Attraktives und »gesundes« Molzbergbad

Einstimmige Entscheidung im Aufsichtsrat:

Entwurf für rund 9,5 Mill. Euro genehmigt / Bis zum Baubeginn dauert es noch

thor Kirchen. Manchmal soll eine Reise nach Rom ja nachhaltig wirken. Wenn dem so ist, dann hat Werner Becker erneut den Beweis erbracht, dass es nie verkehrt ist, sich ins weltliche Zentrum des himmlischen Beistands zu begeben. Der 1. Beigeordnete der Verbandsgemeinde Kirchen verbrachte kürzlich einige Tage in der Ewigen Stadt - und gestern oblag ihm die Sitzungsleitung, als sich der Aufsichtsrat der kommunalen Freizeitbad GmbH im Kirchener Rathaus traf. Ob es am Ende nun der Einfluss Roms oder aber eine gewisse Einsicht der Kommunalpolitiker aus Betzdorf und Kirchen war, wird man letztlich nicht klären können. Fest steht: Auf dem Molzberg wird ein neues Bad gebaut. Der Aufsichtsrat einigte sich nach rund eineinhalbstündiger Beratungszeit einstimmig auf ein gemeinsames Konzept. Und wie die Siegener Zeitung bereits vor Wochen gemeldet hatte, bewegt sich der Kostenrahmen nun bei über 9 Mill. Euro, genauer gesagt bei 9,5 Mill. Euro.

Jedem Interesse Rechnung getragen

Dies ist der Preis der Wirtschaftlichkeit und Attraktivität, so sieht es jedenfalls die Unternehmensberatung Altenburg, die für die GmbH alle möglichen Varianten auf den Prüfstand gestellt hatte. Nach der Aufsichtsratssitzung erläuterte Becker zusammen mit seinem Betzdorfer Kollegen Bernd Rödder und Bad-Geschäftsführer Christoph Weber, wie man sich das neue Molzbergbad vorzustellen hat. Um es vorweg zu sagen: Prinzipiell wird jedem Interesse Rechnung getragen, nur Freunde rasanter Rutschpartien kommen nicht auf ihre Kosten, denn eine Höhenrutsche ist – bislang – nicht vorgesehen. Auch ein beheiztes Außenbecken ist definitiv ad acta gelegt – da ließen die Kirchener nicht mehr mit sich reden.

Im neuen Bad wird es ein ganz normales, 25 Meter langes Sportschwimmbecken mit Sprunganlage geben, auch und gerade für die Schulen und Vereine wie die DLRG. Darüber hinaus ist aber auch ein ca. 12 mal 8 Meter großes Mehrzweckbecken mit Hubboden (für eine unterschiedliche Wassertiefe) geplant. Aus gutem Grund: Denn das neue Bad soll nicht mehr seinen Schwerpunkt im Freizeitbereich finden, sondern ein Ort für Wellness, Fitness und Gesundheitsprävention werden. »Wir haben eine etwas andere Ausrichtung als früher«, erklärte Rödder. Man habe sich sehr genau die Bäder der Region angeschaut und versuche nun, mit dem neuen Angebot eine Lücke zu schließen. »Damit kommen wir auch der demographischen Entwicklung entgegen.« Wichtiger Bestandteil dieses Konzepts ist dabei besagtes Mehrzweckbecken, in dem u.a. diverse Kurse wie Aqua-Jogging und Gymnastik durchgeführt werden können.

Das zweite Standbein: Eine zwar funktionale, aber doch hoch moderne und differenzierte Saunalandschaft, mit der man sich zwar nicht mit den großen Thermen messen kann, die aber dennoch eigene Akzente setzen soll. Hier findet man tatsächlich ein Außenbecken, allerdings zum Schwimmen denkbar ungeeignet. Um das Angebot abzurunden, wird das neue Molzberg-Bad einen »großzügigen Eltern-Kind-Bereich« erhalten, und selbstverständlich müssen auch künftig die Gäste weder verhungern noch verdursten. Im Außenbereich soll sich ebenfalls etwas tun, auch wenn das Freibad komplett zurückgebaut wird. Der Entwurf sieht eine Art Erlebnis-Garten mit Spielgeräten vor. Wie gesagt, eine Rutsche werden die Architekten nicht einzeichnen, gleichwohl bestehen nach Angaben von Christoph Weber für die Zukunft weitere Optionen der Attraktivitätssteigerung – wenn sie denn wirtschaftlich zu vertreten sind.

Verflossene Zeit nicht nutzlose Zeit

Nun war natürlich gestern Abend auch der Spruch »Hätte man das nicht früher haben können?« zu hören, bei dem sich vor allem Bernd Rödder ein leichtes Schulterzucken nicht verkneifen konnte. »Die verflossene Zeit war keine nutzlose Zeit und hat auch zu positiven Ergebnissen geführt«, stellte Werner Becker klar und erinnerte nochmals an der Trägerwechsel von Stadt auf VG Kirchen. Die Frage, wie denn die Kirchener Vertreter des Aufsichtsrats mit den 9,5 Mill. Euro umgegangen seien, blieb indes unbeantwortet. »Der Aufsichtsrat hat in neuer Besetzung die Konzeption einstimmig beschlossen«, merkte Becker knapp an. Er fügte allerdings hinzu, dass die »dickste Kröte« die Stadt Kirchen zu schlucken habe. »Wir hoffen nun auf großzügigste Landes- und Kreiszuschüsse«, sagte der Kirchener Beigeordnete. Dabei ist der gestrige Beschluss wohlgemerkt an keine Förderzusage gekoppelt. Es dürfte auch mehr als fraglich sein, ob Innenminister Karl Peter Bruch bei seinem morgigen Besuch in Wissen und auf dem Molzberg bereits mit konkreten Zusagen aufwartet. Wenn, dann werden wohl zunächst die Wissener in den Genuss von Mitteln aus Mainz kommen.

Europaweite Ausschreibungen

Wie geht es weiter? Das Büro Famis, das einst die verschiedenen Varianten für das Molzberg-Bad erarbeitet hatte, wird nun seine Planungen gemäß des Aufsichtsratsbeschlusses anpassen. Bis zur Planungsphase IV sitzt Famis noch mit im Boot, dann kommt es – grünes Licht aus beiden Verbandsgemeinden vorausgesetzt – zu europaweiten Ausschreibungen, dies allerdings frühestens Mitte nächsten Jahres. Auch ein Abriss des alten Hallenbad-Traktes ist momentan noch nicht in Sicht. Was künftig mit dem nicht mehr genutzten Außengelände passiert, darüber ist noch nicht konkret nachgedacht worden. So werden die Wildschweine noch einen ungestörten Winter auf der alten Liegewiese verleben, und der SZ-Redakteur wird in einem Jahr zwei Kerzen anzünden – dann aber in der Gewissheit, dass aus dem Schmuddelkind bald wieder eine stattliche Erscheinung wird.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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