Altes Krankenhaus gleich zweimal verkauft

Betreutes Wohnen in »Denkmal-Ruine«

Ex-Investor übt scharfe Kritik an der ev. Kirchengemeinde/Pläne bleiben bestehen

thor Kirchen. Der Gegensatz könnte nicht krasser ausfallen. Rundherum schmucke, zum Teil ganz neue Einfamilienhäuser mit gepflegten Außenanlagen, und in der Mitte ein wuchtiges Bauwerk, geprägt von bröckelndem Putz, mit von Brettern notdürftig verschlossenen Fenster und diversen Graffiti-Schmierereien an der Fassade. Das alte ev. Krankenhaus auf dem Brühlhof, einst eines der prächtigsten Gebäude in ganz Kirchen, will in diesem Zustand nicht so recht in das beschauliche Wohngebiet passen.

Dierig »sehr zufrieden«

Ein Abriss, wie es die ev. Kirchengemeinde Kirchen eigentlich vor Jahren geplant hatte, um anschließend auch diese Fläche für Neubauten zu veräußern, scheiterte bekanntlich am erbitterten Widerstand der Denkmalpfleger. Wie die SZ bereits im Juli dieses Jahres berichtete, hat die Kirchengemeinde zwischenzeitlich das alte Krankenhaus samt Grundstück verkauft – und dies zu einem »ganz normalen Preis«, wie Superintendent Eckhard Dierig nochmals betonte. Er sei mit dieser Lösung letztlich »sehr zufrieden«, habe man sich doch so einen jahrelangen Rechtsstreit mit endlosem Schriftverkehr erspart. »Außerdem können wir das Geld wieder in unsere diakonische Arbeit stecken.« Als letzte Formalie muss die ev. Kirchengemeinde nun noch ihren alten Widerspruch gegen die Unterschutzstellung des Gebäudes bei der Kreisverwaltung Altenkirchen förmlich zurückziehen.

Bei dem Investor stand bis jetzt immer der Name von Oliver Friedering aus Marl im Raum. Dieser hatte sich bereits 2001 intensiv um einen Erwerb des alten Krankenhauses bemüht, war jedoch zunächst nicht zum Zuge gekommen, weil – wie gesagt – die Kirchengemeinde bis zuletzt auf ein Anrücken der Abrissbagger gehofft hatte. Doch siehe da: Nach Angaben von Pfarrer Dierig hat Friedering die Immobilie zwar erworben, aber sofort nach Vertragsabschluss wieder weiterverkauft.

Nachträglich Courtage gefordert

»Das ist korrekt«, bestätigte der Marler der SZ. Er habe die Sache an einen »Freund« übergeben, der über mehr »personelle und finanzielle Ressourcen« verfüge. Friedering selbst ist auf die ev. Kirchengemeinde Kirchen mittlerweile ynicht mehr gut zu sprechen. Er sei »ziemlich gefoppt« und »in Finten gelockt« worden. So habe die Gemeinde stets beteuert, dass bei diesem Geschäft kein Makler im Spiel sei. Jetzt habe sich plötzlich die Westerwald-Bank gemeldet und eine erhebliche Courtage verlangt. Das Kreditinstitut hatte laut Friedring bereits die umliegenden Grundstücke vermarktet.

Er habe das Krankenhaus aber auch deshalb abgegeben, »weil es durch die langen Verhandlungen zu einem Zeitrahmen gekommen ist, in dem wir uns nicht mehr drehen und wenden konnten«. Sein persönliches Fazit: »Es ist wenig amüsant, mit der ev. Kirchengemeinde Kirchen Geschäfte zu machen.«

Nichtsdestotrotz: Auch der neue Investor hält an den altbekannten Ideen fest und will dafür offenbar einige Millionen Euro investieren: Das Krankenhaus soll zu einer Stätte für Betreutes Wohnen umgebaut werden. Es ist kein Geheimnis, dass der Bedarf nach solchen Einrichtungen in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist.

Erstes Gespräch mit Kreisverwaltung

Nach SZ-Informationen hat es in der Kreisverwaltung, wo die untere Landesdenkmalbehörde angesiedelt ist, bereits ein erstes Gespräch mit dem neuen Eigentümer gegeben. Die Praxis sieht allerdings so aus, dass ein Investor im Vorfeld eines Bauantrags mit dem zuständigen Gebietskonservator klärt, welche baulichen Veränderungen überhaupt möglich sind.

Hier könnte es allerdings zu kleinen Verzögerungen kommen: Dr. Günther Stanzl vom Landesamt für Denkmalpflege in Mainz kehrt nach einem Krankenhausaufenthalt erst im Januar wieder an seinen Arbeitsplatz zurück. Von dieser Seite dürfte der Investor allerdings kaum Schwierigkeiten erwarten, hatte der Gebietskonservator für den Kreis Altenkirchen doch die damaligen Umbau-Pläne von Friedering ausdrücklich begrüßt, was ihn im Gegenzug bei der Kirchengemeinde nicht gerade beliebt gemacht hatte.

Es ist also mehr als wahrscheinlich, dass die Bewohner des Brühlhofs in absehbarer Zukunft zwar mit größeren Bautätigkeiten konfrontiert werden, dafür später aber nicht mehr auf verrammelte Fenster schauen müssen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen