Altenpflege ist mehr als nur waschen und anziehen

Erzieher und Altenpfleger der BBS Mudersbach stellten ihre Arbeit der Öffentlichkeit vor

ruth Mudersbach. Ihre jährliche Projektwoche nutzten die Schülerinnen und Schüler der Fachschule Sozialwesen auch in diesem Jahr wieder, um ihre Ausbildungsgänge vorzustellen und somit Werbung für die Schule, aber auch für die Berufe zu machen. Mit dabei waren diesmal die Ausbildungsgänge Erzieher, Altenpflege und Heilpädagogik. Ein besonderes Anliegen hat die Klasse FSA 02. Die 19 angehenden Altenpfleger möchten im Rahmen ihrer Ausbildung eine Seniorenreise organisieren – für arme, kranke und betagte Menschen im häuslichen Bereich. Für Menschen, die kaum noch soziale Kontakte haben und aufgrund ihrer Behinderung völlig isoliert leben müssen. Das Problem: Die Reise muss finanziert werden. Einen Spendenaufruf haben die Schülerinnern und Schüler bereits gestartet. Mit mehr als mäßigem Erfolg.

So schwer hat es sich die Klasse FSA 02 (Mittelstufe) nicht vorgestellt. Es soll ein einmaliges Projekt werden – in jeder Hinsicht. Unter dem Motto »19 Altenpflegerschüler suchen 19 Senioren für gemeinsame Seniorenfreizeit« wollen die Schüler vom 14. bis 18. Juni nach Kleve zum Schloss Gnadenthal fahren. In dieser behindertengerechten Einrichtung sollen die Senioren wenigstens einmal Abstand von ihrem tristen Alltag gewinnen können. Jeder Reiseteilnehmer wird von einem persönlichen Altenpflegeschüler begleitet – 24 Stunden; am Tag, und wenn es sein muss auch nachts. Darüber hinaus fahren zwei examinierte Fachkräfte, ein Dipl.-Psychologe und eine Aktivierungstherapeutin mit, so dass eine umfassende Betreuung gesichert ist.

Die Schüler versprechen sich von ihrer Aktion, zusätzliche Fachkenntnisse zu gewinnen. Sie möchten einmal erleben, was es heißt, einen behinderten Menschen rund um die Uhr zu betreuen. Alle Versuche, Geld für das Projekt aufzutreiben, schlugen bisher fehl. Da die Schüler kein eingetragener Verein sind, ihnen somit die steuerliche Gemeinnützigkeit fehlt und sie »nur« aus eigener Initiative heraus das Projekt umsetzen möchten, fehlen ihnen gesetzliche Grundlagen, um an öffentliche Gelder zu kommen. Besonders enttäuscht waren die Schüler von der geringen Bereitschaft beispielsweise der Krankenkassen, die sich noch nicht einmal Zeit für ein paar beratende Worte genommen haben. »Wir werden belächelt, weil wir einfach nur eine kleine, dumme Schulklasse sind«, so Jennifer Garth, Sprecherin der Klasse.

Wer trotzdem etwas zum Gelingen dieses Projektes beitragen möchte, kann sich an eine der nebenstehenden Schülerinnen/Schüler (siehe Kasten) wenden. Der Zeitdruck auf die Klasse wächst. Bis spätestens Mitte Januar muss das Haus gebucht werden, sonst ist es weg. Deshalb sollen noch in diesen Tagen die Anmeldebescheide an die in Frage kommenden Senioren verschickt werden.

Solche Sorgen hat die Klasse FSA 03 (Unterstufe) nicht. Sie nutzte die Projektwoche, um im wahrsten Sinne des Wortes Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Anhand mehrerer praktischer Beispiele stellten die Schülerinnen und Schüler ihren Beruf vor. 26 Schüler zählt die Klasse, fünf Männer und 21 Frauen. Interessant ist das Altersspektrum dieser Klasse: von 17 bis 45 Jahren ist alles vertreten. Viele »Ältere« lassen sich umschulen und bringen bereits Berufserfahrung mit. »Es ist auch ganz gut, wenn ein Mensch für diesen Ausbildungsgang Lebenserfahrung mit bringt«, sagt Hildegard Löcherbach. »Wer alte Menschen führen will, sollte sich in sie hinein versetzen können. Das fällt 16-Jährigen deutlich schwerer, als 40-Jährigen, die vielleicht schon zu Hause pflegebedürftige Angehörige versorgen müssen«, so die angehende Altenpflegerin.

An zahlreichen Beispielen demonstrierten diese Schüler, wie der Alltag eines Altenpflegers aussieht und was er den Schülern abverlangt. Ganz wichtig dabei: den Menschen ganzheitlich sehen. Das wurde von allen Schülern immer wieder betont. Ganz anders ging es bei den Erziehern zu.

Die Theater-AG, bestehend aus Schülern und Lehrern, zeigte den Weihnachtssketch »Das Weihnachtsfest und andere Schwierigkeiten«, ein amüsantes Beispiel, wie Weihnachten den Bach runter gehen kann und welche Katastrophen das Fest der Feste bedrohen. Karin Brylla hat den Sketch mit den Schülern einstudiert.

Daneben gab es eine Kunstausstellung zum Thema Seidenmalen, eine Videogruppe versuchte in einem Film die gesamte Projektwoche in wesentlichen Ausschnitten zu dokumentieren. Dass Kinder ihre Umwelt anders wahrnehmen als Erwachsene, zeigte eine Gruppe in ihrem Fotoprojekt. Und schließlich hat sich eine Gruppe mit Raumgestaltung beschäftigt und einen Klassenraum nach lernpsychologischen Gesichtspunkten renoviert.

Die Projektgruppe »Rund um den Advent« war schließlich dafür zuständig, dass die Besucher am Präsentationstag auch etwas von der Adventsstimmung im Hause der BBS mitbekommen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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