Achtung: Bufo bufo wandert wieder

Erdkröten sind zu ihren Laichgewässern unterwegs / Schutzzäune aufgestellt

damo Herkersdorf. Erdkröten (lat: Bufo bufo) sind keine Gazellen. Sie sind deutlich weniger elegant, dramatisch unbeholfener und vor allem viel, viel langsamer. Und genau diese Eigenschaften werden den wandelnden Warzen immer wieder zum Verhängnis: Auf ihrem Weg zum Laichgewässer enden unzählige Kröten unter einem Autoreifen. Schon seit vielen Jahren versuchen Kirchens Umweltbeauftragte Monika Lieth und das Öko-Projekt der Caritas, dem Massentod auf dem Asphalt ein Ende zu machen. Im Imhäuser Tal haben die Naturschützer deshalb zu Wochenbeginn wieder die Krötenzäune aufgestellt. Auf einer Länge von rund 400 Metern stoßen die Amphibien auf den unüberwindlichen Zaun; bei ihrer Suche nach einem Ausweg fallen sie beinahe zwangsläufig in einen der gut 20 Eimer. Und auch, wenn sich die Kröte über die unfreiwillige Übernachtung ärgern dürfte: Die Nacht im Eimer rettet ihr das Leben, denn schließlich bringt einer der Helfer das Tier unschadet über die Straße. Freiwillige, die spätabends oder am frühen Morgen Kröten sammeln gehen, gibt es reichlich, berichten Frank Wörner und Odile Coret-Thomas vom Öko-Projekt unisono. Und die Truppe, die unter anderem mit dem RWE im Schwarzstorch-Projekt engagiert ist, hat jetzt in zwei Tagen die Zäune aufgestellt ––gerade zu rechten Zeit.

Denn was uns der Wecker, ist der Kröte ihr Temperatur-Empfinden: Sobald das Thermometer die 5-Grad-Grenze überschreitet, beginnt die Wanderung. Kommt dann noch Regen hinzu, können pro Nacht gut und gerne 300 Kröten unterwegs sein, berichtet Wörner.

Er ist zwar mit dem Zaun zufrieden, würde sich aber weitere Maßnahmen wünschen: »Eigentlich müsste die Straße gesperrt werden«, befindet er und verweist darauf, dass schon eine geringe Verkehrsdichte drastische Folgen haben kann: Untersuchungen haben ergeben, dass acht Autos pro Stunde eine Krötenpopulation um die Hälfte reduzieren. Zwar ist die Kröte noch recht häufig anzutreffen, aber sie wird als »potenziell gefährdet« auf der Roten Liste des Landes geführt.

Gefährlich ist die Zeit der Krötenwanderung laut Coret-Thomas auch für die Autofahrer: »Manche fahren Schlangenlinien, um den Kröten auszuweichen; manche fahren Schlangenlinien, um die Kröten platt zu fahren; und manche machen Vollbremsungen.« Deshalb lautet ihr Tipp genau so wie der ihres Kollegen: »Am besten wäre es, wenn die Autofahrer die nächsten Wochen das Imhäuser Tal meiden würden.« Die Dauer der Krötenwanderung hängt von der Witterung ab – Odile Coret-Thomas geht von vier bis sechs Wochen aus.

Natürlich wandern die Kröten nicht nur im Imhäuser Tal; es gibt laut Wörner eine Vielzahl von Laichgewässern. Kritische Stellen sind zum Beispiel bei Oberasdorf, im Mühlental und zwischen Katzwinkel und Friesenhagen. »Überall in der Nähe von Teichen muss man jetzt vorsichtig sein.« Bufo bufo wird’s danken.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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