SZ

Massive Bedenken gegen Pläne im Mudersbacher Ortskern
Autohandel als „Fremdkörper“

Schon jetzt dient der ehemalige Depot-Markt in Mudersbach als Garage. Der Besitzer würde nun gerne noch auf dem Parkdeck einen Kfz-Handel einrichten. Dagegen äußert die Kirchener Verwaltung schwerwiegende Bedenken. Foto: thor
  • Schon jetzt dient der ehemalige Depot-Markt in Mudersbach als Garage. Der Besitzer würde nun gerne noch auf dem Parkdeck einen Kfz-Handel einrichten. Dagegen äußert die Kirchener Verwaltung schwerwiegende Bedenken. Foto: thor
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Mudersbach. Es ist ein Verfahren – besser gesagt ein Streit –, der schon seit rund einem Jahr hinter den Kulissen schwelt, nun aber erstmals öffentlich im Ortsgemeinderat aufschlägt. Dabei steht die Frage im Raum: Ist ein Autohandel mitten im alten Ortskern von Mudersbach und direkt angrenzend zu Wohngebieten zulässig bzw. wünschenswert? Konkret geht es im schönsten Verwaltungsdeutsch um die „Erteilung einer Zulassung zu einer Abweichung zur Veränderungssperre zum Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans 1. Änderung Ortsmitte Mudersbach“. Zwar gilt die Ortsgemeinde Mudersbach eigentlich seit Jahren als extrem gewerbefreundlich, diesmal allerdings könnte es eine Ausnahme vom Selbstverständnis geben.

thor Mudersbach. Es ist ein Verfahren – besser gesagt ein Streit –, der schon seit rund einem Jahr hinter den Kulissen schwelt, nun aber erstmals öffentlich im Ortsgemeinderat aufschlägt. Dabei steht die Frage im Raum: Ist ein Autohandel mitten im alten Ortskern von Mudersbach und direkt angrenzend zu Wohngebieten zulässig bzw. wünschenswert? Konkret geht es im schönsten Verwaltungsdeutsch um die „Erteilung einer Zulassung zu einer Abweichung zur Veränderungssperre zum Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans 1. Änderung Ortsmitte Mudersbach“. Zwar gilt die Ortsgemeinde Mudersbach eigentlich seit Jahren als extrem gewerbefreundlich, diesmal allerdings könnte es eine Ausnahme vom Selbstverständnis geben.

Orte des Geschehens sind der ehemalige Depot-Markt und das Parkdeck an der B 62 und am Hohlweg. Die Immobilien waren 2017 nach längerem Leerstand von einem privaten Investor erworben worden. Aus dem ehemaligen Ladenlokal ist inzwischen eine Garage geworden. Das ist für jedermann erkennbar, wenn das Rolltor oben ist.

Schon im Februar 2019 hatte der Eigentümer in einem Schreiben an die Verwaltung erklärt, dass dort fünf bis sechs versicherte Kraftfahrzeuge abgestellt werden sollen, wie aus der Vorlage für die Ratsmitglieder hervorgeht. Zusätzlich sollen hier nicht angemeldete Oldtimer untergebracht werden. Das Abstellen von Rennwagen ohne Straßenzulassung sei demnach nicht vorgesehen.

Während der alte Supermarkt also schon de facto umfunktioniert wurde, gibt es weitreichendere Pläne für das obere Parkdeck: Hier möchte der Investor nach Angaben der Verwaltung einen Kfz-Handel etablieren. Dabei lägen allerdings keinerlei Angaben zu den Fahrzeugtypen und den Größen vor.

Nun liegt das Areal in einem Mischgebiet innerhalb des Bebauungsplans „Ortsmitte Mudersbach“. Dessen Ziel ist es, „den zentralen historisch geprägten Bereich des Ortszentrums in seiner Funktionalität und gestalterischen Qualität zu sichern, der auch der Versorgung der Bevölkerung hinsichtlich des täglichen Bedarfs dient“. Eine gewerbliche Nutzung in Form eines Autohandels stelle hier einen „unangemessenen Fremdkörper“ dar, heißt es in der Vorlage weiter. Der Mudersbacher Rat hatte noch im Februar auf das Vorhaben reagiert und eine Veränderungssperre für den Planbereich erlassen.

Schon gegen die Nutzung des Gebäudes als Garage bestehen Bedenken. Insbesondere die Wartung und Reparatur von Oldtimern könnten zu höheren Lärmemissionen führen und damit in Mischgebieten unzulässig sein, da negative Auswirkungen auf die benachbarten Wohngebiete nicht auszuschließen sein.

Was den Fahrzeughandel angeht, verweist die Verwaltung darauf, dass die Zufahrt nur über den Hohlweg mitten durch ein Wohngebiet erfolgen kann. In einem üblichen Mischgebiet mit entsprechendem Lärmpegel wäre ein kleinerer Handelsbetrieb für Pkw grundsätzlich zulässig, da dieser als nicht wesentlich störender Gewerbebetrieb zu betrachten sei. Anders sei ein Fall gelagert, wenn man von atypischen Störungen ausgehen müsse. Dies treffe dann zu, wenn sehr laute Fahrzeugtypen angeboten und Probe gefahren werden sollen. Aufgrund der fehlenden Spezifizierung der im Antrag genannten Fahrzeuge sei es daher problematisch, das beantragte Vorhaben in dem sehr ruhigen Mischgebiet zu genehmigen. Anders ausgedrückt: Hier werde das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme verletzt. Die Lärmbelästigungen für die Anwohner seien unzumutbar, so die Einschätzung der Verwaltung.

Um eine abschließende planungsrechtliche Beurteilung vornehmen zu können, müsste der Antragsteller ohnehin seine Angaben zu den Fahrzeugarten konkretisieren. Und nicht zuletzt wird daran erinnert, dass auch die örtlichen Bauvorschriften gewahrt bleiben müssten. Diese beinhalteten, dass „Garagentore und sonstige Tore nur in Holz auszuführen sind. Fenster und Eingangstüren sind in Größe, Maßstab und Gestaltung dem Charakter des Gebäudes sowie des Straßenbildes anzupassen. Außentüren sind in Holzbauweise herzustellen…“ Der Antragsteller habe aber bereits ein Tor und eine Tür aus Stahl anstelle von Holz eingebaut. „Dieser Abweichung sollte jedoch im historischen Ortskern von Mudersbach nach hiesiger Einschätzung nicht entsprochen werden, da sie sichtlich den Charakter des gepflegten Ortsbildes beeinträchtigt und den Zielen des Bebauungsplanes, diesen Charakter zu bewahren, gerade entgegensteht.“ Die logische Empfehlung der Verwaltung an den Gemeinderat ist demnach, das beantragte Bauvorhaben zurückzuweisen bzw. keine Abweichung von der Veränderungssperre zuzulassen.

Ortsbürgermeister Maik Köhler wollte gegenüber der SZ aufgrund des laufenden Verfahrens keine Einschätzung und Stellungnahme abgeben und auch nicht der Diskussion vorgreifen. Fakt sei aber, dass es unterschiedliche Rechtsauffassungen gebe.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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