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Gewerbegebiet Brachbach
Ausbau der Austraße schürt Existenzängste

Wer ins Brachbacher Gewerbegebiet will, muss zwingend über die Austraße fahren. Wenn die aber ausgebaut wird, ist die direkte Zufahrt gekappt – und das stößt bei den Unternehmern auf wenig Gegenliebe.
  • Wer ins Brachbacher Gewerbegebiet will, muss zwingend über die Austraße fahren. Wenn die aber ausgebaut wird, ist die direkte Zufahrt gekappt – und das stößt bei den Unternehmern auf wenig Gegenliebe.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Brachbach. Die Stimmung im Brachbacher Gewerbegebiet ist angespannt: Viele Unternehmer sehen mit großer Sorge dem geplanten Ausbau der K97 entgegen. Denn während der Bauzeit, die auf sieben Monate geschätzt wird, wird das Gewerbegebiet praktisch vom Ort abgeschnitten sein: Die direkte Zuwegung wird nach aktueller Planung dicht sein, die Umleitung würde einen gewaltigen Umweg über Kirchen und Katzenbach bedeuten. Und offenbar gibt es Betriebe, denen diese Einschränkung an die Substanz gehen könnte.
Anbindung an das Gewerbegebiet Brachbach schon jetzt mangelhaft
„Einige Unternehmer sind stinksauer. Denn da hängt ganz viel von ab: Da gibts Betriebe, die überleben das nicht“, sagte Stephan Pfeifer am Dienstagabend im Brachbacher Bauausschuss.

damo Brachbach. Die Stimmung im Brachbacher Gewerbegebiet ist angespannt: Viele Unternehmer sehen mit großer Sorge dem geplanten Ausbau der K97 entgegen. Denn während der Bauzeit, die auf sieben Monate geschätzt wird, wird das Gewerbegebiet praktisch vom Ort abgeschnitten sein: Die direkte Zuwegung wird nach aktueller Planung dicht sein, die Umleitung würde einen gewaltigen Umweg über Kirchen und Katzenbach bedeuten. Und offenbar gibt es Betriebe, denen diese Einschränkung an die Substanz gehen könnte.

Anbindung an das Gewerbegebiet Brachbach schon jetzt mangelhaft

„Einige Unternehmer sind stinksauer. Denn da hängt ganz viel von ab: Da gibts Betriebe, die überleben das nicht“, sagte Stephan Pfeifer am Dienstagabend im Brachbacher Bauausschuss. Er ist selbst Geschäftsführer eines Betriebs an der Industriestraße, er hat mit seinen Nachbarn gesprochen – und dabei hat er offenbar überall sehr ähnliche Töne zu hören bekommen.
Die Klagen sind auch bei Ortsbürgermeister Steffen Kappes und dem Kirchener Wirtschaftsförderer Tim Kraft angekommen. Auch Kappes sagte, „dass eine Umleitung über sieben Monate bei einigen Betrieben zu Existenzängsten führt“.
Aber schon jetzt, vor der geplanten Bauphase, ist die Anbindung des Gewerbegebiets alles andere als zufriedenstellend – nicht nur für die Gewerbetreibenden selbst. Auch die Anlieger der Büdenholzer Straße und der Austraße sind angesichts des Lkw-Verkehrs vor ihrer Haustür alles andere als begeistert, und nicht zufällig wird beim geplanten Ausbau immer wieder darüber diskutiert, die Straße zu verbreitern.

Erschließungsstraße als Alternative?

Dabei gibt es durchaus eine Alternative, und die stand am Dienstagabend im Ausschuss auf der Tagesordnung: eine eigene Erschließungsstraße für das Gewerbegebiet, die an der B62 anschließt und hinter den Wohngebieten hinab direkt ins Gewerbegebiet führt.
Ganz neu ist diese Überlegung freilich nicht – 2018 wurde das Thema schon einmal intensiv beraten. Damals ging es aber auch darum, in einem Zuge direkt neue Gewerbeflächen zu schaffen, und zwar oberhalb der Industriestraße am Hang, direkt an der neuen Erschließungsstraße gelegen.
Zwar steht diese Variante nach wie vor im Raum – aber die zusätzlichen Gewerbeflächen haben für die Gemeinde keine Priorität mehr. So stellte Kappes klar: „Ob da irgendwann mal irgendwelche Flächen bebaubar sind, steht auf einem ganz anderen Blatt. Jetzt geht es darum, endlich eine vernünftige Anbindung für das Gewerbegebiet zu schaffen.“

Alleine der Weg zum Baurecht ist zäh

Nun kann man sich an zwei Fingern abzählen, dass eine solche Erschließungsstraße nicht im Eilverfahren realisiert werden kann. Schon der Weg zum Baurecht ist zäh: Laut Wirtschaftsförderer Tim Kraft müssten „50, 60 Behörden und Stellen“ angehört werden. Und dass die Straße über einen Tunnel der Siegstrecke führen und damit die Bahn mit am Verhandlungstisch sitzen würde, dürfte den Bau kaum einfacher machen.
Wie also soll die Erschließungsstraße so schnell fertig sein, dass die siebenmonatige Umleitung eben nicht zum Problem wird? Indem der Ausbau der Austraße verschoben wird. Dieses Planspiel ließ Kappes anklingen.
Seiner Einschätzung nach würden nicht nur die Gewerbetreibenden von diesem Aufschub profitieren: Wenn die Austraße erst dann ausgebaut würde, wenn sie nicht mehr als Hauptzuwegung zum Gewerbegebiet dienen muss, könnte der Ausbau schlanker ausfallen. Damit würde der Kreis als Bauträger Geld sparen. Und die Gemeinde könnte sich manch zähe Grundstücksverhandlung sparen, weil die Straße nicht mehr auf Biegen und Brechen so breit wie möglich gebaut werden müsste.
Natürlich lässt sich die neue Erschließung nur im Einklang mit dem Landesbetrieb Mobilität realisieren – aber die Straßenbaubehörde ist laut Kappes gesprächsbereit. „Wir haben schon Gespräche geführt, aber der LBM braucht etwas Greifbares“, führte der Ortsbürgermeister aus. Soll heißen: Die Gemeinde muss aktuelle Planunterlagen nach Diez liefern.

Einigen Politikern geht es nicht schnell genug

Den entsprechenden Planungs-Auftrag hat der Ausschuss aber noch nicht vergeben – obwohl Konsens war, dass mit Blick auf die missliche Lage der Unternehmen die Zeit drängt. Aber: Zuerst sollen alle Rats- und Ausschussmitglieder noch einmal in die Pläne aus dem Jahr 2018 einsteigen, bevor auf dieser Basis weitergearbeitet wird.
Einigen Ratsmitglieder ging das nicht schnell genug – so monierte Reinhard Zöller, dass „wir alles blockieren, wenn wir hier nicht endlich vorwärts kommen“. Und auch Stephan Pfeifer mahnte mit Blick auf die angespannte Situation vieler Betriebe: „Hier geht’s um bares Geld für das Dorf.“
Aber: Die Mehrheit stimmte dafür, noch einmal in die alten Pläne einzusteigen und erst in der nächsten Sitzung den Planungsauftrag zu vergeben.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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