SZ

Gemeinsame Ziele fehlen
BI Wildenburger Land steht vor einer Zerreißprobe

Wie entwickelt sich das Wildenburger Land? Diese Frage treibt die BI Wildenburger Land um: Sich allein auf den Kampf gegen Windräder zu beschränken, reicht Christoph Gehrke und Udo Otterbach nicht aus. Aber sieht die große Mehrheit der Mitglieder das auch so?
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Der BI fehlt es nicht nur an Aktivposten, sondern vor allem an gemeinsamen Zielen.

Der BI fehlt es nicht nur an Aktivposten, sondern vor allem an gemeinsamen Zielen.

damo Friesenhagen. Auf den ersten Blick sieht's für die BI Wildenburger Land richtig gut aus: 650 Menschen haben sich ihr angeschlossen, und trotz intensiver Bemühungen aus dem Schloss Schönstein ist rund um Friesenhagen noch kein einziges Windrad gebaut worden. Trotzdem steht die Bürgerinitiative vor einer Zerreißprobe mit ungewissem Ausgang − es ist keineswegs ausgeschlossen, dass in wenigen Wochen die Arbeit von sieben Jahren für beendet erklärt wird.

Warum das so ist? Die beiden Sprecher Christoph Gehrke und Udo Otterbach liefern im Gespräch mit der SZ eine Erklärung. Der Druck von außen werde immer größer, es müsse also immer mehr Kraft aufgebracht werden, um dagegenzuhalten. Und gleichzeitig fehle es nicht nur an Menschen, die tatkräftig mitanpacken, sondern vor allem an gemeinsamen Zielen. Denn Gehrke und Otterbach, die beiden Aktivposten der vergangenen Jahre, wollen die Arbeit der BI nicht auf den Kampf gegen Windräder vor der eigenen Haustür reduzieren. 

BI Wildenburger Land: nicht nur gegen Windräder

Sie stehen für weit mehr: Sie wollen den Charakter und die Natur des Wildenburger Landes erhalten, sie positionieren sich gegen Flächenfraß und ungebremstes Wachstum. Sie sehen ihre Heimat am Scheideweg: Bleibt das Wildenburger Land ein ländlich geprägter Erholungsraum, in dem Menschen und Tiere noch Ruhe finden? Oder wird das Landschaftsschutzgebiet sukzessive ausgehöhlt, bis irgendwann Gewerbeflächen im Tal und Windräder auf den Höhenzügen dominieren?

Also opponieren die beiden führenden Köpfe der BI nicht nur gegen Windräder, sondern z.B. auch gegen neue Gewerbeflächen in Friesenhagen. Und zugleich fordern sie ein Umdenken: "Die eine Energiequelle durch eine andere zu ersetzen, löst nicht die Probleme. Dazu brauchen wir einen anderen Lebensstil", sagt Gehrke: "Maß halten und Genügsamkeit leben: Es wird nur so gehen." Aber sehen die vielen anderen BI-Mitglieder das auch so?

BI Wildenburger Land: Christoph Gehrke legt Amt nieder

Um das zu erfahren, um sich also ein Mandat für die künftige inhaltliche Arbeit abzuholen, hat die BI vor einigen Tagen all ihre Mitglieder und zugleich alle Interessierten zu einem Treffen eingeladen. Erschienen sind gerade einmal 35, und etliche davon kamen aus den Reihen anderer BIs oder Naturschutzorganisationen. "Das kam nicht überraschend, ist aber trotzdem enttäuschend", sagt Otterbach. Insbesondere die Tatsache, dass kein einziges Mitglied des Gemeinderats anwesend war, bewerten Gehrke und Otterbach als ernüchternd. "Schließlich setzen wir uns für das Gemeinwohl ein", meint Gehrke und verweist darauf, dass die BI im Kampf gegen die Windräder immer wieder an der Seite der Gemeinde gestanden habe.

Aber alles, was über diesen Kampf gegen die Windräder hinausgeht, zählt offenbar nicht zur gemeinsamen Schnittmenge. Christoph Gehrke zieht daraus die Konsequenz: Er legt sein Amt als Sprecher nieder, das Gespräch mit der SZ war seine letzte Amtshandlung. "Es ist deutlich geworden, dass viele Mitglieder lediglich Windräder vor ihrer Haustür verhindern wollen. Aber das ist mir zu wenig, dazu muss ich mich zu sehr verbiegen." Denn Gehrke ist davon überzeugt, dass es nicht zum Ziel führen kann, allein gegen Windräder zu kämpfen: "Das industrielle Niveau zu halten oder gar auszubauen, ist nicht möglich, weil sich die benötigten Rohstoffe und die Energie nicht sauber produzieren lassen."

BI Wildenburger Land: breite Beteiligung der Bevölkerung nötig

Udo Otterbach sieht das ähnlich, weiß aber auch: Würden beide Sprecher gleichzeitig ihren Rücktritt erklären, drohe der BI ein jähes Ende − schließlich haben er und Gehrke viel Zeit und viel Kraft in die Arbeit gesteckt, ein Netzwerk an Kontakten aufgebaut, viel Fachwissen eingebracht. Otterbach will erst Ende Juni entscheiden, ob er weiter für die BI-Arbeit zur Verfügung steht.

Diese Entscheidung wird er vom Verlauf der nächsten Wochen abhängig machen. Er hat klare Vorstellungen: Zum einen dürfe sich die BI inhaltlich nicht beschneiden, indem sie nur gegen Windräder kämpft. Vor allem aber benötige die BI mehr Unterstützer. Denn Habecks Osterpaket, vereinfachte Genehmigungsverfahren im Baurecht, aber auch etliche geplante Infrastrukturmaßnahmen in der eigenen Gemeinde lassen die BI-Arbeit laut Otterbach und Gehrke immer herausfordernder werden. "Alle Dämme drohen zu brechen. Mit den bisherigen Methoden des Widerstands werden wir kaum mehr etwas erreichen." Jetzt brauche es eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit: "Bei all dem geht es nicht um uns, sondern um die Bevölkerung", stellt Otterbach klar: "Wenn die nicht aufsteht: Wofür soll die BI dann weitermachen?"

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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