Am Ende konnten die meisten Sauen ihre Schwarte retten

An der Drückjagd im Revier Freusburg/Giebelwald beteiligten sich über 50 Schützen / Letzte große Gesellschaftsjagd für Forstdirektor Mario Schneiderhöhn

goeb Freusburg. Ein Lada, ein Jeep und ein grüner Peugeot suchen sich vor uns ein Plätzchen am Wegesrand. Es stehen schon jede Menge Autos herum, drüben vor der Grillhütte Freusburg, außerhalb des Dorfes, am Fuße der bewaldeten Rücken des Giebelwaldes, zucken die gelben Zungen eines Lagerfeuers durch die Fichtenstämme. Dort versammeln sich an diesem klaren Novembermorgen über 50 Jäger zur Drückjagd im Spätherbst.

Wechsel in die Westpfalz

Für Gastgeber Mario Schneiderhöhn, Direktor des Forstamts Kirchen, ist dieser Tag auch ein kleiner Abschied. Zum Januar wechselt der verdiente Forstmann in die Westpfalz, wo ihn neue Aufgaben erwarten. Als er auf eine Holzbank klettert, um die Regularien der Jagd auf Schwarz- und Rehwild, Fuchs und Hase, zu erläutern, klingt das an. Die Forstreform des Landes Rheinland-Pfalz macht aus den beiden Ämtern Kirchen und Altenkirchen eines. Eine Direktorenstelle entfällt. Viele bedauern, dass Schneiderhöhn gehen muss.

Neun Gruppenführer unterwegs

Schneiderhöhn, hört man aus den Gesprächen der Jäger heraus, habe Disziplin und Know-how auch in die Jagd gebracht. Eine Drückjagd in dieser Größenordnung muss bis ins Detail durchgeplant sein. Einige der Jagdgäste kommen aus dem Saarland, kennen die Örtlichkeiten also nicht. Neun Gruppenführer, allesamt Revierförster, postieren die Schützen einzeln auf den Ansitzen in dem rund 450 Hektar großen Forstrevier Freusburg/Giebelwald. Die Namen der Teilehmer und Gruppenführer werden verlesen, dann setzen sich die ersten in Bewegung.

Hunde jagen spurlaut

Die Hunde, vorwiegend kurzläufige Tiere wie Terrier und Dackel sowie zwei Deutsche Wachtel, fiebern dem Ereignis entgegen. Bald werden sie von der Leine genommen, nehmen die Wildfährten auf und jagen spurlaut. Das bedeutet: Der Hund sieht das Wild nicht, das Wild hört aber den Hund schon in einigen Hundert Metern Entfernung, es flüchtet nicht rasant, sondern »andante«, verhofft hier und da, lauscht, kommt vielleicht einem Schützen vors Gewehr und – hört im Idealfall (für den Schützen) nicht einmal mehr den Schuss, der es niederstreckt und in die ewigen Jagdgründe befördert.

Ouvertüre der Haubenmeise

Der heimischen Presse wird einer der erfahrensten Jäger an die Seite gestellt: Revierförster Udo Klein, zuständig für das Revier Wehbach. Sein erster Jahresjagdschein stammt aus dem Jahr 1958. Unser Ansitz ist eine hohe Kanzel auf einem Bergsattel. Man blickt in einem luftig aufgebauten Fichten-Altbestand. »Dschibürr-dschibürr«, singt uns die Haubenmeise eine Ouvertüre. Mehrere Stunden werden wir hier ausharren, der Ansitz ist vorerst nicht zu verlassen. Links von uns und achtern wächst reichlich Laubwald. Wir schieben aufblasbare Kissen zwischen die veralgten Sitzbretter und unsere Allerwertesten. Bald kriecht die Kälte in die Gummistiefel, die Sicht ist gut.

Auch draußen droht Gefahr

Es sei besser, ein oder zweimal im Jahr eine Drückjagd durchzuführen, als permanent zu jagen, meint Förster Klein. Schräg rechts vor uns befindet sich ein Fichtendickicht, der bevorzugte Aufenthaltsort für Sauen am Tag. Nur ungern verlassen die Schwarzkittel die sicheren Einstände, aber noch weniger gern legen sie sich mit den Hunden an. Irgendwie scheinen die schlauen Tiere aber zu wissen, dass auch draußen Gefahr droht. Wenn die Rotte ausbricht, werden die Schützen in zwei Kilometern Entfernung etwas davon haben. Auf Leitbachen zu schießen, ist verboten, das hatte Schneiderhöhn extra betont.

Keine Kugel verlässt den Lauf

Ein einzelner Treiber in der orangefarbenen Warnweste eines Autobahn-Straßenarbeiters wandert vorbei, ein Handytelefonat führend, ein Viertelstündchen später hört man einen Hund, und bald darauf ziehen zwei Rehe vorüber. Klein zieht mit seinem Gewehr mit, doch den K98 Mauser Repetierer verlässt keine Kugel. Zu sprunghaft sind die Tiere, um zwei Kitze vom Mai handelt es sich. Ein Schuss in dieser Situation wäre unwaidmännisch. Und fort sind sie.

Wenn die Drückjagd gut läuft, können die Jäger 50 Prozent des vorgeschriebenen Abschusses erledigen. Das Reh ist immer schwerer zu bejagen, seit der naturnahe Waldbau in Rheinland-Pfalz fruchtet. Überall findet es heute Äsung, wird der Unterwuchs dichter. Ließe man die Tiere unbejagt, versichert Klein, würde der Waldbau stark darunter leiden. Noch einmal ziehen die beiden Kitze vorüber, diesmal in die Richtung, aus der sie gekommen sind, und wieder bietet sich keine Gelegenheit für einen sicheren Schuss. Auch das einzelne Wildschwein, das durch den Laubwald zieht, verhofft zwar einmal, doch tut es das ausgerechnet hinter einem Baum. Als ahnte es die Bedrohung, zieht es hangabwärts, fort von uns.

Wildschwein offenbar verfehlt

Nicht das Hornsignal »Hahn in Ruh’« beendet die Drückjagd, sondern ein Blick auf die Uhr. Gruppenleiter Udo Klein fährt mit seinem Auto die Stellen ab, wo er seine Schützen postiert hatte. Einer von ihnen hat ein Reh geschossen, es liegt ohne Haupt, ansonsten aber noch nicht aufgebrochen am Rande eines Waldweges. Derselbe Mann hat auch einen Schuss auf ein Wildschwein abgegeben und es offenbar verfehlt. Den Anschuss soll er mit einem Taschentuch markieren, bespricht Klein mit ihm. Für eine spätere Kontrollsuche mit Hund.

Jäger schleppen die Beute heran

An der Grillhütte hat man wieder neue Scheite aufs Feuer geworfen. Am Bratwürstchenstand herrscht Gedränge. Man bespricht die Jagderlebnisse. Nach und nach fahren Autos vor, springen Kofferraumklappen auf und geben den Blick frei auf Plastikwannen, in denen Wild liegt. So schleppen die Jäger die Beute heran und legen sie in Reih und Glied auf ein Bett aus Fichtenzweigen. Auf vier Sauen und acht Rehe kommt die Strecke schließlich.

Mario Schneiderhöhn lässt sich von jedem Gruppenführer über Wildbewegungen und abgegebene Schüsse ins Bild setzen. Mit den Trefferergebnissen ist der Forstdirektor nicht zufrieden. Die Ausbeute an Wildsauen hätte besser sein können. »Der Ablauf der Jagd war recht gut«, gibt er zu verstehen. »Aber das Schwarzwild hat uns diesmal ein Schnippchen geschlagen.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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