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Wald- und Wildnis-Schule in Harbach geplant
Beim „Yellowstone“ soll es nicht bleiben

Heinrich Oehm kann sich eigentlich – trotz Corona-Krise – zufrieden zurücklehnen. Doch das „Yellowstone“ soll nicht das einzige Projekt bleiben, mit dem er sich in Harbach verwirklichen will.  Fotos: thor
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  • Heinrich Oehm kann sich eigentlich – trotz Corona-Krise – zufrieden zurücklehnen. Doch das „Yellowstone“ soll nicht das einzige Projekt bleiben, mit dem er sich in Harbach verwirklichen will. Fotos: thor
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thor Harbach. Als Heinrich Oehm vor zweieinhalb Jahren mit seinen Plänen und Ankündigungen in Harbach aufschlug, da gehörten hochgezogene Augenbrauen und Stirnfalten plötzlich zum Straßenbild im kleinen Dorf. Zu gewagt, zu ehrgeizig erschien manchen das, was der Düsseldorfer da aus der alten Gaststätte Löcherbach machen wollte. Längst aber müssen auch die größten Bedenkenträger und Skeptiker den Hut – pardon, natürlich den Federschmuck – vor Oehm ziehen: Das „Yellowstone“ ist binnen kürzester Zeit zu einem Begriff im Grenzgebiet von Siegerland, Westerwald und Wildenburger Land geworden.

Doch der Gastronom ist noch nicht am Ende seiner Reise angekommen. Sein nächstes Ziel: Die Errichtung einer pädagogischen Natur- und Wildnis-Schule in Harbach.

thor Harbach. Als Heinrich Oehm vor zweieinhalb Jahren mit seinen Plänen und Ankündigungen in Harbach aufschlug, da gehörten hochgezogene Augenbrauen und Stirnfalten plötzlich zum Straßenbild im kleinen Dorf. Zu gewagt, zu ehrgeizig erschien manchen das, was der Düsseldorfer da aus der alten Gaststätte Löcherbach machen wollte. Längst aber müssen auch die größten Bedenkenträger und Skeptiker den Hut – pardon, natürlich den Federschmuck – vor Oehm ziehen: Das „Yellowstone“ ist binnen kürzester Zeit zu einem Begriff im Grenzgebiet von Siegerland, Westerwald und Wildenburger Land geworden.

Doch der Gastronom ist noch nicht am Ende seiner Reise angekommen. Sein nächstes Ziel: Die Errichtung einer pädagogischen Natur- und Wildnis-Schule in Harbach. Die hat Oehm schon mit seinen „Yellowstone“-Indianern als eingetragener Verein im Düsseldorfer Stadtteil Flingern sehr erfolgreich betrieben. Um die Erlebnis-Schule zu realisieren, sind allerdings noch einige Hürden zu nehmen – ein zentrales Problem ist dabei die nicht vorhandene Busanbindung.

Dabei könnte sich der Wirt eigentlich auf dem bislang Erreichten mehr als ausruhen. „Alles, was ich mir vorgenommen hatte, habe ich durchgezogen“, sagt er nicht ohne Stolz. Der vielleicht bemerkenswerteste Aspekt: Aus der traditionsreichen Gastwirtschaft ist ein Treffpunkt für alle Generationen geworden. Hier kehren Senioren zum Kaffeetrinken oder Frühschoppen genauso wie feierfreudige Jungspunde ein. Speziell für die hat Oehm in der alten Backstube und dem Mehllager Räume hergerichtet. Auch das Außengelände mit seinem Biergarten und dem Grillplatz ist kaum mehr wiederzuerkennen. Und welche Kneipe kann schon von sich behaupten, über „Stellplätze“ für Ross und Reiter zu verfügen? Nichts erinnert mehr an manch unliebsame Überraschung bei der Sanierung bzw. an diverse Hinterlassenschaften des belgischen Vorbesitzers.

Klar reißt auch in Harbach die Corona-Krise ein tiefes Loch in die Kasse, doch im Gegensatz zu manchen Kollegen hat Oehm Platz in Hülle und Fülle, um jede Abstandsregel einhalten zu können.

Keine Frage: Im „Yellowstone“ wird an den Wochenenden gerne gefeiert. Nicht nur mit Mineralwasser und Cola. Wer sich aber als Nicht-Harbacher dann ohne Auto auf den Heimweg machen will, schaut schon mal ziemlich belämmert drein. Denn zu später Stunde fehlt an Wochenenden von Bussen im Dorf jede Spur. Dabei verkehrt nicht weit entfernt im Asdorftal der Nachtbus zwischen Kirchen und Freudenberg.

Das weiß natürlich auch Oehm. Und so würde er sich wünschen, dass dieser auf seiner letzten Fahrt nach 23 Uhr auch einen Schlenker über Harbach fahren würde. „Der muss ja nicht alle zehn Minuten hier halten“, sagt der Gastronom, auch wenn er sich eine durchaus regelmäßige Anbindung wünschen würde. Seinen Schilderungen zufolge ist es schon mehr als einmal zu brenzligen Situationen gekommen, wenn sich Gäste zu Fuß auf den Heimweg entlang der Landstraße gemacht haben.

Oehm sieht eine gute Busanbindung zudem als elementare Voraussetzung, um sein nächstes großes Projekt umzusetzen: die Wald- und Wildnis-Schule. Die Verhandlungen über eine weitere Immobilie sind weit fortgeschritten. Hier soll – als Ergänzung zum „Yellowstone“ im Wochenendbetrieb – unter der Woche Lebenswerk Teil 2 entstehen. Zielgruppe sind in erster Linie Kinder (Kitas und Schulklassen), die hier im Zeltlager oder im Wald ein paar naturnahe und lehrreiche Tage verbringen können. Teilweise habe man in den Ferien in Düsseldorf bis zu 100 Kinder begrüßen können, berichtet Oehm. „Das hat ihnen immer viel Spaß gemacht.“

Etliche Materialien sind derzeit noch eingelagert und warten darauf, wieder ans Tageslicht geholt zu werden. Auch die Greifvögel sind derzeit noch in der Station Hellenthal in der Eifel untergebracht, sie würden dann in Harbach eigene Volieren erhalten. In der neuen Immobilie, so die Vision Oehms, könnte ein kleines Museum unter dem Motto „Jagd früher und heute“ eingerichtet werden. Was ihm ganz wichtig ist: „Das ist kein Park, sondern eine Bildungsstätte.“ Daher werde es auch keine Konkurrenz zum Tierpark Niederfischbach geben. Zweifellos sind das alles hochtrabende Pläne – aber das waren sie auch beim „Yellowstone“.

Oehm hofft dabei erneut auf die Unterstützung in den Verwaltungen: „Dort bin ich bislang immer auf offene Türen gestoßen.“ Gerade auch für das so oft gescholtene Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Kirchen hat er viel Lob übrig. Wirtschaftsförderer Tim Kraft ist bereits informiert worden. „Was er dort geleistet hat, spricht für sich“, kommt das Gegen-Lob an Oehm zurück. Seine Aufgabe werde nun die sein, sämtliche Behörden ausfindig zu machen, die beteiligt werden müssten, so Kraft. Eine solche Waldschule könne aber definitiv ein touristisches Highlight für die Region werden.

Doch wie gesagt: Die „Schüler“ müssten Harbach auch gut mit dem Bus erreichen können, sonst mache das Ganze wenig Sinn, so Oehm, der sich regelmäßig über die menschenleeren Busse auf den Straßen ärgert.

Ortsbürgermeister Andreas Buttgereit hat die Sache auf dem Schirm: „Ich habe schon Gespräche geführt und ich werde noch Gespräche führen.“ Dabei gehe es ihm nicht nur um die Interessen Oehms, sondern des ganzen Dorfes. Hier müsse die Bus-Situation „verändert“ werden, betonte Buttgereit. Verschärft werde die Problematik aber auch dadurch, dass kaum noch Taxis Harbach anfahren würden.

Sah der Ortsbürgermeister im Telefonat mit der SZ noch durchaus Chancen, den Nachtbus in den Ort zu holen, folgte wenig später ein herber Dämpfer. „Aus wirtschaftlichen Gründen lässt sich das nicht darstellen“, sagte der 1. Kreisbeigeordnete Tobias Gerhardus, zuständig für den ÖPNV. Eine Änderung des Fahrplans sei derzeit nicht vorgesehen. Und tagsüber werde Harbach ja auch im Zwei-Stunden-Takt bedient. Wenn Oehm und die vielen Freunde des „Yellowstone“ jetzt mal nicht das Kriegsbeil auspacken...

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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