie hinterlassen eine Lücke. Definitiv. Die Tanz- und Theatergruppe der kfd Freusburg ist Geschichte. Es wird unter ihrer Regie keine große Karnevalsveranstaltung mehr im Burgdorf geben. Am Samstag ertönte der „finale Schuss“, wie es Martina Stausberg gewohnt deutlich ausdrückte. Das verbliebene Grüppchen der Frauen war am Morgen damit beschäftigt, die im Freusburger Bürgerhaus gelagerten Requisiten zu entsorgen. 40 Jahre Karneval füllten anschließend einen großen Container. Ein wahrlich trauriger Anblick, der exakt zur Stimmungslage der Damen passte. Wer schon einmal an einem Samstagabend bei ihnen zu Gast war, wird erahnen können, wie schwer diese Entscheidung gefallen ist. Gleichwohl ist sie alternativlos. Es fehlt schlicht und ergreifend an „Woman-Power“.

Seit fünf Jahren hat die Tanz- und Theatergruppe an potenzielle neue Mitstreiterinnen appelliert, die Resonanz war gleich null. Aufrufe waren deshalb notwendig geworden, weil die kreative Truppe immer weiter schrumpfte – sei es durch Wegzug, Familienplanung oder aus beruflichen Gründen. Direkt nach den großen Veranstaltungen ist zwar immer Interesse bekundet worden, doch wenn es ans Eingemachte ging, wurden in schöner Regelmäßigkeit Rückzieher gemacht.

Keine Frage: Wer hier mitmachen will, muss viel Idealismus mitbringen – also Zeit, Geld und Arbeit. In der heißen Phase der Vorbereitung wurde dreimal in der Woche geprobt, manches heimische Esszimmer glich in dieser Zeit einem Schlachtfeld. Dazu muss man bereit sein, um anderen eine Freude zu machen. „Viele der jungen Frauen möchten heute aber lieber bespaßt werden, anstatt sich selbst zu engagieren“, sagt Martina Stausberg. Und mit Tanz und Theater allein war es ohnehin nicht getan. Auch der Aufbau, viel mehr aber noch das große Aufräumen und Putzen am Sonntag nach einer ebenso harten wie kurzen Nacht wurden stets als Gemeinschaftsaufgabe verstanden.

„Mit sechs oder sieben Frauen kannst du sowas aber nichts stemmen“, stellte Katja Frömgen klar. So hatte sich die Gruppe schon im Vorfeld zum „40-Jährigen“ die Frage gestellt: Machen wir überhaupt noch was? Es wurde sich dann damit geholfen, dass man auf Programmpunkte aus den vergangenen Jahrzehnten zurückgriff, wo sonst immer Neuerungen anstanden. Weil man auch keinen eigenen Tanz mehr einstudieren konnte, war man der Männergarde des HCC für den kurzfristig zugesagten Auftritt überaus dankbar. Zuletzt hatten auch die Jungs der Feuerwehr Freusburg durch aktiven Körpereinsatz maximale Unterstützung gezeigt.

Hinzu kam, dass es immer schwerer wurde, Ideen für das Programm zu finden: kein Jens Stötzel, kein Rainer Kipping mehr im Rathaus, und vor allem keine Nicole Rohden mehr auf der Freusburg – was vor allem für Martina Stausberg für das Kommentieren des Dorfgeschehens ein echter Nackenschlag war. In diesem Zusammenhang fiel den Damen auch eine andere Entwicklung auf: Früher sei es im Bürgerhaus ganz still gewesen, weil jeder die Anekdoten hören wollte, zuletzt habe immer mehr die Party im Vordergrund gestanden – entsprechend sei die Geräuschkulisse gewesen.

„Wir haben immer gesagt: Wir machen das, solange es noch Spaß macht“, betont Roswitha Seiring. Dieser Punkt ist nun überschritten. Zwar hatte es in Freusburg Überlegungen gegeben, einen neuen Verein für den Karneval zu gründen, doch solchen Planspielen begegneten die Damen mit großer Skepsis, auch weil offensichtlich „wirtschaftliche“ Interessen eine Rolle spielten: „Wir haben das nicht gemacht, um Geld zu verdienen. Wir sind kein Karnevalsverein, sondern eine Tanz- und Theatergruppe.“

Dennoch bzw. genau deshalb haben die Freusburgerinnen Maßstäbe gesetzt und waren in Sachen Lokalkolorit auch Inspiration für andere Gruppen. Das war immer mehr Kabarett als Karneval. Die Lieder von „Komisch harmonisch“ werden ebenso in bester Erinnerung bleiben wie die Sketche mit der Kirchener Lokal-Prominenz. Tieftraurig dürfte daher auch Pastor Helmut Mohr sein, hat er doch nun keine Gelegenheit mehr, in roter Perücke und Frauenkleidern auf der Bühne zu stehen. Auch diesen Anblick wird man wie so vieles schmerzlich vermissen.

Nur einige Utensilien werden die Damen behalten, der Rest aus 40 Jahren Karneval wanderte in den Container.
Wer als Kommunalpolitiker auf die Bühne gebeten wurde, musste stets bereit sein, sich zum Affen zu machen – so auch der frühere Bürgermeister Wolfgang Müller.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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