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Windkraft im Siegtal und im Wildenburger Land
Bürgerinitiativen lassen nicht locker

Der Kirchener Verbandsgemeinderat hat entschieden: Im Wildenburger Land werden keine Vorrangflächen für die Windenergie ausgewiesen. Allerdings: Auch künftig sind Einzelanträge möglich, und zwar in der gesamten Verbandsgemeinde. Das wissen auch die Vertreter der BI Siegtal und der BI Wildenburger Land: Sie wollen aktiv bleiben.
  • Der Kirchener Verbandsgemeinderat hat entschieden: Im Wildenburger Land werden keine Vorrangflächen für die Windenergie ausgewiesen. Allerdings: Auch künftig sind Einzelanträge möglich, und zwar in der gesamten Verbandsgemeinde. Das wissen auch die Vertreter der BI Siegtal und der BI Wildenburger Land: Sie wollen aktiv bleiben.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Friesenhagen/Brachbach. Keine Windkraft-Vorrangflächen im Wildenburger Land: Das hat der VG-Rat Kirchen nach jahrelangen Beratungen und unzähligen Gutachten entschieden. Das klingt aus Sicht der Bürgerinitiativen erst einmal erfreulich – aber das ist zu kurz gedacht.
Windkraft-Investoren können jetzt überall ihr Glück versuchen
Denn auch ohne Vorrangflächen können potenzielle Investoren weiterhin Einzelanträge stellen. Und: Je nach politischer Großwetterlage könnten sich die Spielregeln für die Errichtungen von Windparks ändern. Wer kann schon ausschließen, dass in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels nicht in Berlin oder Mainz über andere Abstandsregeln nach gedacht wird? Oder dass der Rotmilan vielleicht irgendwann als Bauernopfer in Kauf genommen wird? Kein Wunder also, dass die Aktiven im Friesenhagener Land und im Siegtal weit davon entfernt sind, die Hände in den Schoß zu legen.

Windräder in Friesenhagen weiterhin als Streitthema
Zuerst richtet die SZ den Blick nach Friesenhagen, wo

damo Friesenhagen/Brachbach. Keine Windkraft-Vorrangflächen im Wildenburger Land: Das hat der VG-Rat Kirchen nach jahrelangen Beratungen und unzähligen Gutachten entschieden. Das klingt aus Sicht der Bürgerinitiativen erst einmal erfreulich – aber das ist zu kurz gedacht.

Windkraft-Investoren können jetzt überall ihr Glück versuchen

Denn auch ohne Vorrangflächen können potenzielle Investoren weiterhin Einzelanträge stellen. Und: Je nach politischer Großwetterlage könnten sich die Spielregeln für die Errichtungen von Windparks ändern. Wer kann schon ausschließen, dass in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels nicht in Berlin oder Mainz über andere Abstandsregeln nach gedacht wird? Oder dass der Rotmilan vielleicht irgendwann als Bauernopfer in Kauf genommen wird? Kein Wunder also, dass die Aktiven im Friesenhagener Land und im Siegtal weit davon entfernt sind, die Hände in den Schoß zu legen.

Windräder in Friesenhagen weiterhin als Streitthema

Zuerst richtet die SZ den Blick nach Friesenhagen, wo der Beschluss des VG-Rats als Etappensieg wahrgenommen wird. „Die Entscheidung überrascht uns nicht, schließlich haben wir dazu beigetragen, dass geltendes Recht umgesetzt wird“, meint Sprecher Christoph Gehrke. Er ist sich sicher: „Ohne die BI stünden die Windräder schon im Wildenburger Land.“
Stattdessen aber sei jetzt der letzte fehlende Stein ins Mosaik gesetzt worden: „Jetzt haben wirklich alle Ebenen deutlich gemacht, dass hier keine Windräder hingehören“, bilanziert Udo Otterbach. Und Gehrke liefert die passende Aufzählung zu dieser Einschätzung: „Als 2015 die Pläne der Altus AG auf den Tisch gekommen sind, hat sich zuerst die Bevölkerung gegen das Projekt gestellt“, sagt er mit Verweis auf über 1100 ablehnende Unterschriften und 650 BI-Mitglieder. Gleiches gelte für die Naturschutzverbände, die frühzeitig Kante gezeigt haben. Auch die Ortsgemeinde habe sich klar gegen einen Windpark positioniert, später der Kreis mit seinem ablehnenden Bescheid. Und nun auch noch die Verbandsgemeinde.
„Damit haben alle Ebenen gesagt: Wir wollen es nicht“, bilanziert Otterbach. Er erinnert in diesem Kontext an ein Zitat von Hermann Graf Hatzfeldt: „Wenn’s nicht geht, weil die Bevölkerung es nicht haben will, dann ist es eben so.“ Und genau das sei nun hinreichend dokumentiert, meint Otterbach und schickt eine Botschaft nach Schloss Crottorf: „Es wäre schön, wenn er sich jetzt an seine Worte erinnern würde.“

"Das Risiko besteht weiter"

Allerdings: Die Altus-Pläne hatten sich gar nicht auf die möglichen Potenzialflächen beschränkt – sie hatten sich auf den Paragrafen 35 des Baugesetzbuchs gestützt, der Energiegewinnung im Außenbereich privilegiert. Und genau solche Anträge werden auch künftig möglich sein. Das weiß natürlich auch die BI, aber: „Das Risiko besteht weiter, aber es wird immer geringer. Immer mehr Gutachten sagen, dass Windräder in unserem Gemeindegebiet nicht möglich sind. Wenn also jetzt einer nach Paragraf 35 bauen will, dann wird er es schwer haben“, sagt Gehrke.
Zumal das Gutachten, auf dessen Basis der VG-Rat seine Entscheidung getroffen hat, der BI auch inhaltlich ins Blatt spielt. Denn der Erndtebrücker Gutachter hatte sich keineswegs nur auf den Artenschutz gestützt, sondern ein Argument ins Feld geführt, dass der BI schon lange am Herzen liegt: den Schutz der Landschaft. „ Das freut uns natürlich“, meint Otterbach.

Bürgerinitiative will ein Umdenken erreichen

Er stellt aber zugleich klar, dass die BI jetzt nicht lockerlassen wird. Zum einen, weil ja nicht nur Windräder Druck auf die Landschaft ausüben, sondern auch Gewerbegebiete oder Photovoltaik-Anlagen auf Freiflächen. Zum anderen, weil die BI nicht nur gegen Windräder vor der eigenen Haustür ankämpft, sondern vor allem ein Umdenken erreichen will – weg von einer Energiewende, die nur auf vermeintliche grüne Technologien setzt, hin zu einem bewussten und ressourcenschonenden Lebensstil. Daher ist die nächste BI-Aktion schon in der Pipeline: Ein großes Banner soll auf die Bedeutung des Artenschutzes hinweisen. Und die BI wartet laut Otterbach darauf, „endlich wieder die BI-Stammtische ausrichten zu dürfen“.

Arbeit der Bürgerinitiative Siegtal leidet unter Corona-Pandemie

Auch die BI Siegtal ist die Video- und Telefonschalten leid: „Das ist ein so wichtiges Thema, dass man das persönlich besprechen muss“, sagt Sprecher Markus Beul. Und die BI wird einiges zu diskutieren haben: „Sicher ist das Risiko, dass im Wildenburger Land Windräder entstehen, jetzt etwas geringer. Für uns ist es aber wieder maximal geworden“, sagt Beul mit Blick auf den Höh- und den Giebelwald. Denn in der Tat drohen ohne Vorrangfläche wieder Einzelanträge nach Paragraf 35 – und das womöglich auch auf den Höhen entlang des Siegtals.
Aber die BI sieht sich gut aufgestellt. So sei die Entscheidung des VG-Rats für die Brachbacher nicht überraschend gekommen: „Wir haben uns schon lange damit auseinandergesetzt, sind also präpariert.“ Und zum anderen: Es mag zwar still um die BI geworden sei – aber nur nach außen. „Wir haben im Hintergrund weitergearbeitet, sind nach wie vor gut vernetzt, stehen im ständigen Kontakt mit anderen Initiativen und der Verwaltung.“ Kurzum: „Wir waren nie weg. Von daher glaube ich: Der Weckruf wird funktionieren.“ Und der wird kommen, keine Frage: „Wir werden unsere Arbeit wieder intensivieren.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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